Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Preiswertes Öl

Die Stimmung an den Ölbörsen ist bärisch. Die rückläufige Preisentwicklung dauert an. Wetter, Nachfrage, Förderung und Vorräte gegeben momentan keinen Anlass, an der Versorgungszuverlässigkeit zu zweifeln. Der Dollar wird trotz eines neues Defizitrekords der US-Außenhandelsbilanz tendenziell aufgewertet. Zum Wochenbeginn verliert er aber gegen den Trend an Wert.

So lange das Wetter in den US-Regionen mit hohem Heizölverbrauch mitspielt, sind die Voraussetzungen für weiteren Preisrückgang gut. Noch ist von den Wetterämtern kein Signal für eine Temperaturänderung zu vernehmen. Das hält die große Mehrheit der Börsenteilnehmer in einer preisdrückenden Stimmung. Man handelt wie die Lemminge. Kontrakte auf steigende Preise werden verschleudert, als hätte man mit ihnen den absoluten Irrtum in den Händen. Ohne widerstandslose Stimmungen bergen die Gefahr plötzlich umzuschlagen.

US-Energieminister Bodman ließ sich am Wochenende bei einem Besuch im Mittleren Osten bestätigen, dass die Versorgung perfekt läuft. Saudi Arabien kann kurzfristig bis zu 12,5 Mio. Barrel täglich aus der Erde pumpen. 2009 werden es sogar 15 Mio. Barrel sein. Die aktuellen Pumpenreserven werden weltweit auf 2 Mio. Barrel pro Tag geschätzt. Gastgeber und Besucher versprachen sich, zukünftig mehr miteinander zu sprechen. Die Preisprognosen für das kommende Jahr sehen allerdings weit wenige nach kraftvoller Versorgung aus. Von der US-Delegation wurde ein Mittelwert zwischen 60 und 65 Dollar genannt. Aktuell notiert Texasöl zwischen 57 und 58 Dollar. Die grundsätzliche Erwartung weiter steigender Preise bleibt dem Markt somit erhalten.

Diese Haltung kommt auch im ?World Energy Outlook? der IEA (Internationale Energie Agentur) zum Ausdruck. Die aktuellen Nachfrageprognosen werden zwar etwas gesenkt. Insgesamt lautet der Tenor aber, der Energiebedarf der Welt wird in nächster Zeit unaufhaltsam steigen. Das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum vieler Entwicklungsländer erzwingt diesen Trend. Er wird so stark sein, dass alternative Versorgungsmöglichkeiten selbst bei hoher Förderung nicht in der Lage sein werden, den wachsenden Ölbedarf in den heutigen Grenzen zu halten. In drei Szenarien wird der geschätzte Bedarf im Jahr 2030 dargestellt. Als Referenz wird ein Szenario angegeben, das von den Förderländern jährliche Investitionen von 56 Milliarden Dollar in die Öl- und Gasinfrastruktur verlangt. Die Aufwendungen müssen gegenüber heute mehr als verdoppelt werden. Als Ergebnis wird die Ölversorgung um 50 Prozent gesteigert, die Preise werden deutlich unter das heutige Niveau gedrückt und der CO2-Ausstoß wird um 52 Prozent erhöht. Sollten die Förderländer die Investitionen nur in dem Maße verstärken wie ihr Bruttosozialprodukt steigt, Szenario 2, stünde der Welt etwa 6 Prozent Energie weniger zur Verfügung. Der Ölpreis läge dennoch unter dem heutigen Niveau. Der Ausstoß an Treibhausgasen wäre etwas geringer. In einem dritten Alternativszenario mit erheblichen Energiesparmaßnahmen liegt der Energiebedarf 10 Prozent und der CO2-Ausstoß 16 Prozent unter dem Referenzszenario.

Bei ungenügend steigenden Investitionen wird die Versorgung nicht ausreichen und der Ölpreis explodieren. Derzeit sind die Ölgesellschaften trotz der Rekordgewinne, die sie einfahren, extrem zurückhaltend mit ihren Investitionen. Sie ziehen mit dieser Haltung erhebliche Kritik auf sich. In den USA laufen sie Gefahr, staatlich festgelegte Höchstpreise auferlegt zu bekommen. Sollte das geschehen, vergrößerte sich das Problem der Zukunftsinvestitionen. Das lehrt zumindest die Geschichte.

Die langfristigen Aussichten sind nach den Prognosen der IEA entweder für die Umwelt oder für die Verbraucherpreise schlecht. Es bleibt zu hoffen, dass ein dritter, noch unbekannter Weg erschlossen wird.

Für die kurzfristige Entwicklung spielt das IEA-Werk keine Rolle. Die Preise fallen. Gasöl kostet heute Morgen ?nur? 501 $ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Sie nähern sich langsam den Sommerpreisen. Mit Blick auf das laufende Jahr entspricht die Preisbewegung den Erwartungen. Erneut ansteigende Preise sind noch nicht in Sicht. Wahrscheinlich kommen sie, wenn der langfristige Aufwärtstrend zu brechen droht.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen