Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Raffineriekapazitäten sind noch knapp

Erwartungsgemäß zeigten die Preise gestern wenig Veränderung. Der Handel fand ohne die US-Leitbörse statt. Wegen des Unabhängigkeitstags bleibt sie auch heute geschlossen. Vor dem langen Wochenende in den USA zogen die Preise an. Als Grund wird die Sorge vor Sturmnachrichten während der handelsfreien Zeit genannt. Da bisher keine Hurrikangefahr bekannt wurde, ist zu erwarten, dass die Preise nach Wiedereröffnung der New Yorker Börse nachgeben werden. Wegen schwacher Konjunkturdaten steht der Dollar weiter unter Abgabedruck. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist fast vollständig neutralisiert.

Neben der Angst vor Hurrikanen war eine Störung des Calcasieu Schiffskanals, über den vier US-Raffinerien versorgt werden, für den Preisauftrieb in der letzten Woche mitverantwortlich. Durch die Produktionseinschränkung sieht man die Benzinversorgung gefährdet. Angesichts der gut gefüllten Tanklager dürfte diese Einschätzung allerdings eine Überreaktion der Börsianer sein. Die Wasserstraße ist immer noch nicht freigegeben. Damit bleibt der bullische Impuls aktiv.

Mangelnde Raffineriekapazitäten werden seit geraumer Zeit als eine Ursache des Preisanstiegs der letzten Jahre genannt. BP stellt fest, dass der Weltölverbrauch zwischen 2000 und 2005 um 8,5 Prozent gewachsen ist. Die Raffineriekapazitäten stiegen im gleichen Zeitraum nur um 4,6 Prozent. Allerdings könnte sich die heute als knapp bezeichnete Lage ab 2010 spürbar ändern. Durch die in Bau befindlichen Raffinerien und durch Raffinerieerweiterungen wird ein Anstieg der Kapazitäten von 11 Mio. Barrel pro Tag erwartet. In Asien wird der Anstieg 22 Prozent betragen. In Amerika sollen 6 Prozent hinzukommen. Für Europa und Afrika werden 2 Prozent genannt. Einige große Ölgesellschaften gehen davon aus, dass sich regionale Überkapazitäten entwickeln werden. Damit könnten die Preise unter Druck geraten.

Im Vergleich zum Verbrauch gibt es in Deutschland bereits heute Überkapazitäten. Wir sind ein Nettoexporteur von Mineralölprodukten. Fallende Preise konnte dieser Umstand bisher allerdings nicht erzwingen. Unser Exportvermögen wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, weil unser Bedarf zurückgeht. Der MWV (Mineralölwirtschaftsverband) schätzt, dass der Benzinverbrauch bis 2025 um 42 Prozent, der Dieselverbrauch um 12 Prozent und der Heizölverbrauch um 28 Prozent sinkt. Benzin wird zum Teil durch Diesel subsituiert. Der Löwenanteil des fallenden Mineralölverbrauchs wird aber durch Effizienzsteigerung und den Einsatz von Biokraft- und Biobrenn-Stoffen erreicht werden. Bis 2010 wird der reduzierende Effekt wenig spürbar sein. Danach sollte es aber rasant vorangehen.

Mit fallenden Preisen ist in den nächsten zwei bis drei Jahren noch nicht zu rechnen. Sowohl die Raffinerie- als auch die Produktionskapazitäten sind angespannt. In den USA fehlen beispielsweise immer noch Anlagen auf Grund von Hurrikanschäden des letzten Jahres. Insgesamt betrifft das 15 Prozent der Öl- und 11 Prozent der Gasförderung aus dem Golf von Mexiko. Einige Anlagen wurden total aufgegeben, weil sie irreparabel sind. Die nächsten Hurrikane werden bereits erwartet.

Dieser Umstand spiegelt sich an der Börse wider. Große Spekulanten erhöhen ihre Anteile an Kontrakten auf steigende Kurse. Sobald ein Sturm auf den Radarschirmen der Wetterämter auftaucht, dürften die Preise rasant in die Höhe schnellen. Nach dem Ende der Hurrikansaison sollten starke Anstiege allerdings wieder annulliert werden.

Heute Morgen ist es ruhig um die Preisbildung bestellt. Gasöl kostet 641,24 $ pro Tonne. Der Wert liegt innerhalb der gestrigen Handelsspanne.

Unsere Heizölpreise steigen leicht an. Eine Tendenz für die weitere Entwicklung sehen wir darin noch nicht. Solange kein Hurrikan gemeldet wird, rechnen wir mit konstanten bis leicht fallenden Preisen. Der unter Druck geratende Dollar sollte dabei unterstützend wirken.

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