Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Preisspanne ist markiert

In den USA wurde es kälter. Die Nachfrage in der Heizölregion im Nordosten zieht spürbar an. Die Ölpreise steigen wieder. Der Abwärtstrend wird als beendet angesehen. Ein kurzfristiger Aufwärtstrend bildet sich aus. Das untere Ende einer wahrscheinlichen Preisspanne für die kommenden Monate ist damit markiert. Der Dollar setzt seinen Aufwärtstrend mit moderaten Kursänderungen fort.

Erwartungsgemäß erweist sich das Wetter als Trendsetter der Ölpreisbewegung. Dabei spielt die Nähe zur Leitbörse NYMEX in New York eine große Rolle. Wenn es dort kalt wird, ziehen die Preise an. Die Börsianer handeln offensichtlich nach ihrem Gefühl. Es herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass es im Winter keine Versorgungsengpässe in den USA geben wird. Die Heizöllager sind auskömmlich gefüllt. Die Rohöllager stehen seit geraumer Zeit ohnehin nicht im Verdacht, zu knapp bemessen zu sein. Dennoch reagiert man auf den Temperatursturz der letzten Tage. Angesichts der Lagerhaltung wirkt die Reaktion der Börse unverständlich.

Hinter der entspannten Situation der letzten Monate lauert die langfristige Erwartung steigender Preise auf Grund weiter wachsender weltweiter Nachfrage. Wenn man das weiß, wundert man sich nicht über eine entsprechende Reaktion der Börse. Es bedurfte eines Auslösers, um die naheliegende Aufwärtsbewegung zu initiieren. Das ist das Wetter. Die Gefahr, dass es kurzfristig zu starken Preissteigerungen kommt, ist nicht sehr groß. Die Wetterämter prognostizieren zwar über längere Zeit tiefere Temperaturen. Die sollen aber auf dem aktuellen Niveau bleiben. Von einer Kältewelle zu sprechen, wäre dabei übertrieben. Die Tagestemperaturen werden knapp über dem Gefrierpunkt vorhergesagt.

Dass die Lage an der Börse derzeit unaufgeregt gesehen wird, zeigt auch die Positionierung der Akteure. Die haben die Zahl ihrer Kontrakte auf fallende Preise zwar reduziert. Bei Rohöl bleibt sie dennoch nahe dem Drei-Jahres-Maximum. Für Heizöl ist allerdings eine Verschiebung hin zu einer neutralen oder sogar bullischen Einstellung zu erkennen.

Angesichts der Vorratslage einerseits und des zwar steigenden aber dennoch unklar bezifferten weltweiten Nachfragewachstums andererseits ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Preisentwicklung im Mittel über einen längeren Zeitraum seitwärts verläuft. Deutliche Ausschläge um das aktuelle Niveau sind möglich. Dem sich momentan ausbildenden kurzfristigen Aufwärtstrend wird vermutlich noch ein gegenläufiger Trend folgen bevor im Jahresverlauf 2006 der langfristige Aufwärtstrend die Regie übernimmt.

Preisliche Aufgeregtheiten wie im Spätsommer erwarten wir z.Z. nicht. Dass die Reaktion auf die schweren aber regional begrenzten Hurrikans vollkommen übertrieben waren, zeigt u.a. eine Stellungnahme des EBV (Erdölbevorratungsverband), dessen Aufgabe es ist, Deutschland einen Krisenbestand an Erdöl zu sichern. Der Verband stellte in nur drei Tagen nach Freigabe der Reserven durch die IEA (Internationale Energie Agentur) die geforderten Mengen zur Verfügung. Es wurde aber nur ein kleiner Teil dieser Mengen verkauft. Die Welt brauchte das Öl nicht, weil es gar keinen gravierenden Engpass gab. Nicht Knappheit war der Grund für hohe Preise sondern Angst. Und die erweist sich im Nachhinein als unbegründet.

Heute Morgen steigen die Preise, diesmal Mal allerdings nicht angstgetrieben. Gasöl kostet 513 $ pro Tonne. Am Freitag lag der Spitzenwert kurzeitig höher. Er wird heute wahrscheinlich wieder erreicht.

In Deutschland ziehen die Heizölpreise in einigen Landesteilen bereits seit zwei Wochen deutlich an. Sie entwickelten sich damit konträr zum Weltmarkt. Ausgelöst wird diese Bewegung durch niedrige Pegelstände auf den Wasserstraßen. Sie verhindern die ausreichende Belieferung der Tanklager an der Wasserstraßen, die vielen Händlern als Bezugsquelle für Heizöl dienen. Seit dem Wochenende steigen die Pegelstände wieder. Damit sollte sich das Problem langsam auflösen. Die Preise werden aber kaum fallen, weil sie nun vom Weltmarkt Auftrieb bekommen.

Unsere Heizpreise befinden sich im Aufwärtstrend. Die Spekulation auf tiefere Preise wird momentan abgestraft. Die nach unserer Einschätzung gesetzte Preisspanne des Weltmarkts wird im Inland zu folgenden unteren Grenzen der Heizölpreise im Winter führen: Norden 0,52 EUR, Osten 0,53 EUR, Westen 0,52 EUR, Süden 0,54 EUR (Literpreis bei 3000 Liter Abnahmemenge). Tieferen Preisen geben wir kaum eine Chance. Ob sich die Preise an die geschätzten unteren Grenzen noch einmal annähern, ist natürlich spekulativ.

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