Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Preise steigen und steigen

Gestern war ein normaler Tag an den Ölbörsen. Rund um den Globus gab es Ereignisse, die für Diskussionsstoff sorgten. Dazu gehörten der Rückzug der Türkei aus dem Irak, Force-Majeur-Meldungen aus Nigeria und Ecuador, sie bedeuten die teilweise Einstellung von Lieferungen wegen höherer Gewalt, ein Sanktionsbeschluss gegen den Iran wegen seiner Atompolitik, Äußerungen aus OPEC-Kreisen zum morgen stattfindenden Treffen und irgendwelche Konjunkturdaten aus den USA. Alles in allem eine Menge Nachrichtenstoff mit relativ wenig Gehalt im Bezug auf die aktuelle Versorgungslage. Die ist gut. Auf Verbraucherseite gibt es keine Engpässe. Im Gegenteil, im ersten Quartal nimmt die Nachfrage nach einem verbrauchsstarken vierten Quartal üblicherweise ab. Das wird auch in diesem Jahr so sein. Angesichts der sehr hohen Preise wäre ein Preisrückgang eine angemessene Reaktion auf die Marktlage. Es gab aber keinen Preisrückgang. Es gab wieder einen Preisanstieg. Der erreichte zwischenzeitlich für alle Kontrakte neue Höchstwerte. Beim Dollar setzte sich der gewaltige Verfall der Vortage dagegen nicht fort.

Wenn die OPEC morgen in Wien die Förderquoten diskutiert, wird es kontrovers zugehen. Die bekannten Hardliner, deren Exponenten Iran und Venezuela sind, werden eine Absenkung fordern, weil die Versorgung gut ist und weil sie die Preise auf keinen Fall sinken sehen wollen. Die Gegenposition, nämlich die Steigerung der Liefermengen, wird von Saudi Arabien angeführt. Ihre Vertreter befürchten, dass sich die Welt an der drohenden US-Rezession infizieren könnte. Das Virus wäre der hohe Ölpreis. Er sollte abgekühlt werden. Am Ende des Rezessionsszenarios stünde ein Rückgang der Nachfrage und ein Absturz der Ölpreise.

Bisher war es nicht sehr schwierig, den Ölpreis wenigstens im ersten Quartal zum Fallen zu bewegen. Er tat es im Prinzip von selbst, als Reaktion auf den saisonalen Nachfragerückgang. In diesem Jahr fiel der Preisrückgang äußerst dürftig aus. Und das, obwohl die OPEC über Quote förderte. Dazu trugen übrigens sowohl Saudi Arabien als auch der Iran bei.

Als letzter Grund für unaufhörlich steigende Preise wird der unaufhörlich fallende Dollar genannt. Lieferländer gleichen über die Preissteigerung den Verlust der Ölwährung US-Dollar aus. Diese These impliziert, dass die Lieferländer Herr über die Preisbildung sind. Das sind sie aber nicht. Eindeutiger Herr über die Preisbildung ist die Finanzwelt in Form von Banken, Fonds und Spekulanten. Das tägliche Handelsvolumen mit Ölpapieren ist 15 Mal höher als das real verbrauchte Ölvolumen. Die Hälfte aller Kontrakte wird von Gruppen Gehalten, die nichts mit dem physischen Ölgeschäft zu tun haben. Diese Gruppen sind weder Versorger noch ausgewiesene Verbraucher. Diese Gruppen haben einzig ein spekulatives Interesse an Öl.

Die Großen dieser Gruppe sind Investmentfirmen wie Goldman Sachs. Diese Firmen geben öffentlich die erwartete Entwicklung der Ölpreise bekannt und profitieren davon, wenn die Erwartung eintritt. Sie verfügen über so viel Liquidität, dass sie ihre erwartete Preisrichtung tatkräftig protegieren können. Diese Finanzfirmen haben Ende der 1990er Jahre eine Internetblase erzeugt. Bis 2007 haben sie eine US-Immobilienblase geschaffen. Beide Blasen zerplatzen jäh. Nun blasen sie den Ölpreis auf. Wenn sie es damit schaffen, die Weltwirtschaft in die Knie zu zwingen, werden sie genau so überrascht sein wie beim Absturz der aufgeblasenen Immobilienpreise in den USA. Als Verbraucher muss man dem Irrsinn zähneknirschend zusehen. Damit nicht genug, man muss beobachten, wie die spekulative Preisentwicklung auf andere Bereiche übergreift. Das betrifft alle Energiearten und teilweise auch Lebensmittelpreise für Weizen, Mais, Palmöl etc..

Nun soll diese Betrachtung nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verbrauch von Öl, Gas und anderen Energieträgern nicht beliebig gesteigert werden kann. Ohne Zweifel führt ein ungebremstes Verbrauchswachstum zu ganz realen Problem beim Klima und bei der Versorgung. Ohne Zweifel muss die Menschheit ihre ganze Intelligenz anwenden, um diese Zukunftsprobleme so schnell wie möglich zu lösen. Die aktuelle Preisentwicklung steht aber in keinem engen Zusammenhang mit dieser essentiellen Frage der Menschheit. Sie ist im Wesentlichen ein Auswuchs spekulativer Gier.

Heute Morgen macht diese spekulative Gier eine kleine Pause. Damit ist die weitere Richtung in keiner Weise vorgegeben. Die Tonne Gasöl kostet 929,50 $.

Unsere Heizölpreise sind ganz oben. Der zuletzt kräftige Dollarverfall verhinderte Schlimmeres. Das kann und wird Verbraucher, die sich eindecken müssen, kaum trösten. Ein Ende der Preisspirale ist nicht abzusehen. Im Gegenteil, die Lust bullischer Spekulanten dabei zu sein, wenn der Preis steigt und steigt, wächst. Kleine Rückschläge auf dem Weg nach oben wird es geben. Aber mehr als klein kann die Entspannung kaum sein.

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