Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Reserve wird angezapft

Die Preise bröckeln. Vor dem heutigen Urlaubstag an den US-Börsen wurden zahlreiche Kontrakte auf steigende Preise verkauft. Die Freigabe der strategischen Reserven der IEA-Mitgliedsländer (Internationale Energie Agentur) unterstützte den Preisrückgang. Der Dollar setzt seinen Abwärtstrend fort. Dadurch stieg der Euro auf ein Drei-Monats-Hoch.

Als kurzfristige Hilfsaktion für die in Not geratene Versorgung im US-Krisengebiet ist die Freigabe der strategischen Ölreserven zu begrüßen. Gefragt und geliefert werden Benzin und Heizöl aus Europa. Die USA geben hauptsächlich Rohöl frei. An die breit angelegte Freigabe knüpft sich die Hoffnung, dass die Preise nun wieder sinken werden. Es sind allerdings erhebliche Zweifel berechtigt, dass der gewünschte Effekt tatsächlich eintritt.

Die US-Ölförderung im Golf von Mexiko ist nach wie vor um ca. 90% dezimiert. Es ist noch nicht absehbar, wann sie wieder in Schwung kommt. Zehn Raffinerien im Süden liegen still. In wie weit Zerstörungen hierfür verantwortlich sind, weiß man noch nicht. Die erste Ursache waren Stromausfall, Ausfall der Rohölversorgung und Überschwemmung. Einige Raffinerien werden kurzfristig in Betrieb gehen, nachdem die Stromversorgung und die Rohölversorgung über Pipelines wiederhergestellt sind. Andere Raffinerien werden noch Wochen fehlen. Da die Raffineriekapazitäten ohnehin knapp sind, ist eine gravierende Störung der Versorgung aufgetreten. Insofern ist die Freigabe der strategischen Reserven gerechtfertigt.

Der öffentliche und politische Druck auf die Ölgesellschaften wächst, neue Raffinerien zu bauen. In den USA wurde seit 30 Jahren keine neue Raffinerie mehr in Betrieb genommen. Die Gesellschaften begründen ihre Zurückhaltung mit der Unsicherheit über die zukünftige Nachfrage. Teilweise geht man von einem Rückgang aus, obwohl offizielle Prognosen das Gegenteil ausweisen. Angesichts der heute sehr guten Verdienstmöglichkeiten im Raffineriegeschäft wird der Druck zum Neubau weiter wachsen. In Asien und im Mittleren Osten werden Raffinerien gebaut, die einige Lände bald von Nettoverbrauchern zu Nettolieferanten machen werden. Wenn sich die Verbrauchsgewohnheiten der Industrieländer in Zukunft zu mehr Sparsamkeit entwickeln sollten, wäre es in der Tat möglich, dass in einigen Jahren Überkapazitäten auf dem Markt wären. Heute erscheint das utopisch.

Die aktuelle Frage ist, ob das Preisgefüge mit dem ?strategischen? Zufluss von täglich 2 Mio. Barrel an Rohöl und Produkten über 30 Tage verändert werden kann. Kurzfristig ist bereits ein positiver Effekt eingetreten. Allerdings wurden die Benzin- und Heizölpreise in der letzten Woche derartig stark überhitzt, dass eine Abkühlung allein aus charttechnischer Sicht normal ist. Für Rohöl gilt das weniger.

Die hohen Preise gelten im Hinblick auf die Versorgung als deutlich zu teuer. Das war bereits vor der jüngsten Erhöhung so. Begründet wird das mit dem starken spekulativen Engagement an den Börsen. Sollte die Intervention mit Öl aus den strategischen Reserven die Spekulanten aus dem Markt zu verjagen, könnten die Preise tiefer fallen. Die Möglichkeiten, zusätzliches Öl in den Markt zu steuern, sind aber äußerst begrenzt. Die 30-Tage-Aussicht wird den langfristigen Trend kaum drehen können. Große Spekulanten verfügen über mehr Kapital als der physische Handel mit Öl benötigt. Sie haben zudem einen langen Atem. Es besteht die Gefahr, dass die Entnahme aus den Reserven langfristig die Teuerung noch anheizt. Wenn das Mittel der Intervention verbraucht ist, müssen Long-Spekulanten diese mit ihrem preisdämpfenden Effekt nicht mehr fürchten. Sie könnten furchtlos auf das Aufstocken der strategischen Reserven spekulieren. Ein Preisanstieg wäre unvermeidlich.

Die Spekulanten haben ihre klare Präferenz für steigende Preise übrigens reduziert. Die Überhitzung hat ihnen die Aussicht auf weitere kurzfristige Gewinne genommen. Eine Fluchtbewegung ist allerdings nicht zu erkennen. Die wäre nötig, um die Preise wirklich abwärts zu schicken.

Heute Morgen ist Gasöl deutlich billiger als am Freitag. Die Tonne kostet 629$. Am Freitag Morgen waren es 658$. Ungefähr bei 600$ verläuft der langfristige mittlere Aufwärtstrend.

Unsere Heizölpreise fallen nach der Ankündigung, die strategischen Reserven der 26 IEA-Mitgliedsländer (Internationale Energie Agentur) anzuzapfen. Ob die Maßnahme die erhoffte Wirkung nachhaltig zeigt und die Preise auf ein vernünftiges Niveau zurückdrängt, steht in den Sternen. Die langfristigen Aussichten für die Heizölpreise werden mit Sicherheit nicht besser, wenn man ans ?Eingemachte? geht. Die Erwartung, dass die Preise im Winter deutlich fallen werden, müssen wir überdenken.

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