Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Preisrückgang wird annulliert

Die Preise sprangen gestern um fünf Prozent in die Höhe. Es gibt keine fundamentalen Gründe, die einen derartigen Ruck rechtfertigen könnten. Als Begründung muss erneut die Charttechnik herhalten. Sie sendet Signale aus, die Spekulanten anziehen. Zur Entstehung dieser Signale haben eben diese Spekulanten vorher selbst beigetragen. Die Idee von einer ordentlichen Preiskorrektur ist damit ramponiert. Der Dollar zeigte gestern wenig Bewegung. Er scheint am Seitwärtstrend festhalten zu wollen. Dafür sprechen nicht zuletzt die wechselhaften Konjunkturprognosen für die USA.

Für Verbraucher bitter ist die Tatsache, dass die Bewegungsdynamik der Preise aus charttechnischer Sicht noch Spielraum nach oben hat. Trotz des gewaltigen Sprungs gestern gelten die Preise nicht als übertrieben. Die in den Monaten Oktober und November aufgebaute Übertreibung wurde durch die Korrektur der letzten zwei Wochen zwar nicht befriedigend aber doch hinreichend abgebaut, so dass man nun von einem quasi neutralen Niveau in die Zukunft blicken kann. Von hieraus ist jede Richtung möglich, wobei der Aufwärtsbewegung eine mittlerweile natürliche Bevorzugung zukommt.

Diesem Umstand trägt eine neue Prognose des Investmentbankers Goldman Sachs Rechnung. Die Ölanalysten haben den Durchschnittspreis für 2008 von vorher 85 Dollar pro Barrel auf 95 Dollar heraufgesetzt. Mit dieser Schätzung liegen sie über den Aussagen anderer Häuser. In den letzten Jahren lagen die Prognosen der Fachleute nahezu vollständig unter den später eingetretenen Preisen.

Als hilfreich für die Preissteigerung aber nicht als ausschlaggebend wurden die gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten angesehen. Das, was DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) vortrugen, war nicht eindeutig bullisch. Es lag aber unter den Erwartungen. Die Veränderungen zur Vorwoche lauten wie folgt:

Rohöl: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,1 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche aber geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt nach wie vor schwache 89 Prozent. Dieser Wert ist prinzipiell bullisch. Da sich an der technischen Situation der US-Raffinerien kaum etwas ändern wird, kann er derzeit nur über höhere Produktenimporte ausgeglichen werden.

Die privaten Ölgesellschaften in den USA werfen den mehrheitlich staatlichen Unternehmen anderer Länder einen Mangel an Dynamik vor, der für eine absehbare Verknappung des Angebots verantwortlich sein soll. In den USA selber investieren die Unternehmen aber nicht ausreichend in die abgewirtschafteten Ölanlagen, um den Raffineriemangel zu beheben. Dies wird mit fehlenden politischen Rahmenbedingungen für das zukünftige Energieportfolio begründet. Damit ließe sich kein sicher Return of Invest darstellen. In Raffinerien investieren statt dessen viele staatliche Unternehmen, obwohl sie bezüglich der weltweiten Nachfrageentwicklung der gleichen Unsicherheit unterliegen wie die US-Gesellschaften. Das Beispiel macht deutlich, dass das Paradigma, wonach der Markt besser funktioniert als der Staat, nicht widerspruchslos ist.

Die aktuelle Versorgungssituation der USA ist weit weniger bullisch als die Preisbewegung das widerspiegelt. Die vor dem Winter besonders beäugte Heizölbevorratung ist unwesentlich geringer als im Vorjahr und höher als zu den Vergleichszeitpunkten vor drei und vor fünf Jahren. Ähnlich sieht es bei den Gesamtvorräten aus. Dieser Sachverhalt zeigt, dass die hohen Preise nicht auf Basis von Angebot und Nachfrage entstehen sondern durch die Einschätzung der zukünftigen und in diesem Fall langfristigen Entwicklung des Ölmarkts.

Heute Morgen lässt die Gegenreaktion auf den gestrigen Preissprung auf sich warten. Gasöl kostet mit 82,00 $ pro Tonne nur unwesentlich weniger als gestern Abend.
Unsere Heizölpreise haben den gesamten Dezemberrückgang über Nacht annulliert. Gestern bestätigte sich, dass die Gefahr der plötzlichen Marktdrehung real ist. Vom langfristigen Aufwärtstrend geht eine dominante Preisbildungskraft aus. Abwärtsbewegungen sind derzeit labile Zwischenspiele. Dennoch halten wir es für möglich, dass die Preise im Laufe des Winters das jüngste Tief noch einmal unterbieten können.

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