Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Preisrückgang läuft heiß

Die Produktenpreise gaben gestern weiter nach. Teilweise starke Kursbewegungen wurden von positiven US-Bestandsdaten ausgelöst. Die Meinung, dass der kommende Winter keine Versorgungsprobleme aufwerfen wird, hat den Markt nun vollständig ergriffen. Eine an Übertreibung grenzende Abwärtsdynamik der Preise macht eine Gegenreaktion wahrscheinlicher. Der Dollar verlor gestern etwas an Wert. Ein Trend ist nach wie vor nicht zu erkennen.

Auf dem Weltmarkt gaben die Preise für Gasöl innerhalb der letzten fünf Wochen um 17 % und für Benzin um 24 % nach. Rohöl fiel in einem etwas längeren Zeitraum um 16%. Charttechnisch zeigen sich sehr klare kurzfristige Trendkanäle nach unten. Insbesondere beim Gasöl bildete sich gestern ein Tief heraus, das den Verdacht einer Übertreibung aufkommen lässt. Aus dieser negativen Spitze resultiert die Gefahr einer gegenläufigen Reaktion. Der Preisrückgang beim Rohöl sieht dagegen nachhaltiger aus.

Dass es zu der hohen Dynamik in der Preisentwicklung für Produkte kam, geht auf die jüngsten US-Bestandsdaten zurück, die zunächst für Benzin und nun für Heizöl die Sorge vor Versorgungsengpässen zerstreuten. Diese Sorge wurde während der Hurrikanphase an den Börsen zelebriert und führte zu hemmungslos überbewerteten Produktenpreisen. Das ist der Grund für den nun stärker wirkenden Preisrückgang der Produkte gegenüber dem Rohöl.

Die gestern von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) vorgelegten Daten lauten:

Rohöl: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,5 (DOE) bzw. 3,7 (API) Mio. Barrel. Die äußerst nahe beieinander liegenden Summen verbergen, dass es deutliche Unterschiede in den Daten gibt. Der stark preisdrückende Produktenaufbau wird nur vom API angegeben. Er löste gestern die hohe Eigendynamik der fallenden Preise aus. Da die API-Daten als weniger zuverlässig gelten als die DOE-Daten, könnte es heute zu einer Revision der gestrigen Bewegung kommen.

Ein weiterer Grund für eine mögliche Umkehr der Preisrichtung könnte die Tatsache sein, dass die Bestandsdaten im Vergleich zu den Vorjahren mittlerweile viel weniger positiv aussehen als vor einigen Wochen. Dem zum Widerspruch befand sich die Preisbewegung damals in einer Aufwärts- und heute in einer Abwärtsphase. Das zeigt wieder einmal, dass nicht die nüchternen Fakten die Preise bestimmen sondern ihre jeweilige Interpretation. Und die ist sehr stark von der Psychologie des Moments geprägt. Momentan herrscht entspannte Stimmung.

Zur relativer Gelassenheit hat der Markt allen Grund, denn Versorgungslücken werden kurzfristig nicht auftauchen. Das verhindern die milden Temperaturen mit der Folge geringeren Heizölverbrauchs aber auch die in jüngster Zeit gesunkene Nachfrage nach Benzin. In Deutschland hat der Verbrauchsschwund für Benzin bereits eine längere Tradition. Unerwartet ist hier nun sogar ein leichter Rückgang des Dieselverbrauchs eingetreten.

Ein nachhaltig preistreibender Einfluss wird sich aller Voraussicht einstellen, sobald die Temperaturen fallen. Dann wird die Phantasie schnell wieder zu geringe Vorräte zusammenzählen. Die heute neutral gehandelte Tatsache, dass die Raffinerieverfügbarkeit nur bei 82 % liegt, würde umgehend bullisch wirken. Immerhin, einen Ausgleich schaffen die Produktenimporte in die USA. Sie sind höher als im Vorjahr.

Heute Morgen ist noch nicht zu erkennen, wohin die aktuelle Preisrichtung tendiert. Gasöl kostet mit 532 $ pro Tonne soviel wie gestern Abend.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Dabei gewinnt die Bewegung sogar an Dynamik. Solange die Temperaturen nicht winterlich werden, ist die Chance auf eine Fortsetzung des Preisrückgangs gut. Eine eventuell fällige Gegenreaktion muss noch nicht das Ende des kurzfristigen Abwärtstrends bedeuten. Die Inlandspreise liegen wegen guter Nachfrage und niedriger Rheinpegel etwas höher zum Weltmarkt als normalerweise.

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