Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Rette sich wer kann!

An die wirtschaftliche Erholung glauben sie nicht mehr fest. Dass die Ölnachfrage schwach ist, wissen sie. Um ihren Einsatz sorgen sie sich. Ölspekulanten haben derzeit kein schönes Leben. Und nun zeigt ihre Zunft auch noch Nerven. Das ist der größte Fehler, den sie machen kann. Damit wird die Lage für sie kritisch. Es drohen kapitale Verluste. In einem ersten Anflug von Panik brachen die Ölpreise gestern um rund fünf Prozent ein. Flucht oder Verteidigung, das ist nun die Frage, der sich der brave Ölspekulant stellen muss. Als Heizölkäufer kann man die Nöte der Finanzszene aus der Publikumsperspektive beobachten. Mitleid wird kaum aufkommen. Die Situation ist selbstverschuldet. Mit dreister Arroganz hat die staatlich alimentierte Finanzbranche die Ölkonsumenten zuvor genarrt, indem sie die ehrlichen Marktregeln der Preisbildung mit purer Finanzmacht ausgehebelte. Schadenfreude wäre allerdings unangebracht. Denn ein Schaden wird am Ende erneut sozialisiert. Dass ein größerer Schaden überhaupt auftritt, ist zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als sicher. Sicher ist nur, dass die Finanzindustrie die Versuche, den Ölmarkt zu dominieren, niemals aus innerer Einsicht aufgeben wird.

Das weiß auch der britische Schatzkanzler Alistair Darling. Aber er muss etwas tun, um die Staatsfinanzen und die Bürger zu beruhigen. Sein Rezept ist nicht die Fessel oder die Bremse. Sein Rezept ist Partizipation in einer ungefähr so dreisten Weise wie sie von den Protagonisten der Finanzszene vorgeführt wird. Er beansprucht die Hälfte der üppigen Sondervergütungen der Szene für den Staat. Im Vergleich zum Ausmaß der Unterstützung für die Banken kommen auf diese Weise eher kleine Beträge zurück in die Staatskasse. Insofern kann man konstatieren, dass ein Anspruch auf die Hälfte der Beute durchaus moderat ist. Dieser Ansicht sind die Betroffenen natürlich nicht. Sie sind entsetzt, geschockt, verschreckt, hysterisiert und wütend. Man ist geneigt zu kommentieren, nun merkt Ihr mal, wie es ist, wenn der Staat dem gemeinen Bürger immer tiefer ins Portemonnaie greift. Im Gegensatz zum gemeinen Bürger kann der gemeine Finanzjongleur seinen Tatort allerdings recht unaufwendig wechseln. Damit droht die Szene prompt. Und sie bekommt auch noch prominente Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Das Argument lautet, dreimal dürfen Sie raten, die Arbeitsplätze. Nun, so ganz stimmt das in diesem Fall nicht, es sind die schönen Gewinne, die dann in einem anderen Land generiert werden. An denen haben die Finanzminister zwar nur wenig teil, wenn sie nicht Darling heißen. Gleichwohl nehmen sie lieber einen kleinen Teil der Beute als die Beutezüge zu unterbinden. Einen aufschlussreichen Beitrag zum Thema hat Wolfgang Münchau in der Onlineausgabe der Financial Times Deutschland veröffentlicht.

Als Stein des Anstoßes für den gestrigen Preisabgang werden die US-Bestandsdaten genannt. Die fielen wahrlicht nicht spektakulär aus und schon gar nicht klar bärisch. Es handelt sich wohl eher um eine kosmetische Interpretation der Vorgänge. Sie ergibt immerhin ein schönes Bild in Bezug auf die Preisbewegung. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die Veränderung der Vorräte zur Vorwoche sprechen eine ungeschminkte Sprache.

Rohöl: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,0 (DOE) bzw. 5,6 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 81 Prozent gestiegen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass es mittlerweile eine Überkapazität an Produktionsanlagen gibt. Von denen werden zumindest in den USA demnächst einige verschwinden. Dieser Umstand ist bemerkenswert und erstaunlich. Er zeigt, wie unerwartet sich die Welt ändern kann. Vor gut einem Jahr galten die Raffinerien noch als der Flachenhals der Ölversorgung. So war ihr Mangel beispielsweise hauptverantwortlich für die jährlichen Benzinpreissteigerungen zur Osterzeit. Die Ölvorräte insgesamt sind übrigens weiterhin nahe ihrem historischen Hoch.

Schwerer als die Nullnummer der Bestandsdaten dürfte den Finanzjongleuren die Verschuldung der Staaten zu schaffen machen. Dort wird gerade ein Staffellauf von Pleiteaspiraten veranstaltet. Nach Dubai und Griechenland wurde gestern Spanien ins Rennen geschickt. Alles nicht neu, tönt es von ein paar profunden Kennern der Szene. Dennoch beeindrucken derartige Inszenierungen das Gros der Spekulanten. Die Nerven sind nun mal reizbarer, wenn der feste Glaube an die Auferstehung der Wirtschaft wankt.

Reizbar ist heute Morgen offensichtlich niemand im Ölpreiszirkus. Die Preise liegen so danieder, wie sie gestern Abend hinterlassen wurden. Mit Spannung darf man verfolgen, was die Finanzspieler aus der Lage entwickeln werden. Die Tonne Gasöl ist auf 580,50 Dollar abgesackt. Das Barrel Rohöl in New York kostet 71,11 Dollar. In London werden 72,99 Dollar bezahlt. Der US-Dollar wird zu 68,03 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise schwenken wieder auf den Abwärtstrend ein. Der satte Preisverfall am Weltmarkt und die Tatsache, dass der Dollar dieses Mal still hielt, machen das möglich. Wir bleiben bei der Einschätzung eines über einige Wochen fortgesetzten Preisrückgangs. Dieser dürfte zumindest im Binnenmarkt unspektakulär verlaufen. Einen rasanten Absturz erwarten wir nicht, obwohl ein solcher nach dem gestrigen Börsentag denkbarer wird. Wer mit seinem Heizölkauf gewartet hat, scheint nun in eine freundliche Phase zu kommen, die eng verfolgt werden sollte. Die Einsparung wird greifbar. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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