Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Preise konsolidieren

Seit Januar 2007 bewegen sich die Preise um eine gerade Trendlinie aufwärts. Zuletzt haben sie sich von dieser Linie nach oben entfernt. Überhitzung. Seit Freitag kühlen die Preise ab. Konsolidierung. Dass sie den Aufwärtstrend verlassen könnten, scheint derzeit so unwahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Nachdem US-Rohöl in der letzten Woche die Marke von 90 Dollar pro Barrel übersprungen hatte, wird bereits ein neues Ziel gehandelt. 100 Dollar. Und die Marktteilnehmer finden nach wie vor fundamentale und charttechnische Argumente, die das Ziel keineswegs absurd erscheinen lassen. Eine Abkühlung des Trends traf auch den Dollar. Nachdem ein neues historisches Tief erreicht wurde, schnellte er gestern in die Höhe. Die Trendlinie seit Januar ist eine abfallende Bananenkurve. D.h., die Steilheit nimmt im Verlauf zu.

Dem fallenden Dollar ist es zu verdanken, dass der Preisanstieg für Heizöl im Binnenmarkt vergleichsweise moderat ausfällt. Seit Januar weist die Trendgerade ein Plus von 24 Prozent auf. Heizöl hat die Höchstpreise von September 2005 noch nicht überschritten. Auf internationalem Parkett sehen die Steigerungsraten extremer aus. Für Gasöl und Heizöl betragen sie 46 Prozent, für Rohöl 50 Prozent. Gegenüber den Trendgeraden gibt es weiteren Konsolidierungsbedarf. Der liegt bei ca. fünf Prozent.

Anders als der mediale Tumult es vermuten lässt, hat Benzin den geringsten Preisanstieg von allen Ölprodukten im Binnenmarkt abbekommen. Gegenüber dem Januartief beträgt er 13 Prozent. Und anders als bei Heizöl folgt der Trend keiner ansteigenden Geraden. Seit Mai dominiert eine leicht fallende Trendlinie. Hauptgrund für den deutlich geringeren Preiszuwachs ist der hohe konstante Steueranteil am Benzin. Selbst wenn sich die um den Einfluss des Dollars bereinigten Preise am Weltmarkt verdoppelten, betrüge die Preissteigerung für Benzin „nur“ 38 Prozent.

Die bullische Verfassung des Markts spiegelt sich in der Verteilung der Long- und Short-Kontrakte der großen Spekulanten wider. Diese hat sowohl für Rohöl als auch für Heizöl ein großes Übergewicht zu Gunsten einer steigenden Preiserwartung. Das Übergewicht übertrifft alle früheren Verhältnisse zum vergleichbaren Zeitpunkt im jeweiligen Jahresverlauf.

Der Preisverlauf steht nicht im Verhältnis zur realen Versorgungslage. Diese ist entspannt. Zwar wird der Schwäche der US-Raffinerien ein gewisses Störpotenzial zugeschrieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses zum Tragen kommt, ist aber relativ gering. Der kommende Winter müsste mit Kälterekorden aufwarten, um Löcher in die Belieferungskette zu reißen. Dass die Preise davon galoppieren, ist eher auf eine allgemeine Verunsicherung zur zukünftigen Energieversorgung zurückzuführen. Angesichts des starken weltweiten Nachfrageanstiegs rückt die Endlichkeit der verfügbaren Ressourcen immer stärker ins Blickfeld. Die viel zitierten geopolitischen Störungen, Türkei – Irak, Iran – USA und andere Staaten, sind Beiwerk bei der preislichen Verarbeitung der Unsicherheit.

Die Antwort der Industriestaaten auf das Verbrauchs- und Preisgeschehen ist erstaunlich zurückhaltend und wenig wegweisend. In der jüngeren Geschichte gibt es Beispiele für klares, zielgerichtetes Handeln, das heute fehlt. Die großen Ölpreiskrisen der 1970er Jahre führten in den USA beispielsweise zu einem Gesetz, das die Halbierung des Spritverbrauchs von Autos erzwang. Die OECD-Länder gründeten damals die IEA (Internationale Energie Agentur), deren Aufgabe u.a. darin bestand, die Steigerung von Energieeffizienz und die Senkung von Energieverbrauch zu bewirken und zu überwachen. Dieses Ziel wird heute im Wirken der Agentur wiederbelebt. Es spielte viele Jahre keine Rolle in den öffentlichen Äußerungen der IEA. Dass man mit klaren politischen Vorgaben Energieverbrauch senken kann, ohne den Verlust von lieb gewordenen Lebensgewohnheiten in Kauf nehmen zu müssen, hat die Geschichte gezeigt. In den USA, in Deutschland und in anderen Industrienationen sank die Ölnachfrage in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre um 20 Prozent. Wäre das heute der Fall, würden die Preise kräftig nachgeben bzw. sie wären nicht da, wo sie sind.

Heute Morgen hält der Gasölpreis das Niveau von gestern Abend. Die Tonne kostet 719,50 $. Tendenziell zeigt die Preisbewegung leicht aufwärts.

Unsere Heizölpreise geben nach. Eine größere Abwärtsbewegung wurde gestern vom Dollar vereitelt. Für die kommenden Tage und Wochen erwarten wir keine grundsätzlich Änderung der Lage. Heizöl könnte kurzfristig etwas billiger werden. Generell muss man aber mit weiter steigenden Preisen rechnen. Da die Versorgungslage insgesamt gut ist, halten wir eine Änderung der Preisrichtung im Verlauf des Winters nach wie vor für wahrscheinlich. Voraussetzung ist allerdings, dass die Temperaturen im Rahmen eines normalen Winters verlaufen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen