Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Quoten rauf, Mengen runter

Er gab es sofort zu. Der OPEC-Präsident Al-Attiyah weiß, dass die Entscheidung die Märkte irritiert. Es ist eine unglaublich komplizierte Art zu sagen, dass es weniger Öl geben wird. Die Botschaft des gestrigen OPEC-Treffens in Wien lautet: Die Quoten für die 10 OPEC-Mitglieder ohne den Irak werden um 0,9 Mio. auf 25,4 Mio. Barrel pro Tag angehoben. Die Produktion wird um 2 Mio. auf 25,5 Mio. Barrel pro Tag gesenkt. Über die Differenz von 0,1 Mio. Barrel pro Tag wird nicht gesprochen. Der Vollzug soll am 1. Juni beginnen.

Die Preise reagierten auf die OPEC-Entscheidung mit deutlichen Verlusten. Rohöl-Futures sanken um über einen Dollar. Doch zwei Stunden später standen sie fast wieder bei den Tageshöchstwerten. Prinzipiell bleibt der Preisdruck mit dem Beschluss erhalten.

Der schwer vermittelbare Wille der OPEC ist ein Kompromiss zwischen dem, was man am Markt für nötig erachtet, und dem, was im Kartell durchsetzbar ist. Dass der Markt in nächster Zeit weniger Öl verlangt, liegt nicht nur an einem gegenüber den Wintermonaten schwächeren zweiten Quartal. Es liegt auch an einem Nachfragerückgang auf Grund der SARS-Epidemie. Der eingeschränkte Flugverkehr führt zu einem Minderverbrauch von 0,3 Mio. Barrel pro Tag, sagte Al-Attiyah.

Die erst mit Junibeginn greifende Kürzung hat mit vertraglichen Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten zu tun, die im Mai zur Lieferung anstehen. Am 11. Juni treffen sich die Ölminister erneut, um über die Effekte der jetzigen Entscheidung zu beraten und gegebenenfalls weitere Kürzungen zu beschließen.

Mit ihren Maßnahmen bemüht sich die OPEC, den Preis in der Spanne zwischen 22$ und 28$ zu halten. Derzeit liegt er in der Mitte. Charttechnisch ist es ein sehr interessanter Moment, da die Möglichkeit besteht, dass der Preis einen längerfristigen Aufwärtstrend nach untern durchbricht. Der Preis ist einem kräftigen Druck ausgesetzt. Noch widersteht er allerdings. Ein preistreibender Aspekt wurde gestern mit der Meldung über eine Verknappung von Heizöl und Benzin im Raum New York ins Spiel gebracht. Der gestrige Handelsverlauf spricht nun durchaus für die Möglichkeit einer Umkehr der jüngsten Tendenz eines Preisverfalls.

Für die OPEC und für die Märkte insgesamt ist der Nachkriegsirak die große Unbekannte. Pünktlich zum OPEC-Treffen flossen die ersten Lieferungen aus den Quellen des Zweistromlandes. Ob sich daraus in kurzer Zeit ein Ölstrom ergeben wird, vermag derzeit niemand zu beurteilen. Al-Attiyah hofft, dass er den Irak demnächst wieder als OPEC-Mitglied begrüßen kann, um zukünftig mit 11 und nicht nur mit 10 Ölstaaten Entscheidungen treffen zu können. Gegen eine solche Eintracht werden die USA mit Sicherheit opponieren.

Heute Morgen zieht der Gasölpreis recht deutlich an. Er spiegelt damit eine preistreibende Interpretation des OPEC-Beschlusses wider. Die Tonne kostet aktuell 230,50$.

Unsere Heizölpreise ziehen ebenfalls an. Es sieht momentan so aus, als hätten sie ein zwischenzeitliches Tief erreicht und drehten jetzt wieder aufwärts. Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Welche Aussichten sich aus den neuen Einsichten über den Markt ergeben, wird man im Verlauf der kommenden Woche sehen.

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