Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Preise lassen Dampf ab

Bereits vor einer Woche gab es den Versuch, die Überhitzung der Preise zu beenden. Der endete kläglich mit einer neuen Preisspitze. Hauptursache war die schlechte Lage am US-Benzinmarkt, die auf die mangelhafte Raffineriesituation zurückzuführen ist. Nun gibt es einen neuen Anlauf für Entspannung. Als Auslöser gilt die Wiederinbetriebnahme einer wichtigen US-Raffinerie und eines Ölfelds in Nigeria. Auch der Dollar probt eine Gegenreaktion zu seinem in den Vortagen verschärften Abwärtstrend. Aktuelle Wirtschaftsdaten lassen den Kursrückgang als übertrieben stark erscheinen.Die allgemeine Einschätzung des Ölmarkts bleibt bullisch. Dieses Bild ergibt sich zumindest aus der Positionierung der großen Spekulanten. Der Überhang ihrer Kontrakte auf steigende Kurse ist größer als vor 12 Monaten. Damals befand sich der Markt in seiner stärksten Anstiegsphase des Jahres 2006. Die Gründe hierfür waren ähnlich wie heute, schlechter Zustand der US-Raffinerien und eine hohe Hurrikanerwartung für den Sommer. Der Preisanstieg hielt von Ende April bis Mitte Juni inne. Die Hurrikanprognosen ließen ihn danach fortfahren, allerdings mit geringerer Auswirkung als im Frühjahr. Nachdem die Unwettererwartung nicht eintrat, stürzten die Preise ab.In diesem Jahr werden starke Preisbewegungen erneut mit der Hurrikansituation in den USA verknüpft sein. Die reguläre Versorgung ist dagegen eher unkritisch zu beurteilen. Zwar sind die Zukunftsaussichten schlecht einschätzbar. Belastbare Daten über die Reserven sind nach wie vor nicht erhältlich. Eine Langfristeinschätzung ist daher reine Spekulation. Wenig spekulativ ist aber die Aussage, dass es in 2007 ein ausgeglichenes Angebots-Nachfrage-Verhältnis geben wird, wenn das Wetter und die geopolitischen Verhältnisse dies zulassen.Die lausige Raffineriesituation in den USA wird zwar immer wieder für mehr oder weniger starke bullische Impulse sorgen. Weltweit ist es aber nicht mehr so eng um die Raffineriekapazität bestellt. Dazu trägt auch Deutschland bei. Hier stieg die Rohöldestillationskapazität in 2006 um drei Prozent. Die eigene Nachfrageentwicklung machte die Kapazitätsaufstockung nicht nötig. Sie erfolgte mit Blick auf den Weltbedarf. Der wesentliche Anteil entfällt auf die Raffinerie in Wilhelmshaven. Sie ist im Besitz der US-Firma ConocoPhillips.Die aktuellen Gründe für den Preisrückgang sind nicht mehr als ein Tagesthema. Zu einer generellen Änderung der Preisbewegung taugen sie nicht. Die wieder in Betrieb gegangene US-Raffinerie läuft nur mit halber Kraft. Und wie es um die Sicherheit des wieder eröffneten nigerianischen Ölfelds steht, muss sich in den kommenden Monaten noch zeigen.Die Preisbewegung kann unterschiedlich charakterisiert werden. Die auffälligste Feststellung ist die, dass der langfristige Aufwärtstrend nicht mehr uneingeschränkt Gültigkeit hat. Er ist durch den Preiseinbruch Ende letzten Jahres abgebrochen. Der fundamentale Grund war das Fehlen einer gravierenden Störung des Ölmarkts. Sollte eine solche Störung in diesem Jahr erfolgen, wird der langfristige Trend vermutlich wieder aufgenommen werden. Das muss aber nicht so sein. In einer Zwei-Jahres-Betrachtung haben sich die Preise lediglich seitwärts entwickelt, wobei die Ausschläge erheblich waren. Der Preisanstieg des letzten Jahres wurde annulliert. Gleiches kann mit dem jüngsten Preisanstieg geschehen. Sollte man dem langfristigen Preisanstieg einen wesentlichen Grund zuordnen, dann wäre dieser die unerwartete Nachfrageentwicklung Chinas in den Jahren 2003 und 2004. Alle anderen Einflüsse aus Geopolitik, Wetter und Angebotsentwicklung treten dagegen zurück. Eine weitere Überraschung aus China dürfte nicht als Steigerung der Nachfrage kommen sondern allenfalls als unerwarteter Abbruch, wenn eine Wirtschaftsblase platzen sollte. Als dauerhaft bullisch könnte sich dagegen die Unsicherheit über die zukünftigen Reserven entpuppen.Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem zurückgezogenen Niveau von gestern Abend. Die Tonne kostet 585,50 $.Unsere Heizölpreise sinken. Insgesamt entwickeln sie sich bei ähnlichen Randbedingungen parallel zum Vorjahr, wobei das Niveau um vier bis sechs Cent niedriger ist. Momentan deutet nichts darauf hin, dass sich das ändern sollte. Die praktisch zusammengebrochene Nachfrage auf Grund des warmen Winters bringt aktuell keinen preislichen Vorteil. Am allgemeinen Vorteil zum Vorjahr hat das Wetter großen Anteil.

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