Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preisniveau soll 2006 konstant bleiben

Am letzten Handelstag im Jahr 2005 setzte sich der Preisanstieg fort. Die Fachwelt ist sich nicht einig, ob das die Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend ist oder ob es sich um eine unbedeutende Bewegung um ein konstantes Preisniveau von 59 Dollar pro Barrel für Texas-Rohöl handelt. Der Dollar bewegt sich eindeutiger als der Ölpreis seitwärts.

Zum Jahreswechsel haben Schätzungen über die zukünftige Preisentwicklung traditionell Konjunktur. 25 Analysten ließen sich beispielsweise von der Nachrichtenagentur Bloomberg zum Thema befragen. Ihre zusammengefasste Meinung ergibt eine Preisschätzung von 58 Dollar pro Barrel Rohöl als Mittelwert für 2006. Erneute Preiskapriolen wie in 2005 erwarten die Fachleute nicht. In den zurückliegenden Wochen hatten verschiedene Banken die Meinung ihrer Experten veröffentlicht. Sie ergibt ein ähnliches Bild wie das von Bloomberg.

Träfen die Schätzungen zu, könnten Verbraucher aufatmen. Zwar befindet sich der Ölpreis aktuell auf einem hohen Niveau. Das ist allerdings mehr gefühlt als real. Die Preise sind im Vergleich zur Kaufkraft des Geldes immer noch deutlich unter dem Niveau Anfang der 1980er Jahre. Der gefühlte Schmerz über die Preisentwicklung hat seinen Ursprung in den historisch niedrigen Preisen Ende der 1990er Jahre. Kaufkraftbezogen waren die Preise vor acht Jahren auf einem Tiefpunkt. Heute ist Rohöl im Jahresduschschnitt fast viermal teurer als damals. Heizöl im Inland kostet im Jahresdurchschnitt gut doppelt soviel. Dennoch, Rohöl ist etwa 30 Prozent billiger als 1980. Heizöl kostet rund 20 Prozent weniger als 1982. Der Haken an den Expertenschätzungen zur zukünftigen Preisentwicklung ist der, dass sie in den letzten Jahren die reale Entwicklung immer unterschätzten.

Das könnte in 2006 wieder geschehen. Nach wie vor hat die Ölwelt mit vielen ungelösten Problemen zu kämpfen. Die weltweite Nachfragesteigerung ist weiterhin erheblich. Dem stehen nach derzeitiger Erkenntnis zwar ausreichende Rohölströme gegenüber. Aber die Raffineriekapazitäten zur Verarbeitung in verwertbare Produkte sind immer noch zu niedrig. Sie werden ausgebaut. Aber zur Verfügung stehen die neuen Kapazitäten noch nicht. Der Raffinerieausbau wird sowohl von den neuen Verbrauchergroßmächten China und Indien vorangetrieben als auch von den Rohöllieferanten des Nahen Ostens. Dagegen erweist sich die Supermacht des Ölverbrauchs, die USA, weiterhin als extrem schlechtes Vorbild. Raffinerien werden immer noch nicht im nennenswerten Maß geschaffen. Man lässt sich die Ware lieber aus der Welt anliefern.

Zum guten Ton in den USA gehört immerhin Energiesparen. Das wird mittlerweile sogar von der Bush-Regierung propagiert. Öffentliche Stellungnahmen zum Thema haben aber ehr den Charakter publikumswirksamer PR, als dass sie der Vermittlung zukünftiger politischer Ziele dienten. Den Geist der ?neuen? Politik vermittelt der Vizepräsident Dick Cheney. Nach seiner Meinung ist Energiesparen zwar ein Zeichen persönlicher Tugend. Eine Grundlage für eine umfassende Energiepolitik ist es aber nicht.

Auf der aktuellen Basis bleiben die USA ein von äußeren Einflüssen bedrohtes, ölabhängiges Land. Geopolitische Störungen wie aktuell aus dem Iran oder Wettereinflüsse wie Hurrikane und Kälteperioden werden die Preise unweigerlich in die Höhe treiben, weil sie mit spontanen Ängsten einer Versorgungskrise verbunden sein werden. Der Funke dieser Ängste wird ausgehend von der New Yorker Ölbörse die weltweiten Preise anzünden. Ihre Löschung bleibt dann dem Rest der Welt mit wohlgemeinten Hilfsangeboten vorbehalten.

Wie man momentan erleben kann, gibt es aber auch andere Ursachen für Preissteigerungen. Der Streit um russische Gaslieferungen in die Ukraine zeigt, wie verwundbar das Energiesystem als Ganzes ist. Der hierzulande gepriesene Vorzug, den die Gasversorgung vor der Ölversorgung genießt, ist ebenso realitätsfern wie die Haltung der USA zum Energiesparen. Eine Übergewichtung der Gaslieferungen aus Russland unter der Überschrift ?weg vom Öl? ist deutlich gefährlicher ein wohlverteilter Bezug eines Teils der Energie in Form von Öl aus weltweit unterschiedlichen Quellen. Wir schnell aus dem Freund Russland ein Feind Russland werden kann, zeigt das aktuelle Beispiel.

Bisher hat der Gasstreit noch keinen Einfluss auf den Ölpreis. Der Gasölpreis schließt ungefähr dort an, wo er im letzten Jahr endete. Die Tonne kostet 516 $.

Unsere Heizölpreise setzen ihre tendenzielle Seitwärtsbewegung mit leichten Steigerungen fort. Nennenswerte Änderungen des Niveaus erwarten wir nicht. Vom Weltmarkt kommt zwar Preisauftrieb. Aber da ein richtiger Winter bei den großen Ölverbrauchern bisher ausblieb, sollte jede Form von Preisanstieg z.Z. begrenzt bleiben.

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