Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Preissturz lässt OPEC rotieren

Bis Dienstag vertrat OPEC-Präsidenten Daukoru die Position, über Lieferkürzungen erst auf dem nächsten regulären Treffen im Dezember zu sprechen. Auf den jüngsten Preisverfall reagieren er und das gesamte Kartell nun aber aufgescheucht. Von individuellen Kürzungen einzelner Mitglieder und von einer Sondersitzung ist die Rede. Am Markt wurde die Botschaft verstanden. Die Preise stiegen gestern an. Da halfen auch keine guten Vorratszahlen aus den USA. Die Dollarbewegung ist genauso unklar wie die Indikatoren über die US-Konjunktur und die Zinspolitik der US-Notenbank. Im Effekt ist sie gering.

Die allgemeine Versorgungslage ist ausgezeichnet. Das wurde durch die gestern veröffentlichten Zahlen vom DOE (Department of Energy) erneut unter Beweis gestellt. Die Vergleichszahlen des API (American Petroleum Institute) fielen nicht so gut aus. Der Markt reagierte dennoch mit fallenden Kursen. Die Bevorratung hat ein neues Hoch erreicht. Im Laufe des Jahres stieg sie um 11 Prozent an. Die Zahlen i. E.:

Rohöl: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,7 (DOE) bzw. ein Abbau von 3,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche, aber deutlich höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 90 Prozent gesunken. Angesichts des aktuellen Verbrauchs stellt die schwache Zahl offensichtlich kein Problem dar.

Kurz nach Erscheinen der Vorratsdaten waren sie bereits uninteressant. Die Preisbewegung wurde von anderen Faktoren beeinflusst. Im Vordergrund standen dabei unkoordinierte OPEC-Äußerungen über Lieferkürzungen. Der Präsident empfiehlt diese nun doch. Er verweist auf die Maßnahmen Venezuelas und Nigerias als Vorbild. Beide Länder nennen kleine Kürzungsmengen. Sie können die zugestandenen Quoten aber ohnehin nicht ausfüllen. Der kuwaitische Ölminister fordert ebenfalls zu Kürzungen auf und spricht von bereits eingeleiteten Maßnahmen einiger nicht genannter Mitgliedsstaaten. Kuwait selbst habe noch nicht gedrosselt. Man wäre aber zu Einschränkungen bereit. Wenn der Preisverfall nicht innehalte, müsse ein außerordentliches Ministertreffen einberufen werden. Von Saudi-Arabien wird vermutet, dass es auf sinkende Nachfragezahlen warte, um Kürzungen durchzusetzen. Ob und was nun genau geschehen ist, ist unklar. Klar ist aber, dass die OPEC um die Preise kämpfen wird und das umso härter, je näher sie sich der 50-Dollar-Marke nähern. Aktuell kostet das Barrel Texasöl wieder 60 Dollar. Gestern fiel der Preis auf unter 58 Dollar. Der OPEC-Korb liegt bei 56 Dollar.

Es gibt weitere preistreibende Einflüsse. Nordkoreas Ankündigung von Atombombentests provozierte eine Reaktion von George Bush. Seine Äußerungen werden üblicherweise bullisch gehandelt, so auch gestern. Gleiches gilt für Wortmeldungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Er bringt zur Verärgerung von EU-Unterhändler Solana wieder Schärfe in die Verhandlungen über die Urananreicherung. Der Tenor lautet erneut, lasst uns reden aber lasst uns in Ruhe.

Der gestrige Handelstag gehörte den Bullen. Oberwasser haben sie aber noch nicht. Kurzfristig wird um die Preise wahrscheinlich heftig gerungen. Dabei sind weitere Tiefstände durchaus möglich. Die Terminkontrakte für die kommenden Monate sind alle teurer als der Kontrakt des sogenannten Frontmonats. Das zeigt, dass die spekulative Erwartung zu höheren Preisen noch existiert. Fundamental wird sie durch das Nachfragewachstum Chinas, mögliche geopolitische Störungen und die Einflussnahme der OPEC untermauert. Die Versorgungslage der OECD-Staaten lässt dagegen wenig Raum für bullische Spekulation.

Heute Morgen hält der Gasölpreis das gestern erreichte höhere Niveau. Die Tonne kostet 535,50$. Eine Tendenz für den Tag ist nicht zu erkennen.

Unsere Heizölpreise steigen seit gestern Mittag. Die Kopplung an den Weltmarkt existiert noch. Sie ist allerdings sehr locker geworden. Binnenmarktbedingungen üben weiterhin einen starken Einfluss aus. Insbesondere fallende Preise gelangen nicht in Gänze zum Verbraucher. Dennoch wird das aktuelle Preisniveau positiv aufgenommen. Die Belieferungslage entspannt sich nur sehr langsam. Lieferzeiten sind in einigen Regionen weiterhin sehr hoch.

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