Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Preisentwicklung hängt weiter am Wetter

Am Freitag entwickelte sich der Abwärtstrend bis kurz vor Handelsschluss gut. Doch am Ende zeigte die Preisentwicklung steil nach oben. Am Wochenende bekam die Abschlussrichtung durch Meldungen über einen neuen Sturm in der Karibik eine fundamentale Unterstützung. Die Abwärtsbewegung ist erneut blockiert. Der Dollar gibt gegen seinen vorherrschenden Trend nach.

Preisprognosen haben in dieser Zeit ein kurzes Leben. Zur Jahresmitte kannten die Phantasien für Preissteigerung praktische keine Grenze. Rohölpreise über 100 Dollar pro Barrel waren in den Prognosen an der Tagesordnung. Lediglich die großen Ölkonzerne kalkulierten mit bei ihren Investitionsentscheidungen für neue Fördervorhaben mit Preisen unter 40 Dollar teilweise sogar unter 30 Dollar pro Barrel. Die reale Entwicklung der Preise schien der großen Gemeinde der Bullen Recht zu geben und stellte die Ölleute mit ihrer konservativen Meinung ins Abseits. Unterstützung fanden die Bullen in Nachfrageprognosen für die großen Ölverbraucher USA, China, Indien und andere rasant wachsende Volkswirtschaften.

In der zweiten Jahreshälfte gewann die Einsicht, dass Rohöl doch kein knappes Gut ist, Gewicht. Nachfrageprognosen wurden gesenkt und angehoben und gesenkt und angehoben ... Das kann so weitergehen. Bedeutsamer als die unzuverlässigen Prognosen ist die Einstellung zur Zukunft. Und die sieht hinsichtlich der Rohölversorgung gelassener aus als vor wenigen Monaten. Banker gaben im September Einschätzungen zum Rohölpreis im kommenden Jahr zwischen 45 und 70 Dollar an, wobei das Gros zwischen 50 und 60 Dollar liegt. Deutlich beständiger in ihrer Meinung sind die Manager von Exxon Mobil. Allerdings sind die Äußerungen im Stil eines Orakels formuliert. Das Nachfragewachstum für Primärenergie wird bis 2030 um über 50 Prozent steigen. Öl wird dabei eine große Rolle spielen.

Besser als die Prognosen spiegelt das Engagement der Spekulanten in Ölpapiere die aktuelle Einschätzung wider. Für Rohöl haben die Positionen auf fallende Kurse ein Zweijahresmaximum erreicht. Die Preise bilden seit Anfang September einen schwachen Abwärtstrend aus. Gestört wurde dieser von den Wettereinflüssen, die im Golf von Mexiko und im Süden der USA für schwere Schäden sorgten.

Die Welt ist sich mittlerweile weitgehend einig, dass das Übel der hohen Preise aus der Raffinerieknappheit und ausufernder Spekulation resultiert. Gegen Raffinerieknappheit hilft Neu- und Ausbau oder/und Verbrauchssenkung. Das erste findet statt. Das zweite liegt im Ungewissen. Gegen Spekulation hilft in freien Märken im Prinzip gar nichts. Selbst das viel geforderte Mehr an Information wird nichts ändern. Wenn alle Mengen, die sich in Förderung, Transporten und Lagern befinden, bekannt wären, wenn zudem alle Verbrauche sicher einschätzbar wären, bliebe immer noch das Wetter, das ein Teil der Erkenntnisse über den Haufen werfen könnte. Der Teil würde, weil Ölpreise immer an der kleinen Grenze zwischen zuviel und zuwenig gebildet werden, ausreichen, um die Spekulation erneut anzuheizen.

Die knappen Raffineriekapazitäten sind der Grund, warum sich die Heizöl- und Benzinpreise zuletzt nicht so eindeutig nach unten entwickelten wie die Rohölpreise. Die Benzinpreise haben allerdings sehr stark nach unten aufgeholt. Heizöl bleibt dagegen im undefinierten Bereich der Entwicklung stehen. Beim Heizöl wird die Preisentwicklung von den Engagements im Papierölmarkt bestätigt. Sie sind ausgewogen zwischen bullisch und bärisch. Benzinpapiere auf steigende Preise werden dagegen wieder gekauft. Die Lage sieht bullisch aus. Die Benzinpreise könnten ein Tief durchlaufen haben.

Die Konklusion der Beobachtung ist, dass der große Wurf zu sinkenden Preisen nicht zu erkennen ist und dass die Preisbildung mindestens im kurzfristigen Bereich erheblich an den Wetterprognosen hängt. Stürme in der Karibik und kalte Temperaturen, hauptsächlich in einigen US-Regionen, als Vorboten des Winters werden eine schwache Tendenz zu fallenden Preise immer wieder in das Gegenteil drehen.

Heute Morgen geschieht es so. Die Gasölpreise steigen erheblich gegenüber den Freitagsnotierungen. Die Tonne kostet 599 $.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie folgen, wie fast immer, dem Geschehen am Weltmarkt direkt. Nach wie vor fehlt die ersehnte, nach unten gerichtete Linie bei der Preisbildung. Die Chance für sinkende Preise existiert mehr als in den letzten Monaten. Sie wird allerdings von Wetterprognosen am Durchbruch gehindert und schlimmstenfalls vom Wetter selbst vernichtet.

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