Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Preise schon wieder im Überschwang

Innerhalb der letzten Woche haben die Rohölpreise das Band des langfristigen Aufwärtstrends von unten nach oben komplett durchkreuzt. Sie sind bereits wieder in der Zone der Übertreibung und das, obwohl die Rohölversorgung momentan gut ist. Die Bewegung muss in dieser Woche nicht so weitergehen. Der Dollar entwickelte sich wieder prächtig gegen die Erwartungen. Dieses Mal sank er.

Der Ölmarkt wird von Unsicherheit getrieben. Nach einer mehrmonatigen Phase, in der die Rohölvorräte fast kontinuierlich aufgebaut wurden, besteht nun die Sorge, dass das Ende des Möglichen erreicht ist. Die Bestände fielen plötzlich ab. Kurze Schwäche oder Umkehrung des Trends? Am Markt wird spekuliert. Weniger Anlass zur Spekulation als vielmehr zur Sorge gibt die Entwicklung der Heizöl- und Dieselvorräte. Sie sind dürftig. Angesichts der weltweiten Nachfrage ist nicht abzusehen, dass ein baldiger Aufbau gelingen könnte.

Die große Nachfrage kommt u.a. aus dem asiatischen Raum. 4% der weltweiten Verbrauchssteigerung hat hier ihren Ursprung. In vielen Regionen wird die schwache Stromversorgung mit Dieselaggregaten im großen Stil unterstützt. Schwerwiegend kommt hinzu, dass die Regierungen vieler Boomstaaten die Ölpreise subventionieren. Im vergangenen Jahr hat das Indonesien 7 Mrd. $, Thailand 2 Mrd. $ und Malaysia 1,6 Mrd. $ gekostet. Damit wurde die Nachfrage gefördert, der Weltmarktpreis gesteigert und die Subventionskosten erneut in die Höhe getrieben. Mittlerweile beginnen einige Staaten vom Unsinn abzulassen. In Thailand wurden die Benzinsubventionen gestrichen und die Dieselpreise um 20% angehoben. Der Verbrauch geht seit dem zurück. In Indonesien wurden Mineralölprodukte um 30% teurer. Die Bevölkerung reagierte mit heftigen Protesten. In Vietnam bezahlt man für Benzin 7% und für Diesel 13% mehr als zuvor. In Malaysia sorgte die Regierung für einen Dieselpreisanstieg von 6%.

In welchem Umfang die Wirtschaft und die Nachfrage in Asien wächst, bleibt weiterhin nebulös. Ob China beispielsweise nach dem starken Jahr 2004 erneut eine wachsende Nachfragesteigerung produziert oder ob die Nachfragesteigerung geringer ausfällt, wird von unterschiedlichen Beobachtern zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich beantwortet. Die jeweilige Aussage hat dann Einfluss auf die Preisentwicklung. Nachdem die IEA (Internationale Energieagentur) in der vorletzten Woche Entspannung signalisierte und die Preise prompt sanken, kam in der letzten Woche eine anders lautende Meldung mit dem Effekt steigender Preise.

Unabhängig von den täglichen Unsicherheiten scheint der Aufbau der Förder- und Verarbeitungseinrichtungen zum Programm zu werden. Positive Effekte auf die Preise werden sich allerdings erst in einigen Jahren einstellen. Die staatliche saudische Gesellschaft Aramco wird in den nächsten fünf Jahren 20 Mrd. $ allein in Raffinerien investieren. Die werden Produkte für den Weltmarkt liefern. Die OPEC insgesamt wird weitere Anstrengungen unternehmen, um den Rohölpreis längerfristig nicht über 50$ hinauslaufen zu lassen. So sollen die knapp gewordenen Reservekapazitäten für die weltweite Rohölversorgung bereits bis zum Jahresende deutlich gesteigert werden. Die Sorge, dass sich die Industrieländer andernfalls vom Mineralöl abwenden und in alternative Energien investieren, wächst.

Eben diese Industrieländer sind in ihrer Investitionsbereitschaft in Förder- und Verarbeitungsanlagen eher zurückhaltend. So könnte beispielsweise in Kanada, wo die zweitgrößten Reserven der Welt in Ölsänden lagern, erheblich mehr für deren Förderung getan werden. Bei einem Preis für Texasöl von 22$ bis 27$ pro Barrel sollte ein Ölsandprojekt eine Verzinsung von 10% bringen. Z.Z. kostet das Barrel Texasöl über 55$. Doch die Ölgewinnung wächst nach wie vorlangsamer als der Preis.

In der letzten Woche stieg der Ölpreis zwar wieder kräftig. Die großen Spekulanten scheinen aber kurzfristig von einer anhaltenden Teuerung nicht überzeugt zu sein. Sie reduzierten ihr Engagement in steigende Kurse sehr stark. Charttechnisch ging es zu schnell aufwärts, um der Bewegung ein gewisses Maß an Nachhaltigkeit zuzuschreiben. Ein kleinerer Rückschlag wäre bereits wieder fällig.

Heute Morgen befindet sich der Gasölpreis allerdings noch im Aufwärtsgang. Die Tonne kostet 495$.

Unsere Heizölpreise steigen leicht. Auf dem aktuellen Niveau könnte nach unserer Ansicht der Jahredurchschnittspreis liegen. Kurzfristig rechnen wir nicht mit einer deutlichen Teuerung. Längerfristig spricht der Trend allerdings sehr dafür. Heizöl zu einem ?günstigen? Preis zu kaufen, ist spekulativ. Wer dem die Spitze nehmen möchte, sollte sich mit einer Teilmenge eindecken. So bliebe bei eventuell fallenden Preisen die Möglichkeit, billig nachzukaufen. Bei deutlich steigenden Preisen hätte man immerhin einen Teil des aktuellen Preises gesichert.

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