Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Preise purzeln

In der letzten Märzwoche waren die Preise als Folge der Irankrise heiß gelaufen. Nach Freilassung der britischen Soldaten hätte die Überhitzung abgebaut werden sollen. Aber nicht endende schlechte Nachrichten von den US-Raffinerien verhinderten dies. Nun wird leichte Entspannung vom US-Benzinmarkt gemeldet. Prompt sinken die Preise. Der Aufwärtstrend ist in den meisten Chartansichten allerdings noch intakt. Der Dollar befindet sich in einem soliden Abwärtstrend. Die Richtung konnte nicht von zuletzt guten US-Konjunkturdaten profitieren.Die Erwartung für die Preisentwicklung der nächsten Monate befindet sich zwischen seitwärts und aufwärts. Es gibt widersprüchliche fundamentale und technische Daten. Die Datenbasis ist unsolide. Der Handel ist sehr spekulativ. Keinen Zweifel gibt es, dass das Angebot steigt. Das gilt sowohl für Nicht-OPEC- als auch für OPEC-Öl. Aber bereits bei den Reservekapazitäten betritt man spekulativen Boden. Wie weit die Möglichkeiten reichen, im Falle eines schnellen Nachfrageanstiegs zu reagieren, ist nicht bekannt. Die Nachfrage sollte in diesem Jahr allerdings keine sprunghafte Änderung zeigen. Die Erwartungen sehen eine höhere Steigerung des Angebots als der Nachfrage voraus. Das führte zu einer leicht rückläufigen Preisprognose. Diese wird nun von aktuellen Ereignissen überlagert, die dem Geschehen erneut einen bullischen Charakter gaben. Die wesentlichen Faktoren waren bisher die Ereignisse um den Iran und der schlechte Zustand der US-Versorgungseinrichtungen. Beide Aspekte dürften fortbestehen. Ihre Interpretation wird sich von Zeit zu Zeit ändern. Gestern meldete Teheran einen großen Fortschritt bei den Atombemühungen. Dieser wurde von den Börsen ignoriert.Bei der Bewertung des eigenen Ölmarkts sind die USA angespannt. Der schlechte Zustand der Raffinerien müsste nicht zwangsläufig zu Engpässen und Preissteigerungen im Benzinmarkt führen. Sollte sich die Wirtschaft abkühlen, würde der Bedarf das Angebot nicht über Gebühr strapazieren. Die Preise könnten sogar fallen. In ihrer typischen Art suchen Spekulanten aber bereits nach neuen Argumenten, um den bullischen Trend zu stützen. Sie bedienen sich dazu zweifelhafter Vorhersagen der Hurrikanentwicklung für dieses Jahr. Es soll mal wieder fürchterlich werden. Die Mehrheit der großen Spekulanten hat eine klare Position für steigende Preise eingenommen. Das heißt nicht, dass Hurrikane tatsächlich großen Schaden anrichten werden und dass die Preise tatsächlich weiter steigen. Eines lässt sich allerdings mit Sicherheit sagen. Wenn die USA einen Militärschlag gegen den Iran planen, werden die Preise in die Höhe getrieben. Danach sieht es derzeit nicht aus. Andernfalls würden die Preise nicht so stark fallen, wie gestern geschehen.Die Unsicherheit zur Preisentwicklung wird auch in den Charts deutlich widergespiegelt. In den letzten Wochen hat sich eine überdurchschnittlich große Differenz zwischen dem Preis für US-Rohöl WTI (West Texas Intermediate) und Nordseeöl Brent aufgebaut. Beide Sorten sind qualitativ hochwertig. Die Preislücke ist auf fünf Dollar zu Gunsten von Brent angewachsen. Der Brent Preischart ist klar bullisch, während man die Entwicklung mit dem WTI-Chart noch als seitwärtsgerichtet interpretieren kann. Eine Differenz gibt es auch beim europäischen Gasöl und dem amerikanischen Heizöl. Die Produkte sind vergleichbar. Beide Charts zeigen einen Aufwärtstrend. Die Ausprägung ist bei US-Heizöl aber schwächer. Klar und deutlich bullisch ist hingegen die Preisentwicklung für Benzin.Heute Morgen ist der Preisverfall beim Gasöl gestoppt. Die Tonne kostet 574,75 $.Unsere Heizölpreise geben nach. Der Weltmarkt und der Dollar drücken in die gleiche Richtung. Gegenwärtig ist es schwer vorstellbar, dass die starke Ausprägung zu steigenden Preisen wieder überwunden und eine Rückkehr zum Seitwärtstrend vollzogen wird. Daher wird die aktuelle Bewegung wohl nur etwas Entspannung in den Aufwärtstrend bringen. Der Preisvorteil zum Vorjahr sollte trotzdem gehalten werden. Die Nachfrage im Inland ist extrem gering. Die Anomalie hält die Heizölpreise in München seit Wochen unter denen von Hamburg. Traditionell ist München ein Hochpreisort.

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