Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Puste ist raus

Der Anstieg war fulminant. Seit ihrem Tief im Februar dieses Jahres haben sich die Ölpreise fast verdoppelt. Diese Aussage gilt für Rohöl und Benzin. Gasöl kam vergleichsweise glimpflich davon. Der Anstieg betrug rund 60 Prozent. Er fiel in den letzten Tagen besonders stark aus. Nachholbedarf wurde eingepreist. Für Benzin ist die Preisverdopplung seit dem Februartief allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn das Produkt war im Dezember noch billiger. Weil im Winter weniger Benzin verbraucht wurde, war der Preis besonders stark gefallen. Seit dem ist er um 140 Prozent gestiegen. Der gegenüber anderen Ölprodukten stärkere Anstieg der Benzinpreise ist eine saisontypische Erscheinung, die sich im Jahresverlauf relativieren wird. Nicht der spezielle sondern der allgemeine Anstieg der Ölpreise ist derzeit schwer zu verdauen. Findet er doch in einem Umfeld statt, dass kein auf Angebot und Nachfrage basierendes Erklärungsmuster erlaubt.

Die Realwirtschaft braucht weniger Öl. Das wird in diesem Jahr so sein. Das wird im nächsten Jahr ebenfalls so sein. Allenfalls wird der Rückgang weniger stark ausfallen. Die Wirtschaftkrise hinterlässt kräftige Bremsspuren, die sich im Transportwesen so zeigen: Vor der Küste Singapurs ankern 735 Frachter, weil ihnen die Aufträge fehlen. Hunderte weiterer Schiffe liegen bei Gibraltar und vor Rotterdam still. China hat im April 23 Prozent weniger Waren exportiert. Im März betrug das Exportminus der Philippinen 31 Prozent. Im Hamburger Containerhafen dreht sich kaum noch etwas. Auf den Schifffahrtswegen der Öltanker parken 130 Mio. Barrel Rohöl in 74 Schiffen, die derzeit niemand haben will. An Land sind die Lager voll.

Ein Preisanstieg in dieser Lage lässt sich beileibe nicht mit einem knappen Angebot erklären. Hier sind Spekulanten mit prall gefüllten Kassen am Werk. Ihr Handwerkszeug, massenhaft zur Verfügung stehendes Spielgeld, wurde nicht zuletzt durch staatliche Hilfen erneuert. Ohne die Geschichte vom Ölengpass wird die Hochpreisspekulation allerdings auch für hart gesottene Spekulanten zum Rohrkrepierer. Langfristig hat die Geschichte Glanz. Kurzfristig hat sie ihn nicht. Allein deshalb ist ein Preisanstieg, wie er seit Mai abläuft, ein Drahtseilakt mit höchster Absturzgefahr. Gestern war Absturz, nicht wegen der oben genannten Bremsspuren sondern wegen niederschmetternder Arbeitsmarktdaten aus den USA. Die Arbeitslosigkeit steigt stärker als erwartet. Dass solche Nachrichten das große Geld auf Dauer daran hindern werden, weiter in den spekulativen Ölmarkt zu fließen, ist unwahrscheinlich. Wie groß der Drang dorthin ist, lässt sich erahnen, wenn man die letzten Preisprognosen von Goldman & Sachs, dem größten kommerziellen Spekulanten vorbeiziehen lässt. Bis April meinten seine Leute, den Rohölpreis auf 27 Dollar pro Barrel fallen zu sehen. Das wurde nie erreicht. Dann wurden 45 Dollar als Maß angegeben. Nun wird als Kursziel 75 Dollar genannt. Während die Preisprognosen nach oben korrigiert werden, werden Nachfrageprognosen gesenkt.

Die Entwicklung des Ölpreises im laufenden Jahrzehnt könnte den Spekulanten Recht geben. Bereinigt um die Exzesse im letzten Jahr würde der langfristige Anstieg einen aktuellen Rohölpreis zwischen 80 und 100 Dollar pro Barrel rechtfertigen. Aber auch dieser Preis braucht die Geschichte vom knappen Öl. Die gibt es im Kontext der wirtschaftlichen Auffassung der letzten zwei Jahrzehnte ohne jeden Zweifel. Ob die Menschheit wirklich so unverbesserlich in Sachen Energieverbrauch ist, wie das bisher angenommen wurde, ist indes vollkommen ungewiss. Selbst konservative Prognosen, das sind solche, die unendliches Wachstum postulieren, sehen den Benzinverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2030 um ein Drittel geringer als heute. Die Wirtschaftkrise könnte tiefgreifendere Konsequenzen haben. Der Öl- und Energieverbrauch sinkt. Dass er bei anziehender Wirtschaft steigt, ist alles andere als sicher. China wächst trotz Krise weiter. Dennoch sinkt auch dort zur Zeit der Energieverbrauch.

Dass der Markt derzeit mit Öl überversorgt ist, zeigen die US-Bestandsdaten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) nach kurzer Pause nun wieder deutlich. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,3 (DOE) bzw. 2,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche aber noch geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist um ein weiteres Prozent auf 86 geklettert. Der Wert deutet immerhin auf eine leicht gestiegene Benzinnachfrage in den USA hin. Sie ist momentan nicht mehr als ein Saisoneffekt.

Die Überversorgung des Ölmarktes dürfte sobald nicht aufhören. Die OPEC-Staaten scheinen über die jüngste Preisentwicklung so glücklich zu sein, dass sie ihre Quoten vergessen. Einige Staaten pumpen wieder rücksichtslos Öl in den Markt.

Heute Morgen findet der Preiseinbruch keine Fortsetzung. Ob das im Tagesverlauf so bleibt, muss sich noch zeigen. Dass der Aufwärtstrend mit dem gestrigen Abwärtsschwenk beendet sein soll, ist auf alle Fälle sehr unwahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet 537,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 66,80 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,30 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise konnten, wie die Weltmarktpreise auch, einen Knick in den Aufwärtstrend schlagen. Sie haben sich verbilligt. Wir gehen allerdings davon aus, dass hiermit noch kein neues Vorzeichen in die mittelfristige Preisentwicklung kommt. Die Gefahr weiter steigender Preise ist virulent. Spekulanten lassen sich nicht so leicht von der Idee abbringen, mit einem Trend Geld zu machen. Wer demnächst Heizöl braucht, sollte den kleinen Preisabgang nutzen. Ein allemal sinnvoller Rat ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dabei sollte Ihnen www.esytrol.com helfen.

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