Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Rohöl visiert 90 $ an

Die gestrige Gegenreaktion der Preise ist wirkungslos verpufft. Heute Morgen sind bereits neue Höhen erreicht. An den Börsen wird US-Rohöl bei 81 Dollar, Nordseeöl Brent bei über 77 Dollar pro Barrel und Gasöl bei 700 Dollar pro Tonne gehandelt. Die Trends zeigen erschreckend stabil aufwärts. Neue Fakten aus den Märkten gibt es nicht. Es gibt aber neue Einschätzungen zur Preisentwicklung. Die Investmentbank Goldman-Sachs hält Preisspitzen von 90 Dollar für das Barrel Rohöl in diesem Jahr für möglich. Der Dollar zeigt wenig Bewegung. Devisenhändler warten auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank. Man rechnet fest mit einer Senkung. Sie dürfte im Währungskurs bereits eingepreist sein. Den Ölpreis wird sie wegen der positiven Wirtschaftssignale weiter beflügeln.

Die Hypothekenkrise ist zumindest am Ölmarkt überwunden. Spekulanten sind wieder im ganz großen Stil investiert. Ihre Engagements bei Rohöl sind allerdings weniger eindeutig, als die Preisentwicklung dies vermittelt. Das bullische Übergewicht befindet sich lediglich auf Jahresdurchschnittsniveau. Im Juli war es mehr als doppelt so hoch. Die hohen Preise nähern leise Zweifel am ungebremsten Fortgang des Aufwärtstrends. Anders sieht es beim Heizöl aus. Hier sind die Spekulanten sehr bullisch. Das US-Raffinerieproblem, die Hurrikansaison und der bevorstehende Winter lassen sie auf deutlich höhere Preise hoffen.

Die charttechnische Darstellung der Preisentwicklung hat mittlerweile Seltenheitswert. Das betrifft sowohl die Steilheit des Anstiegs als auch den erreichten Abstand von einer mittelfristigen Trendlinie. Letzterer spricht für eine fällige Gegenbewegung. Ihr fehlt aber noch ein gutes Argument. Abgeleitet aus dem Chartbild für US-Rohöl halten wir einen Preis von 85 Dollar innerhalb weniger Wochen für realistisch. Die von Goldman-Sachs genannten 90 Dollar wären nach unserer Einschätzung spätestens das Zeichen zur Umkehr wegen Überhitzung.

Solange die US-Konjunktur einigermaßen läuft, Hurrikane möglich sind und der Winter nicht wieder auszufallen droht, wie im Vorjahr, wird es kaum zu einem nennenswerten Preisrückgang kommen. Den genannten Aspekten liegt ein von der Mehrheit der Marktteilnehmer als unveränderlich geltender Hauptpreistreiber zu Grunde. Es ist die Ahnung von der Endlichkeit der Reserven, die in der aktuellen Debatte als Peak Oil bezeichnet wird. Peak Oil wirkt langfristig Preis treibend.

Aus den Reihen der Mineralölwirtschaft kommt die Botschaft, dass Peak Oil keine Bedrohung für unsere gewohnte Lebensweise darstellt. BP geht davon aus, dass die Erde fünf Billionen Barrel Öl enthielt. Eine Billion Barrel sind in 150 Jahren Ölgeschichte verbraucht. Eine zweite Billion wird in den kommenden 30 bis 40 Jahren entnommen werden. Über den großen Rest weiß man nicht, ob er technisch förderbar ist. Wenn wir zügig daran gehen, unser Energieverhalten zu modernisieren, wird die Spitze des Verbrauchs vor der Spitze der Förderung eintreten.

Die IEA (Internationale Energieagentur) sieht in der Steigerung der Effizienz die Schlüsselrolle bei der Modernisierung der Energie verbrauchenden Gesellschaft. Sie mahnt die Industriestaaten zu größeren Anstrengungen. Die beginnen bereits bei der Datenaufnahme. Selbst hier fehlt es häufig am Nötigsten. Aus den bekannten Daten lesen die Analysten der IEA eine bedenkliche Entwicklung ab. Während der Effizienzgewinn in der Periode zwischen 1973 und 1990 ein akzeptables Niveau erreicht hatte, brach er danach dramatisch ein. Der Grund hierfür war die Preisentwicklung. Durch die Ölpreisschocks der 1970er Jahre wurde Effizienz befördert. Danach war Energie zu billig. Es gab keinen Anreiz, sie effizient zu verwenden. Die aktuelle Preisentwicklung, die keine kurzfristige Erscheinung bleiben dürfte, wird neue Wege erzwingen. Davon geht die IEA fest aus. Sie änderte bereits ihre Verbrauchsprognose. Bisher wurde für das Jahr 2030 mit einem Ölbedarf von 130 Mio. Barrel pro Tag kalkuliert. Mittlerweile sind es nur gut 100 Mio. Barrel pro Tag. Grund für die reduzierte Prognose ist die erwartete Effizienzsteigerung.

Heute Morgen jagen die Preise weitere Rekorde. Gasöl kostet am Spotmarkt 698 $ pro Tonne. Die Tendenz zeigt aufwärts.

Unsere Heizölpreise hielten gestern ihr Niveau. Vom internationalen Markt kommt weiterhin Auftrieb. Der Binnenmarkt ist wieder eingeschlafen. Das schafft neuen Margendruck. Der hat allerdings weniger Gewicht als die Vorgaben von außen. Angesichts der Preisprognosen ist es zweifelhaft, dass Kaufzurückhaltung momentan die richtige Strategie ist. Wer in kürze Heizöl braucht, sollte eine Teilmenge ordern.

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