Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Rallye mit kaputtem Motor

China tritt auf die Bremse. Der amerikanische Konjunkturmotor ist defekt. Wer in voller Fahrt bremst, kann noch weit kommen. Mit einem kaputten Motor gelingt das nicht. So simpel war die gestrige Tageslosung an den Börsen. Sie annullierte die Dollargewinne, die sich am Vortag mit dem Aufleuchten der Bremslichter einstellten. Im Gefolge dieses Vorgangs kam es zum üblichen Spekulantenreflex. Dollar runter, Ölnotierungen rauf. Das Rauf wurde immerhin durch die Erkenntnis, Bremsen und Motorschaden verlangen weniger Öl, gezügelt. Am späten Nachmittag ließ die Finanzzunft die Zügel locker, weil sie mit den US-Bestandsdaten eine Investmentvision verband. Die Ölpreise schossen in die Höhe. Bei nüchterner Betrachtung dieser Daten stößt man unweigerlich den eigentlich dummen Satz eines Altbundeskanzlers hervor: Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Hier trifft er zu.

Den Beweis, wie treffend der Satz ist, liefern die Zahlen der beiden berichtenden Organisationen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die US-Bestandsänderungen.

Rohöl: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,3 (DOE) bzw. ein Aufbau von 1,3 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist geringfügig auf 83 Prozent gestiegen. Mehr noch als die aktuellen Bestandszahlen zeigt die längerfristige Entwicklung in den US-Tanklagern, wie abwegig die Preissteigerungsidee derzeit ist. Der Markt ist überversorgt. Daran ändert das kleine Minus der letzten Wochen wenig.

Trotz Chinas konjunkturellem Bremsmanöver und der Überversorgung in den USA und weltweit scheint die Finanzszene nicht gewillt zu sein, von weiteren Versuchen, den Ölpreis in die Höhe zu treiben, abzulassen. Die Branche steht wegen sinkender Gewinne mächtig unter Druck. Statt nun Visionen zu entwickeln, die den Namen verdienen und keinen Arztbesuch nahelegen, die die Menschheit als Ganzes ein Stück weiter bringen und nicht nur ausrauben, hält sie am bisher bewährten Geschäftsmodell „Das Problem der Anderen ist mein Gewinn“ fest. Langfristig könnte sie damit sogar Erfolg haben, da Öl natürlich eines Tages knapp werden wird. Denn mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der bevölkerungsreichen Schwellenländer wird es sehr viel mehr Ölnachfrager geben als früher. Für uns alle ist nicht genug Öl da, wenn wir unseren Lebensstil unverändert fortsetzen und dieser weiterhin ein Exportschlager ist. Sehr wahrscheinlich ist der Erfolg der Finanzszene allerdings nicht. Kurzfristig spricht das fehlende Problem knapper Versorgung dagegen. Langfristig spricht die Tatsache dagegen, dass Prosperität bei gravierendem Mangel an Rohstoffen nicht funktioniert.

Heute Morgen scheint diese Sichtweise an den Börsen zu dominieren. Die Preisentwicklung zeigt keine klare Linie. Sie ist Ausdruck von Widersprüchen. Das gilt sowohl für die Öl- als auch für die Dollarnotierungen. Die Tonne Gasöl kostet 701,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,87 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,74 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind recht gut vor den Schwankungen der Börsen geschützt, weil sie aus den beiden Antipoden Ölpreis und Dollarwert zusammengesetzt sind. In den letzten Tagen wurde Heizöl ein wenig billiger. Das als neuen Trend zu verstehen, wäre falsch. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass der Seitwärtstrend als grobe Richtung in den kommenden Wochen erhalten bleibt. Deshalb kann man den jüngsten Preisrückgang als Kaufgrund sehen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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