Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Rohöl weiter im Aufwärtstrend

Der Hurrikan Ivan ist Vergangenheit. Seine Schadensspur ist Gegenwart. Sie sorgt u.a. für steigende Ölpreise, da sie die ohnehin knappe Versorgungslage zusätzlich belastet. Die Yukos-Krise erreicht die nächste Eskalationsstufe. Das Unternehmen muss Lieferungen nach China suspendieren. Damit liegen erneut gewichtige Argumente für den Fortgang des Aufwärtstrends vor. Am Freitag wurden sie mit deutlich höheren Preisen gewürdigt.

Die Preise befinden sich am oberen Rand eines langfristig aufwärts gerichteten Trendkanals. Nach der deutlichen Entspannung, die die überhitzten Preise in der zweiten Augusthälfte erfuhren, befinden sie sich trotz des jüngsten Anstiegs in einer charttechnisch soliden Verfassung. Eine Übertreibung liegt nicht vor.

Die technische Einschätzung wird durch die Tatsache untermauert, dass sich Spekulanten aus dem Markt zurückgezogen haben. Die Anzahl der von ihnen gehaltenen Kontrakte hat ein 12-Monats-Tief erreicht.

In der letzten Woche war zu spüren, dass die Preisentwicklung eine psychologische Sättigung erreicht hatte. Diese wird durch die fundamentalen Umstände in Frage gestellt. Einmal mehr zeigt sich, dass das Bündel an möglichen Störungen der Ölmärkte groß genug ist, um ein paar Eventualitäten zu Realitäten werden zu lassen, die für den Fortgang des Aufwärtstrends der Preise sorgen.

Die Analyse der realen Versorgungslage fällt unterschiedlich aus. Während IEA und OPEC von einer ausreichenden bis guten Angebotslage am Rohölmarkt sprechen, zeigen die US-Lager seit Monaten einen Mangel an Rohölzuflüssen. Der wird durch die Auswirkungen des Hurrikans Ivan noch verstärkt. Täglich fehlen derzeit 2,5 Mio. Barrel aus dem Golf von Mexiko. Die präventiv stillgelegten Fördereinrichtungen konnten bisher noch nicht wieder vollständig hochgefahren werden. Das Ausmaß der Sturmschäden ist offensichtlich größer als erwartet.

Neben den Offshore-Anlagen lagen 13% der US-Raffinerien still, die sich in der Sturmspur befinden. Auch sie sind von Problemen des Wiederanlaufs betroffen.

Um die größte russische Ölgesellschaft Yukos, die sich wegen Steuerforderungen und politischer Diskrepanzen mit dem Kreml in Insolvenzgefahr befindet, war es in den letzten Wochen etwas ruhiger geworden. Nun geht die Krise in die nächste Phase. Nachdem ein Gericht die Sperrung der Konten bestätigte, musste Yukos Eisenbahnlieferungen nach China einstellen. Normalerweise werden 0,1 Mio. Barrel pro Tag an die chinesische CNPC und 0,05 Mio. Barrel pro Tag an die Sinopec geliefert. Die CNPC kann nicht mehr bedient werden.

Aus Norwegen kommt die Meldung über einen lokal begrenzten Streik von Ölarbeitern. Er hat zwar nur den Ausfall einer geringen Menge Rohöls zur Folge. Aber er trifft an den Märkten auf einen preistreibenden Nährboden.

Über allem lastet das Phänomen, dass die Nachfrage im Verhältnis zur Entwicklung des Angebots zu schnell steigt. Insofern ist die Reaktion der Preise durchaus normal. Die Erwartung, dass sie in absehbarer Zeit nachhaltig fallen, entbehrt derzeit einer argumentativen Grundlage. Das heißt allerdings nicht, dass die Möglichkeit eines kurzfristigen Abfalls der Preise ausgeschlossen wird. Nach wie vor steht die Möglichkeit im Raum, dass George W. Bush die strategischen Reserven des Landes teilweise anzapfen könnte und damit den Märkten eine Entspannung verschaffte. Diese Ölwelle, sollte sie denn kommen, käme vor dem 2. November, dem Tag der Präsidentschaftswahl.

Unsere Heizölpreise zogen am Freitag wieder an. Sie markierten damit ein neues Jahreshoch. Zur Vorwoche legten sie um ca. 2,5% bezogen auf 3000 Liter Liefermenge zu. Der Hinweis, dass die Preise im September 2000 rund 20% höher waren als heute, hat eine doppelte Bedeutung. Positiv interpretiert zeigt er, dass die Preise nicht so hoch sind wie gefühlt. Negativ interpretiert macht er deutlich, dass Heizöl noch erheblich teurer werden kann, ohne dabei die geschichtlichen Preisgrenzen zu verlassen. Aber wer sagt, dass alte Grenzen Bestand haben?

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