Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Preise purzeln planvoll

Der Ölmarkt kennt seit geraumer Zeit keine Spannung mehr. Er ist außerordentlich gut versorgt. Daran wird sich in absehbarer Zeit wenig ändern. Bis zur nächsten Knappheitsdebatte dürften Jahre vergehen. Das heißt nicht, dass die Preise nicht weiter steigen werden. Sie stehen schon lange unter dem Einfluss der Finanzindustrie. Nachdem diese mit Massen von Staatsgeldern gemästet wurde, hat sie die Herrschaft über die Ölpreise endgültig übernommen. Daher wird es um die Ölpreise im Gegensatz zum Ölmarkt nicht ruhig werden. Vollkommen losgelöst von der realen Marktlage werden an der Preisfront von Zeit zu Zeit Turbulenzen auftauchen. Die letzten Turbulenzen verziehen sich gerade. Die hoch gewirbelten Preise kommen zurück. Am verrückten Gesamtniveau ändert das wenig. Verrückt ist dieses Niveau deshalb, weil es in keiner Weise das Angebots-Nachfrage-Verhältnis widerspiegelt. Das verlangt tiefere Preise. Gäbe es eine Bindung der Preise an den Markt, wäre ein kräftiger Einbruch fällig. Der wird nach Lage der Dinge nicht kommen. Es wird wohl bei einer begrenzten Gegenreaktion auf die jüngste Rallye bleiben. Nach einer Konsolidierung auf erhöhtem Niveau wird die nächste Rallye folgen. Das Spiel läuft solange stabil, wie es mit hinterlegtem Geld abgesichert ist. Danach ist immer noch nicht Schluss mit Preisauftrieb. Dann wird nicht existentes Geld eingesetzt. Die Preissteigerung wird solange fortgesetzt, bis die ersten Spieler auf dem inzwischen ins virtuelle abgehobene Preisgebäude vom Schwindel übermannt werden. Dann wird es rasant abwärts gehen. Das ist der nächste Crash. Wieder wird Geld vernichtet. Es wird wieder um Hilfe gejammert. Ob die Spieler wohl wieder frisches Geld bekommen werden?

Unter Umständen macht es Sinn, den Crash zu antizipieren. Je früher er kommt, umso weniger hart wird er die Gesellschaft treffen. Die Terminmarktaufsicht kann einen Crash mit schärferen Regeln auslösen. Genau darin liegt das Problem der Aufsicht. Die Preise sind bereits jetzt zu heiß gelaufen. Es steckt schon wieder viel zu viel Geld im spekulativen Ölgeschäft. Schärfere Regeln würden es vernichten. Den Mut zur nötigen Vernichtung haben die Kommissare nicht, jedenfalls nicht alle. Je länger sie mit dem Verhängen neuer Regeln warten, umso folgenschwerer wird die dadurch ausgelöste Geldvernichtung werden. Also wird es keine neuen Regeln geben. Es herrscht das Prinzip Hoffen statt Handeln. So kennt man es von der Politik. So kennt man es von der überwältigenden Mehrheit der Menschen.

Die Tatsache, dass die Finanzjongleure ein vom Ölmarkt losgelöstes Spiel spielen, heißt nicht, dass sie sich keine Eingebungen vom Ölmarkt holen. Gestern ließen sie sich von den US-Bestandsdaten befruchten. Die passen recht gut zur Börsenstimmung, zumindest in ihren als bedeutsam eingestuften Teilen. Diese Teile lieferte das DOE (Department of Energy) mit zur Vorwoche gestiegenen Lagerzahlen. Die werden bärisch interpretiert. Das API (American Petroleum Institute) gab Gegenteiliges zu Protokoll. Das wird ignoriert. Die Daten lauten wie folgt:

Rohöl: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,3 (DOE) bzw. ein Abbau von 4,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und niedriger als im Vorjahr. Sie befinden sich auf vergleichsweise tiefem Niveau. Die Raffinerieverfügbarkeit ist unwesentlich von 81 auf 82 Prozent gestiegen. Die Daten machen deutlich, dass die Nachfrage sehr reduziert ist. Im Gegensatz zu Zeiten vor 12 Monaten und mehr ist auf der Verbrauchsseite kein Sog zu spüren.

Nach Bekanntwerden der Bestandsdaten gaben die Preise nennenswert nach. Am Ende des Tages stand ein Minus von rund 2,5 Prozent. Heute Morgen halten sich die Preise auf dem erreichten Zwischentief. Ausgereizt sieht es noch nicht aus. Die Tonne Gasöl kostet 613 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,42 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,85 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Der letzte Preisanstieg wird korrigiert. Mehr Korrektur ist charttechnisch vorstellbar. Einen wirklich großen Wurf erwarten wir allerdings nicht. Sobald die Lage günstig scheint, wird die vorzüglich mit Geld versorgte Finanzindustrie wieder auf den Zug zu höheren Preisen aufspringen und ihn beschleunigen. Wir sehen entgegen früherer Einschätzungen derzeit keine Chance auf deutlich tiefere Preise, weil die Regulierung des Ölmarkts nicht stattfindet. Mit dieser Regulierung hatten wir vor Kurzem noch gerechnet. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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