Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Raffinerien überfordert

Die Preise steigen, nicht rasant sondern langsam aber stetig. Die Stimmung ist bullisch, nicht euphorisch sondern verhalten aber grundlegend. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Sommer und Herbst neue Rekordpreise erreicht werden, ist hoch. Überreaktionen mit dramatischen Anstiegsgeschwindigkeiten sind noch nicht zu erahnen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen deutlichen Preisabsturz. Der Dollar hat einen Abwärtstrend eingeleitet. Dass dieser nachhaltig sein wird, darf angesichts der robusten Konjunktur in den USA bezweifelt werden.

Preistreiber sind derzeit die US-Raffinerien. Sie liefen in den letzten Wochen gut, möglicherweise zu gut. Der Krug geht so lang zum Brunnen bis erbricht. Nun ist er gebrochen. Sieben Raffinerien melden Probleme. 3% der gesamten US-Produktion sind ausgefallen. Es gibt Stimmen, die die anhaltend hohe Auslastung der Raffinerien als nicht haltbar ansehen. Bisher konnte die Unterversorgung mit Raffineriekapazität durch eine bessere Verfügbarkeit teilweise kaschiert werden. Ein dauerhafter Versorgungsansatz ist das nicht. Technische Geräte haben Ausfall- und Wartungszeiten. Die müssen respektiert werden, insbesondere bei alten Anlagen. In den USA laufen fast nur Altanlagen.

Technische Probleme werden in den nächsten Jahren vermutlich auch deshalb größer, weil die eingesetzten Techniken zur Ölförderung immer extremer werden. Es sind ohne Zweifel konstruktive Meisterleistungen. Da diese immer mehr an der Grenze des Machbaren operieren, muss die kalkulatorische Ausfallwahrscheinlichkeit allerdings erhöht werden.

Zu den technischen Raffinerieproblemen gesellt sich nun doch ein Versorgungsproblem. Das wurde für Heizöl befürchtet. Es offenbart sich aber beim Benzin. Der Treibstoff wird in den USA knapp. Das ist erstaunlich, da der Verrat während des ersten Halbjahrs überdurchschnittlich gut war. Zudem wächst der Benzinverbrauch nur mäßig mit 0,4%. Möglicherweise trugen die hohen Benzinpreise zum geringen Wachstum bei. Der Dieselverbrauch wächst dagegen um 3%.

Noch können die USA das Benzinproblem über Importe lösen. China hat beispielsweise Überkapazitäten in diesem Bereich. In anderen Bereichen, Rohöl, Heizöl und Diesel ist das Land auf Importe angewiesen. Die tatsächlich Lage in China gibt immer wieder Rätsel auf. Während uns in der letzten Woche Zahlen vorlagen, die eine nominelle Eigenversorgung Chinas mit raffinierten Produkten ausweisen, wird von ExxonMobil nun eine Unterdeckung von 25% genannt. BP nennt für 2004 eine Unterversorgung von 13%. China bemüht sich, durch sechs Raffinerieneubauten des Problems Herr zu werden.

Die aktuelle Preisentwicklung wird von Rohöl und Benzin getrieben. Heizöl ist vom Treiber zum Mitgeschleppten geworden. Rohöl hat neue Höchstwerte über 62$ pro Barrel erreicht. Benzin liegt auf dem Höchstniveau, das Anfang Juli erreicht wurde. Heizöl liegt ca. 3% unter dem Höchstpreis vom Juli.

Die Handelsaktivitäten an den Ölbörsen sind sehr hoch. Die Rohölpositionen seitens der großen Spekulanten sind allerdings nur gering zur bullischen Seite übergewichtet. Bei Heizöl und Benzin fällt die bullische Einstellung deutlicher aus.

Heute Morgen ziehen die Gasölpreise an. Sie sind als letzte aller Ölnotierungen nun ebenfalls wieder im Aufwärtstrend. Die Tonne kostet 537$.

Unsere Heizölpreise steigen. Der Weltmarkt diktiert die Richtung. Wir rechnen mit einem langsamen Anstieg. Es bleibt Zeit zum Handeln. Das sollte man nach unserer Auffassung aber auch tun. Die Wahrscheinlichkeit für billigere Preise in den kommenden Wochen oder Monaten ist sehr gering.

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