Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preise laufen heiß

Die am Donnerstag einsetzende Gegenreaktion auf die heiß laufenden Preise wurde am Freitag ergebnislos abgebrochen. Statt eines Einbruchs erreichten die Preise neue Spitzenwerte im laufenden Aufwärtstrend. Sorge vor den Folgen der geopolitischen Störungen, drohende Engpässe bei der Benzinversorgung in den USA und ein spekulativer Kapitalstrom in den Ölmarkt sorgen für die aktuelle Ölpreisrallye. Fakt ist, dass die Preise bereits jetzt überhitzt sind. Daher wird die Wahrscheinlichkeit für eine Gegenreaktion immer größer. Am generellen Aufwärtstrend wird sich aber auch im Fall einer kurzfristigen Abkühlung nichts ändern. Der Dollar fällt weiter. Umschichtungen von Dollar-Währungsreserven auf Euro werden als Grund für den Kursrückgang genannt.

Ein gewichtiger Grund für die davonfliegenden Ölpreise ist die Drohung der USA, den Atomstreit mit dem Iran mit militärischen Mitteln beenden zu können. Dieser Grund könnte auch Auslöser einer Gegenbewegung werden. Ein plötzlicher Meinungswechsel ist an der Börse nicht ungewöhnlich. Man konnte ihn zum Thema schon einmal im Februar erleben. Die realistische Einschätzung der Möglichkeiten für einen Krieg fällt dürftig aus. Die USA verfügen kaum noch über freie Militärkapazitäten. Die Stimmung im Land für weitere Auslandseinsätze der Truppe ist schlecht. Mit der militärischen Option sind anders als vor dem Irakkrieg keinerlei Hoffnungen auf zusätzlichen Ölbesitz verknüpft. Im Gegenteil, man muss mit weiterem Verlust von verfügbarem Öl rechnen. Das würde die Preise unweigerlich noch viel stärker in die Höhe treiben. Die Folge eines wirtschaftlichen Absturzes wäre so gut wie sicher. Dass ein US-Präsident diesen Fall riskiert, ist sehr unwahrscheinlich.

Sollte sich der skizzierte Meinungswechsel in Kürze einstellen und die Preise nachgeben, heißt das aber noch lange nicht, dass der Spuk des teuren Öls vorüber ist. Bei genauerer Analyse der aktuellen Lage zeigt sich ein Problem, dass angesichts der populären Argumente für die Preisrallye wenig Beachtung findet. Die allgemein als gut eingeschätzte Rohölversorgung wird ihrem Ruf nicht gerecht. Dass die OPEC über Nachfrage produziert, heißt nicht, dass Reservemengen für die Verarbeitung zur Verfügung stehen. Die Rohölsorten, die Raffinerien nachfragen, sind knapp. Allein aus diesem Grund wird Rohöl immer teurer. Nennenswerte Reservemengen kann nur Saudi Arabien liefern. Das Öl will aber kaum eine Raffinerie haben, weil es nicht zu den heute geforderten schwefelarmen Produkten verarbeitet werden kann. Gefragt ist dagegen Nordseeöl, Texasöl, Iranöl, Nigeriaöl, alles schwefelarme Sorten, die immer weniger zur Verfügung stehen. Es gibt zwar keine Knappheit an absoluten Mengen, es gibt aber eine Knappheit an qualitativ guten Mengen. Und die wird tendenziell steigen.

Ein weiterer Grund für den anziehenden Preis ist die angeschlagene Benzinversorgung der USA. Wenn sich hierzulande alljährlich zu Ostern die Medien in vermeintlich verbraucherschützender Weise über das seit sieben Jahren wiederkehrenden Phänomen der steigenden Benzinpreise aufblasen, und die Ölkonzerne des verbrecherischen Ausnutzens einer Situation bezichtigen, zeigen sie damit allenfalls Ignoranz vor den wahren Ursachen. Die Höhe der Gewinne der Ölkonzerne strapaziert das menschliche Empfinden für Moral ohne jeden Zweifel. Aus dem Tankstellengeschäft stammen diese Gewinne aber nicht. Deutschland hat im europäischen Vergleich extrem niedrige Kraftstoffmargen. Deutschland hat aber die dritthöchsten Benzin- und die zweithöchsten Dieselsteuern Europas. Der im Frühjahr einsetzende Preisanstieg hat seine Ursache nicht in Margenkosmetik sondern im Export hier raffinierten Benzins in die USA. Die sind immer weniger in der Lage, für ihre eigene Versorgung zu sorgen. Jahr für Jahr stiegt die Importrate für Benzin. Und das muss vor Beginn der Fahrsaison in besonders großer Menge herangeschafft werden, damit kein Engpass spürbar wird. 2005 importierten die USA doppelt soviel Benzin wie in Deutschland verbraucht wird. Der Skandal ist nicht der Preisanstieg für Benzin. Der ist eine natürliche Folge der Nachfrage. Der Skandal ist das US-Verbraucherverhalten. Der Benzinverbrauch jenseits des Atlantiks nimmt immer noch um ein Prozent pro Jahr zu, während er hierzulande deutlich sinkt. Bezahlt wird die Unvernunft aber auch vom deutschen Verbraucher. Der steigende Benzinpreis nimmt den Heizölpreis übrigens immer ein Stück weit mit nach oben.

Die spekulative Ursache der Ölpreisbildung steigt ebenfalls kräftig an. In der letzten Woche schnellte die Anzahl der Kontrakte auf steigende Rohölpreise auf ein neues 12-Monats-Hoch. Das Engagement an der US-Ölbörse hat ein historisches Hoch erreicht. Man kann ohne Einschränkung von einem Börsenhype sprechen. Fachleute sehen zu niedrige Zinsen als Mitursache für die Situation. Geld ließe sich nach ihrer Meinung zu billig leihen und im großen Stil an den Energiebörsen zur Spekulation verwenden.

Heute Morgen kostet Gasöl 639,75 $ pro Tonne. Tendenz steigend. Der Preis liegt unter dem Freitagshoch. Eine nennenswerte Gegenreaktion ist aber noch nicht zu erkennen.

Unsere Heizölpreise geben zum Wochenstart leicht nach. Die Bewegung bleibt marginal. Insgesamt liegt ein bemerkenswert stabiler Aufwärtstrend vor. Wir erwarten in Kürze eine spürbare Gegenreaktion, die aber keine Abkehr vom längerfristigen Aufwärtstrend bringen wird. Mit einer Trendumkehr rechnen wir erst ab September. Bis dahin muss man mit weiterer, teilweise kräftiger Teuerung rechnen.

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