Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Raffinerieengpass treibt Preise

Die Ölpreise befinden sich im Aufwärtstrend. Heizöl, Diesel und Benzin treiben die Bewegung an. Die Rohölpreise folgen mit verminderter Dynamik. Der Dollar festigt seinen moderaten Abwärtstrend.

Für Charttechniker zeichnete sich der nun eingetretene Aufwärtstrend bereits vor Tagen ab, als die Preisausschläge immer geringer wurden und schließlich eine reine Seitwärtsbewegung beschrieben. Auf eine solche Formation folgt gemäß Lehrbuch ein heftiger Ausbruch nach oben oder nach unten. Für Energiepreise im Allgemeinen und Ölpreise im Speziellen ist ein Ausbruch nach unten gegenwärtig ein nicht anzunehmender Fall. Schließlich ist der Markt vom Gefühl der Endlichkeit seiner Ressourcen ergriffen. Daher war die Richtung des Ausbruchs bereits vor seinem Eintritt festgelegt.

Fundamental trugen mehrere Faktoren zu diesem Ausbruch bei. U.a. war es die Erwartung stark sinkender Benzinvorräte. Die wurden gestern auch tatsächlich verbreitet. Neben überdurchschnittlich hohen Verlusten in den US-Benzinlagern meldeten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) auch deutliche Rückgänge in den Heizöl- und Diesellagern. Rohölvorräte stiegen dagegen weiter an. Sie markieren nun ein Hoch, das rückblickend bis 1990 unerreicht blieb. Der üppig vorhandene Rohstoff konnte zwar einen explosionsartigen Anstieg der Preise bremsen. Da die Kapazitäten zur Verarbeitung von Rohöl zu Produkten fehlen, war der Anstieg als solcher aber nicht zu verhindern. Das Problem knapper Raffineriekapazitäten zeichnete sich seit vielen Wochen ab. Nun ist es im Börsenhandel angekommen.

Die Zahlen über die Veränderung der US-Bestände lauten wie folgt:

Rohöl: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,8 (DOE) bzw. 7,8 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen über den Werten der Vorwoche und des Vorjahrs. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 88 Prozent gestiegen. Der Wert ist weiterhin deutlich zu niedrig, um den US-Markt mit Benzin ausreichend versorgen zu können. Hier liegt der Kern des sich nun abzeichnenden Aufwärtstrends der Preise. Psychologische Unterstützung bekommt der Trend aus der Angst vor der nächsten Hurrikansaison.

Weitere bullische Einflüsse kommen aus Nigeria und dem Iran. In Nigeria ist die Produktion als Folge der Rebellenaktivitäten zur Vertreibung ausländischer Gesellschaften erheblich eingeschränkt. Ein Ende der Störung ist nicht in Sicht. Der Atomstreit mit dem Iran dauert an. Der UN-Sicherheitsrat untersagt die Anreicherung von Uran in iranischen Anlagen. Das Unterlassungsgebot wird keine Folgen haben. Bei einer zu erwartenden Missachtung wird es keine Sanktionen geben. Russland und China verhindern dies. Ob die Börse längerfristig durch den Streit belastet wird, hängt von der Haltung der USA ab. Sollten sie die Interessen des Irans massiv stören, wird der Konflikt weiteres Preissteigerungspotential freisetzen. Andernfalls wird das Thema langsam aus dem Börsengeschehen verschwinden.

Heute Morgen ziehen die Gasölpreise weiter an. Die Tonne kostet 581,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie haben ein Dreimonatshoch erreicht. Ein weiterer Anstieg ist wahrscheinlich. Früher als erwartet haben die Preise wieder zum Aufwärtstrend gefunden. Über einen kurzen Zeithorizont rückblickend sind sie momentan unattraktiv. Sowohl im längeren Rückblick als auch in der Zukunftserwartung befinden sie sich aber auf einem kaufenswerten Niveau.

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