Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Rohöl in Hülle und Fülle

Begünstigt von guten Daten über die Rohölvorräte setzt sich der mittelfristige Abwärtstrend nach dem kurzen Zwischenspiel mit steigenden Notierungen wieder durch. Dabei fallen die Rohölpreise stärker als die Heizölpreise. Der Dollar verliert gegen den Euro an Wert. Den neu gewonnenen Aufwärtstrends berührt das nicht.

Die längerfristigen Aussichten sind nicht gerade rosig. Chinas Ölbedarf steigt weiter. Insbesondere das ohnehin knappe Heizöl wird mit hoher Steigerungsrate importiert. Nachdem im Januar und Februar Entspannung angesagt war, weil die Importraten fielen, dreht sich die Entwicklung nun vollkommen um. Im März stiegen die Importe um 23%, im April um 22,5%. Die Zahlen stammen aus offiziellen chinesischen Quellen. Das ist allerdings kein Zeichen für ihre Qualität. Zahlen über die chinesische Wirtschaftsentwicklung sind unabhängig von der Quelle extrem unzuverlässig.

Die OPEC erhöht ihre Bedarfsprognose für das dritte und vierte Quartal leicht. Um der preislichen Auftriebskomponente, die in der Aussage steckt sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird darauf hingewiesen, dass die Förderung auf über 30 Mio. Barrel pro Tag erhöht werden soll. Außerdem sollen die Förderkapazitäten bis zum Jahresende um bis zu drei Mio. Barrel pro Tag ausgeweitet werden. Geschafft werde das mit Projekten in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Nigeria, die in diesem Jahr abgeschlossen werden sollen, so der Generalsekretär Adnan Shihab-Eldin. Hinzu komme eine erwartete Steigerung der irakischen Produktion um 0,5 Mio. Barrel pro Tag.

Über die Entwicklung der Förderkapazitäten der Nicht-OPEC-Länder gibt es widersprüchliche Aussagen. Einige Quellen geben eine deutliche Steigerung an. Andere Quelle sehen die Steigerung hingegen unter den Erwartungen. Hierfür wird u.a. die negative Entwicklung um die russische Yukos verantwortlich gemacht.

Insgesamt bleibt die Entwicklung der Ölversorgung eine spekulative Angelegenheit, in die wenig Verlässlichkeit zu bekommen ist. Momentan überwiegt eine beruhigte Sicht der Dinge. Die Stimmung kann durch vielfältige Auslöser wie Terror, Wetter oder unerwartete Bedarfszahlen aber schnell kippen.

Dass sich die Marktteilnehmer derzeit sorglos und bärisch geben, liegt an den wachsenden Rohölvorräten, die auf einem langjährigen Rekordwert stehen. Gestern wurde die Zahlen für die USA erneut verbessert. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben Folgendes an:

Rohöl: +4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)

In Summe beträgt der Aufbau 5,2 (DOE) bzw. 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Rohölimporte sind kräftig gestiegen. Die Heizölimporte sind leicht gefallen. Sie befinden sich aber immer noch auf einem hohen Niveau. Eine gute Entwicklung vollzog sich bei der Raffinerieverfügbarkeit. Sie liegt über den Vergleichswerten der Vergangenheit.

Die Charttechnik spricht mittelfristig für einen Fortgang der fallenden Preise. Langfristig ist der steigende Trend noch nicht gebrochen. Er wird allerdings in Frage gestellt.

Der Gasölpreis bestätigt die Einschätzung heute Morgen. Er fällt. Die Tonne kostet 425,50$.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Z.Z. sind die Aussichten für weiter fallende Preise gut. Mögliche Zielpreise sehen wir allerdings nach wie vor nicht unter den Tiefpreisen vom Januar. Nach unserer Einschätzung wird die Marke von 40 Cent pro Liter bei 3000 Liter Liefermenge nicht unterschritten werden. Die langjährige Betrachtung zeigt, dass die viel zitierte These ?im Sommer billig, im Winter teuer? mehrheitlich falsch ist.

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