Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Rekordvorräte und hohe Preise

Die US-Vorräte wachsen weiter. Die Vorräte der OECD-Länder haben ein 20-Jahres-Hoch erreicht. Die Preise geben nach. Aber ein klarer Abwärtstrend ist noch nicht zu erkennen. Die Charts weisen nach wie vor eher seitwärts. Der Dollar verlor gestern an Wert. Die Sorge vor einer Inflation wog schwerer als die Phantasie für steigende Zinsen.

Tags zuvor meldete die IEA (Internationale Energieagentur) einen leichten Rückgang des weltweiten Nachfragewachstums und den Rekordwert bei der Lagerhaltung. Gestern veröffentlichten die US-Organisationen ihre wöchentlichen Daten über die US-Vorräte. Die Aussagen sind gleichermaßen positiv, wenngleich widersprüchlich im Detail. Folgende Zahlen wurden von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) vorgelegt:

Rohöl: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,0 (DOE) bzw. 6,0 (API) Mio. Barrel. Für Irritation sorgte der Unterschied bei der Beurteilung von Rohöl. Er soll sogar für den gestern ausgebliebenen Preisrückgang verantwortlich sein. Der hätte allen Grund stattzufinden, denn die Vorratslage ist ohne Einschränkungen komfortabel.

Die Importe sind vergleichbar hoch wie in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit hat sich auf 93 Prozent hochgerappelt. Jetzt, vor den nächsten Hurrikanen, sind die Verarbeitungsanlagen endlich fast vollständig repariert.

Dieser Umstand hat die US-Wettbewerbsbehörde auf den Plan gerufen. Sie vermutet hinter den weiterhin hohen Benzinpreisen trotz fast vollständig wiederhergestellter Raffineriekapazität Preismanipulationen der Mineralölgesellschaften. Nachweisen kann sie diese nicht. In ihrem Bericht kommt sie zu dem Schluss, dass der Markt allein die Preise hoch halte. US-Politiker sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Sie sehen in der jahrelangen Investitionszurückhaltung der Industrie einen für die Preisbildung geplanten Vorgang, den es zu ahnden gilt. Staatliche Preiseingriffe werden gefordert. Mit Preisobergrenzen haben sich die USA in den 1970er Jahren schon einmal einen Bärendienst geleistet. Sie waren als Folge nicht verdienten Geldes die Ursache für fehlenden Investitionen.

Im Gegensatz zu den Verarbeitungsanlagen sind die Hurrikanschäden von Katrina und Rita an den Förderanlagen noch nicht behoben. 20 Prozent der Öl- und 12 Prozent der Gasproduktion der betroffenen Region liegen noch brach. Die Industrie arbeitet daran, eine erneute Katastrophe zu verhindern. Die neuen und auch die wiederhergestellten Anlagen sollen besser gegen Sturm geschützt sein.

Die zu erwartenden Hurrikane sind vermutlich der Grund, warum die derzeit gute Ölversorgung und der Verdacht einer längerfristig schwächeren US-Nachfrage nicht zu deutlich nachgebenden Preisen führt. Aus den negativen Prognosen für die US-Konjunktur ziehen die Börsen z.Z. die stärksten bärischen Impulse. Die vor kurzem noch einflussreiche geopolitische Lage verliert dagegen ihre Bedeutung für die Preise. Die scheinbar positive Entwicklung im Atomstreit mit dem Iran wird wenig gewürdigt oder sogar als solche angezweifelt.

Heute Morgen halten die Gasölpreise das gestrige Niveau. Die Tonne kostet 611,50 $.

Unsere Heizölpreise sind auf die monatliche Mittellinie des Seitwärtstrends zurückgefallen. Um dieses Niveau werden sie vermutlich pendeln, solange ein schwerer Hurrikan im Golf von Mexiko ausbleibt. Ein Sturm wird die Preise auftreiben. Die Höhe des hinterlassenen Schadens wird das anschließende Niveau bestimmen. Der langfristige Aufwärtstrend der Ölpreise ist intakt. Für kurzfristig anstehende Käufe ist er allerdings unerheblich.

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