Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Rita ist abgehakt

Wegen der großen Unsicherheit, die Wetterereignisse mit sich bringen, wurde Öl am gestrigen Sonntag ausnahmsweise gehandelt. Nachdem der Hurrikan Rita die Region mit hoher Raffineriedichte ohne dramatische Schäden passiert hatte, zeigte sich der Markt in Abschlagslaune. Rohöl und Produkte wurden billiger. Die Chance, dass der kurzfristige Abwärtstrend, der wegen Rita suspendiert wurde, nun wieder aufgenommen wird, ist gut. Der Dollar gibt die Gegenbewegung. Er hat sich endgütig vom kurzfristigen Abwärtstrend verabschiedet. Seit Anfang September zieht es die Währung in die Höhe. Bald wird das letzte 15-Monats-Hoch eingestellt sein.

Ölplattformen im Golf von Mexiko und texanische Raffinerien waren abgeschaltet. Dadurch entsteht auf alle Fälle eine Deckungslücke. Da die meisten Anlagen aber unverzüglich wieder in Betrieb gehen können, wird die Lücke keine gravierende Wirkung zeigen. Gegen kurze Ausfälle ist die Branche mit gut gefüllten Lagern gewappnet.

Überhaupt ist die Bevorratung eine weitgehend positive Erscheinung der Branche. Im Jahresverlauf sorgte sie eher für gute als für schlechte Überraschungen. Jüngstes Beispiel hierfür ist der deutlich gestiegene Benzinvorrat in den US-Lagern. Dass er nach dem desaströsen Hurrikan Katrina und angesichts immer noch defekter Raffinerien erreicht wurde, ist bemerkenswert. Die Lage ist besser als die Börse und die Preise sie darstellen. Gut gefüllte Rohöllager, gute gefüllte Heizöllager und Benzinlager, die beste Aussichten haben, nun ebenfalls wieder aufgefüllt zu werden, geben keinen Anlass, an der Versorgungssicherheit für den kommenden Winter zu zweifeln.

Bezweifeln muss man andererseits auch nicht, dass die Raffineriekapazitäten zu knapp bemessen sind. Wenn ein Hurrikan an der richtigen Stelle einfällt, kann die Versorgung in der Tat erheblich beeinträchtigt werden. Die Phantasie, die in derartigen Negativszenarien steckt, beflügelt die Börse und die Preise. Die gegenteilige Phantasie, dass kurzfristig ausreichend Produkte gekocht werden können, existiert nicht. Allenfalls kann man, wie es nun angebracht ist, ein ?alles nicht so schlimm? konstatieren. Das sollte dann eine Gegenbewegung zu den vorangegangenen Preissteigerungen hervorrufen. Die Wirkung wird allerdings begrenzt bleiben. So können sich Verbraucher in den kommenden Tagen, vielleicht sogar Wochen, auf tiefere Preise einstellen. Langfristig müssen sie aber mit weiterer Teuerung rechnen. Die wird erst beendet sein, wenn genügend Raffinerien zur Verfügung stehen, wenn die Weltwirtschaft einen Knick bekommt oder wenn eine Technologie- und Produktrevolution zur Sparsamkeit ausbricht. Die immer wieder eingeforderte Transparenz des Ölmarktes wird dagegen kaum Wirkung zeigen. Schließlich werden an Börsen nicht nur Fakten sondern auch Erwartungen gehandelt. Und die werden aus Phantasie geboren.

Ein plakatives ?Weg vom Öl? ist auf dem Weg zu einer sicheren, umweltverträglichen und preiswerten Energiewirtschaft wenig dienlich. Denn es geht nicht darum, einen Energieträger durch einen anderen zu ersetzen. Der würde in kürzester Zeit die gleiche Teuerung erleben wie Öl. Es geht darum, Energie insgesamt sparsamer einzusetzen. Sparsame Technologie ist Grundlage, um regenerativen Energieträgern wie Bioöl und Biogas zu mehr als einem Nischendasein zu verhelfen.

Der Weg ist lang. Um ihn gehen zu können, darf die aktuell eingesetzte Energiegrundlage nicht vernachlässigt werden. Daher ist die Forderung an die Ölgesellschaften, mehr Raffinerien zu bauen, gerechtfertigt. Dass sich die Gesellschaften insbesondere in den USA zieren, hat vielfältige Gründe. Kurzfristiger Profit und eine Vielzahl unterschiedlicher Produktspezifikationen der einzelnen Bundesstaaten spielen eine Rolle. Schlechte Erfahrungen mit fehlerhaften und verlustbringenden Erwartungen in den letzten 25 Jahren tragen ebenfalls dazu bei. Ob eine heraufziehende Sparsamkeit bereits ein Grund sein sollte, kann nur spekuliert werden.

Spekuliert werden kann auch über die Wirkung von Zugeständnissen der Ölkonzerne bei der Preisbildung. In Frankreich sei die Total bereit, Preiserhöhungen an den Terminmärkten mit deutlich mehr Zeitverzögerung an die Verbraucher weiterzugeben als Preisrückgänge. Das Modell, wenn es denn tatsächlich kommt, wird sicher in anderen Ländern wachsam beäugt. Heizölverbraucher, die Preissteigerungen deutlich stärker spüren als Autofahrer, sind mit Marktbeobachtungen im Internet besser bedient. Dagegen könnten die Kraftstoffkosten tatsächlich etwas Entlastung bekommen.

Heute Morgen bringt der Markt selbst die Entlastung. Gasöl verbilligt sich deutlich. Die Tonne kostet 581$.

Unsere Heizölpreise fallen. Die Aussichten auf weiteren Preisrückgang sind gut. Das aktuelle Wetter und der Verlauf des Hurrikans Rita machen den Weg dazu frei. Wer nun auf fallende Preise spekuliert, hat Chancen auf Heizkosteneinsparungen. Vorsicht ist wie immer geboten. Rita hat wieder einmal gezeigt, wie schnell die Bewegung nach oben geht, wenn sich eine Störung andeutet.

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