Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Prognose und Eigennutz

Bis gestern Morgen war der kurzfristige Abwärtstrend intakt. Der weitere Verlauf lässt allerdings eine Wende befürchten. Die langfristige Preisbildung wird nach wie vor vom Aufwärtstrend dominiert. So jedenfalls zeigt es der Preischart. Fundamental herrscht mit Blick auf den Jahresverlauf Unsicherheit. Lediglich die aktuellen Daten sprechen für eine weitgehend reibungslose Versorgung. Am Mittwoch gab es erneut gute Vorratszahlen aus den USA. Das Euro-Dollar-Verhältnis zeigt wenig Bewegung.

Die von API (American Petroleum Institute) gemeldeten Daten über die US-Rohölvorräte waren so gut, dass sie nicht ernst genommen wurden. Das DOE (Department of Energy) lieferte den glaubwürdigeren Wert. Die Zahlen i.E.:

Rohöl: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +10,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Aufbau 4,5 (DOE) bzw. 10,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen über Vorjahresniveau. Insbesondere Heizöl wird stärker eingeführt. Die Raffinerieverfügbarkeit ist wie vor einem Jahr den Umständen entsprechend befriedigend.

Als Problemfall muss weiterhin der Heizöl- und Dieselbestand angesehen werden. Alle anderen Vorräte sind gut. Da die Raffineriekapazitäten nicht mit dem Bedarf Schritt halten, bleibt das Risiko eines Engpasses im Jahresverlauf bestehen. Verlässliche Prognosen über die weitere Entwicklung gibt es nicht. Die Fachwelt tappt im Dunkeln.

Banken und Investmenthäuser sagen immer wieder spektakuläre Preise vorher, die aus dem Rahmen fallen. Dahinter steckt weniger Wissen um die Zukunft als vielmehr purer Eigennutz. So ist auch die jüngste Einschätzung von Bear Stearns zu verstehen. Das Brokerhaus hat offensichtlich ein großes Paket an Short-Positionen. Das soll mit der Prognose, dass Rohöl in 2005 im Jahresdurchschnitt 40$ pro Barrel kosten wird und in 2006 auf 25$ fallen wird, zum Erfolg geführt werden. Goldman Sachs profitierte vor wenigen Wochen von der Prognose, dass die Preise über 100$ klettern werden. Einige Analysten sehen die Preise im Jahresverlauf unter 40$ fallen. Banken und Analysten lagen in der jüngeren Vergangenheit mehrheitlich zu niedrig mit ihren Preisvorhersagen.

Bessere Vorhersagen waren auch nicht von Ölgesellschaften zu bekommen. Selbst die OPEC weiß nicht, wie es um den Markt steht. Ihr Präsident Sheikh Ahmed Fahed al-Sabah meint, dass der Markt ausreichend mit Öl versorgt sei und es keinen Grund zur Annahme von Engpässen gebe. Der algerische Energieminister und Generalsekretär der OPEC Chakib Khelil sieht die globale Nachfrage dagegen sehr stark und befürchtet sogar Engpässe. Aufschlussreiche Meinungen aus berufenen Mündern. Belastbar sollte dagegen die Meldung sein, dass die OPEC-Produktion 29,7 Mio. Barrel pro Tag beträgt. Das sind 2,2 Mio. Barrel mehr als die offizielle Förderquote.

Das ist vermutlich auch nahe der Fördergrenze. Davon geht jedenfalls der neue US-Energieminister Samuel Bodman aus. Ölförderung und Nachfrage stehen gegenwärtig im Gleichgewicht, sagte Bodman. Dennoch ist es für Produzenten immer noch preislich attraktiv am Maximum zu fördern. Bodman ist der Ansicht, dass die OPEC kein Interesse an übertrieben hohen Ölpreisen hat. Sie stellen eine Gefahr für die Nachfrage und in Folge für das Preisniveau dar. Zu hohe Preise führen langfristig zu einem Preisverfall, so wie zu niedrige Preise langfristig zu drastischer Verteuerung führen. Die Preise Ende der 1990er Jahre und heute sind dafür beispielhaft. Die Idee von George W. Bush, den schnellen Bau von Ölraffinerien auf stillgelegten Militärarealen zu erreichen, bewertete Bodman zurückhaltend.

Heute Morgen lässt sich noch keine Tendenz in er Preisentwicklung erkennen. Gasöl kostet z.Z. 458,50$ pro Tonne. Der Preis liegt in der Mitte der gestrigen Handelsspanne.

Unsere Heizölpreise befinden sich auf einem kaufenswerten Niveau. Natürlich würden sich die Preise deutlich attraktiver entwickeln, wenn die Vorhersagen der bärisch eingestellten Analysten und Banker einträfen. Sieht man dagegen die langfristige Entwicklung mit einem gewissen Beharrungsvermögen, bleibt die Wahrscheinlichkeit deutlich größer, dass Heizöl im Jahresverlauf teurer wird. Bei soviel Unsicherheit bietet es sich an, das Risiko zu verteilen und jetzt eine Teilmenge einzukaufen.

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