Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Psychologie gekippt

Investmentfonds haben es geschafft. Die Preise sind in einen bullischen Sog geraten und um 5% in die Höhe geschnellt. Versorgungsbedingte Gründe, die einen derartigen Anstieg rechtfertigen, sind nicht bekannt. Nach einem solchen Anfangsimpuls muss mit einem Fortgang der Aufwärtsbewegung gerechnet werden. Der Dollar hat einen starken bärischen Impuls bekommen. Weiter fallende Kurse sind nun wahrscheinlich. Der gestrige Rückgang um immerhin 1,5% hat die Ölpreisbewegung aber nicht ansatzweise kompensiert.

Mit steigenden Ölpreisen musste man rechnen. Die Eruption kam aber überraschend. Eine handfeste Begründung für den Ausbruch bleibt den meisten Marktteilnehmern verschlossen. Weder das Wetter noch die konfuse Diskussionslage der OPEC über mögliche Ausstoßkürzungen, weder die geopolitische Lage und schon gar nicht die aktuelle Versorgung können den Anstieg untermauern. Im dunklen Erkenntnisraum muss China mal wieder als Grund für die anscheinend absurde Preisexplosion herhalten. Doch selbst über den erwarteten Mehrverbrauch der wuchernden Wirtschaft gibt es äußerst widersprüchliche Meldungen. Von ?weiter zweistellig? bis ?knapp über 0%? gehen die Schätzungen.

Was also hat den Sturm auf die Long-Kontrakte ausgelöst? Die Suche nach Antwort führt möglicherweise über die reine Positionierung der Marktteilnehmer. Während sich die kleinen Spekulanten von den zugänglichen Fakten inspirieren ließen und mehrheitlich auf fallende Kurse setzten, haben die großen Spekulanten seit Jahresbeginn einen Nettoüberhang auf steigende Kurse aufgebaut. Das machen sie in der Regel nach gründlicher Recherche der Marktverhältnisse und der Ursachen. Leider bleibt uns die reine Erkenntnis verschlossen. Offen liegt dagegen, dass diese Gruppe Anstiegspotential identifiziert hat.

Heute muss man feststellen, dass sie Recht hatte. Ob sie ihr Ziel mit fundamentalem Sachverstand oder mit der reinen Macht ihres Investitionskapitals erreicht hat ist angesichts der Fakten, die die Preise setzen, zweitrangig. Charttechnisch passt der Anstieg in die Landschaft. Zwingend war er in dem Ausmaß nicht. Der Preis für US-Rohöl WTI befindet sich jetzt übrigens mitten im linear aufsteigenden Trendkanal, der seien Ursprung im September 2003 hat.

Die genannten Zeichen sahen wir wohl und berichteten über sie. Wir gewichteten aber offensichtlich die bekannten fundamentalen Umstände zu hoch. Denn wir erwarteten einen Anstieg, der durch den ebenfalls zu erwarteten Dollarrückgang kompensierbar wäre. Das erwies sich als falsch. Weiterhin hat sich die Einschätzung, dass die Preise zunächst weiter in einer Handelsspanne zwischen 44$ und 50$ laufen, als überholt erwiesen. Der Weg nach oben wurde mit dem gestrigen Anstieg freigelegt. Die Hoffnung, dass trotz des nun zu erwartenden Preisanstiegs im internationalen Handel eine moderate Erhöhung für den heimischen Heizölpreis herauskommt, bleibt an den Dollar geknüpft. Der Kursrückgang sollte nämlich genauso fortbestehen wie der Ölpreisanstieg.

Heute Morgen setzt der Gasölpreis bereits wieder nach. Er klettert auf 448,50$. Vor einer Woche stand die Zahl noch unter 400.

Unsere Heizölpreise ziehen rasant an. Der gestrige Ausbruch der Ölpreise aus der erwarteten Handelsspanne reißt sie mit in die Höhe. Deutliche Verluste in der Dollarparität schaffen keinen nennenswerten Ausgleich. Was wir gestern Morgen ungläubig befürchteten, trat in der Tat ein. Nachdem der Damm nun gebrochen ist, muss mit weiterer Teuerung gerechnet werden. Umso nachdrücklicher geben wir die inzwischen zum Standard gewordene Empfehlung, momentan lieber auf Terminflexibilität bei der Bestellung zu setzen und die daraus resultierende Einsparung in den Transportkosten einzustreichen als auf deutlich fallende Preise zu spekulieren.

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