Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Rent a Barrel geht am Markt vorbei

Zur Vorbeugung gegen Versorgungsengpässe will die US-Regierung Rohöl aus den strategischen Reserven verleihen. Raffinerien, deren Nachschub durch die Auswirkungen des Hurrikans Ivan ins Stocken geraten ist, soll damit vorübergehend geholfen werden. Der Markt reagierte irritiert auf die Neuigkeit. Am Freitag setzte er aber seinen Aufwärtstrend unbeirrt fort.

Es wäre wahrscheinlich nicht schwierig, die abermals heiß laufenden Preise abzukühlen. Es bedürfte nur eines klaren Wortes der Bush-Administration hinsichtlich einer Teilfreigabe der strategischen Reserven. Eine die Tatsachen verschleiernde Begründung liegt auf dem Tisch. Das von Ivan hinterlassene Schadensaufkommen reicht aus, um von einer nationalen Notlage zu sprechen. Das wäre das Stichwort für den Präsidenten. Doch Bush ziert sich. Er bevorzugt, das nicht gerade üppig fließende Öl in Staatshänden zu horten. Damit bleibt dem Markt die derzeit einzige Chance auf eine Preiskorrektur verwehrt.

Das muss nicht so bleiben. Möglicherweise benötigt Bush in den nächsten Wochen einen populistischen Schritt. Dann könnte das strategische Öl doch noch zum Markt gelangen. Die Chancen stehen 50/50. Die großen Spekulanten im Markt scheinen die Wahrscheinlichkeit schlechter zu beurteilen. Sie kaufen wieder Kontrakte auf steigende Preise.

Charttechnisch sieht es wenig verheißungsvoll aus. Zwar ist der stabile Aufwärtstrend wieder in einer Übertreibungsphase und somit gegenreaktionsgefährdet. Aber die Formation hinterlässt in den letzten Tagen dennoch den Eindruck, dass sie zielstrebig auf Höhenrekorde zugeht. Es fehlt wirklich ein starkes Argument, um diesen Sturm und Drang zu brechen.

Fundamental bekommt der Aufwärtstrend alle denkbare Unterstützung. Der Impuls der immer schneller sinkenden US-Vorräte ist noch nicht verhallt. Irak befindet sich mittlerweile im Bürgerkrieg und ist kaum noch zu befrieden. Nach der Zerschlagung entsprechender Strukturen in Afghanistan nimmt das Land die Rolle der neuen Brutstätte des Terrors ein. Hier können sich die fanatischen Kämpfer u.a. an den Ölanlagen ausprobieren. Die nicht enden wollende Yukos-Story gibt den Märkten von Zeit zu Zeit einen bullischen Kick. Aus den Reihen der dauerhaften Unsicherheitskandidaten tritt aktuell Nigeria hervor. Rebellenangriffe sollen die Evakuierung von Ölanlagen bewirkt haben. Und über allem lastet der unersättliche Ölhunger Chinas, Indiens u.a. fiebernder Fernoststaaten aber auch der USA, auf denen angesichts einer reifen Industrialisierung der Vorwurf der preistreibenden Energieverschwendung am stärksten lastet.

So scheint es durchaus angemessen zu sein, dass die USA den höchsten Leidensdruck der hohen Ölpreise spüren. Dort jagen beispielsweise die Heizölpreise schon lange von einem historischen Höchststand zum nächsten. Derzeit befinden sie sich rund 30% über den Preisspitzen der Vergangenheit. Hierzulande befindet sich der Heizölpreis noch ca. 18% unter der historischen Spitze. Der Dollarkurs macht es möglich.

Heute Morgen zieht der Gasölpreis wieder an. Mit 432$ pro Tonne hat er ein neues Hoch markiert.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Nach kurzer Ruhe am Freitag, die der aufkommenden Diskussion über die teilweise Freigabe der strategischen Reserven in den USA zu verdanken ist, folgt der Weltmarkt wieder dem Trend. Er nimmt unsere Ölpreise mit. Besserung kann nur aus dem Weißen Haus kommen. Bleibt es dort ruhig in Sachen Ölreserven, wird es für Verbraucher in den nächsten Wochen immer teurer werden. Da viele Verbraucher ihren Einkauf über Monate verschoben haben, wird ihnen nun keine andere Wahl bleiben, als zu den hohen Preisen zu ordern. Die lange gehegte Hoffnung auf sinkende Preise liegt in einem bedauernswerten Zustand.

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