Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Rohölverkäufer müsste man sein

Die Sanktionen gegen den Iran zeigen Wirkung. Den Atomkurs der Machthaber werden sie aber nicht stoppen können. Der Kadavergehorsam der politischen Elite zu ihrem Revolutionsführer lässt kein Mitleid mit dem Volk und kein Einlenken der Diplomatie zu. Parallelen zum Totalitarismus unserer eigenen Geschichte sind erkennbar. Die Inflation sei auf 20 Prozent pro Monat gestiegen. Der Polizeiapparat geht hart gegen Schwarzhandel mit Devisen vor. Die USA und Frankreich wollen den Druck weiter erhöhen. Sie fordern ein Ölembargo so schnell wie möglich. Einige EU-Länder hoffen auf eine Frist von sechs Monaten. Es ist gut möglich, dass auf dem Außenministertreffen am 23. Januar ein Dreimonatskompromiss verkündet wird.

In der EU sind Italien und Spanien mit jeweils 13 Prozent ihrer Rohölimporte am stärksten von iranischem Öl abhängig. Schlimmer steht es für das Nato-Mitglied Türkei. Das Land bezieht 51 Prozent seines Öls aus dem Iran. Wenn diese Länder und die gesamte EU den Ölbezug boykottieren, wird in Teheran ein Exporteinbruch von 25 Prozent verzeichnet. Die dem Westen zugewandten Länder Ostasiens, Japan und Südkorea, bringen weitere 24 Prozent des Exportvolumens auf die Waage. Sie hängen jeweils zu 10 Prozent am iranischen Öl. Gleiches gilt für Indien. Das Land steht mit 13 Prozent in der Ölexportbilanz. Wenn sich all diese Staaten zusammenschlössen, hätte Teheran einen Einbruch der Ölexporte von 62 Prozent zu verkraften. Das hätte in der Tat eine verheerende Wirkung auf die ölabhängige Wirtschaft des Landes. Es hätte aber auch Wirkung auf den Ölpreis, im Schlechten wie im Guten.

Die Boykotteure müssten einen höheren Preis in Kauf nehmen. Knappheit hätten sie indes nicht zu befürchten. Es gibt für die benannten Mengen Lieferalternativen, insbesondere aus Saudi Arabien. China als politisch zurückhaltender Nichtboykotteur wäre Nutznießer der Aktion. Das Land bezieht elf Prozent seines Öls aus dem Iran. Es hat ausreichend Ölbedarf, um den Anteil zu erhöhen. Im Dezember erreichte die Nachfrage einen neuen Höchstwert. Er liegt vier Prozent über dem Vorjahr. Indem die Boykotteure den Ölverkauf Teherans erschweren, wird der Preis für die dringend abzusetzende Ware fallen. Nichtboykotteure können ihn als Bonus beim Öleinkauf einstecken. Die Abwicklung der Geschäfte erfolgt nicht zu Börsenkonditionen, sondern zu bilateral ausgehandelten Preisen. Das gilt übrigens für gut zwei Drittel aller Öllieferungen. Lediglich ein Drittel der weltweiten Geschäfte geht im Spot zu Börsenpreisen. Aufgrund ihrer Transparenz haben sie dennoch Leitwirkung.

Angenommen der Iran-Ärger löste sich unversehens in Luft auf, was zugegeben sehr hypothetisch klingt, dann wäre das Problem steigender Ölpreise beileibe nicht aus der Welt. China ist nämlich nicht das einzige Land, dessen Nachfrage rasant steigt. Insgesamt gehören auf der Erde etwa drei Milliarden Menschen der Gruppe an, die innerhalb von 20 Jahren zur Lebensweise der uns geläufigen Mittelschicht aufschließen werden. Sie haben so gut wie kein Schuldenproblem und verfügen über enorme Kaufkraft. Zum Vergleich, derzeit rekrutiert sich die zahlenmäßig starke Mittelschicht aus 1,2 Milliarden Menschen. Deren Schuldenlage ist hinlänglich bekannt. Aus Sicht eines Rohölverkäufers können die Voraussetzungen für gute Geschäfte kaum besser sein. Die Nachfragesteigerung darf in den Rang eines Naturgesetzes erhoben werden. Der Verkäufer muss nur verteilen und von Zeit zu Zeit höhere Preise fordern. Einzig die verschuldeten Altkunden könnten ihm ein wenig Kopfzerbrechen bereiten, weil die Geschäfte mit ihnen rückläufig sind. Anspruchsvoller ist der Job der Beschaffungsabteilung. Sie hat die Last, genug Öl beizubringen, das sich immer schwieriger aus dem Boden pressen lässt.

Das Leben des Rohölverkäufers ist ein schönes. Bedroht ist es nur von ein paar agilen Altkunden, die nicht nur schuldenbedingt weniger konsumieren, sondern auch noch aktiv an der Senkung des Verbrauchs arbeiten. Ihr bisweilen kreativer Umgang mit Energie und ihr Infragestellen alter Gewohnheiten kann gefährlich werden, wenn es Schule macht. Deutschland als Teil der Industrieelite ist diesbezüglich ein unangenehmer Unruheherd. Noch ist es mit seinem Nachfrageanteil von knapp drei Prozent ein guter Ölkunde. Als globaler Lieferant von spritkonsumierenden Nobelautos ist es sogar höchst beliebt. Als „First Mover“ der Energiewende ist es hingegen ein Verkäuferschreck. Beruhigend ist immerhin, dass die Wende nicht so schnell vollzogen wird, wie die Politik das angekündigt hat. Insofern bleibt das Leben des Rohölverkäufers auf absehbare Zeit ein schönes. Es wird noch Jahre dauern, bis er sein Öl so zu Markte tragen muss, wie das nun seinem iranischen Kollegen droht.

Heute Morgen tendieren die Ölpreise aufwärts. Die Bewegung spielt sich weiterhin innerhalb des mittelfristigen Seitwärtstrends statt. Anders sieht es beim Dollar aus. Der fällt deutlich allerdings innerhalb eines Aufwärtstrends. Die Tonne Gasöl kostet 974,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 100,48 Dollar und in London zu 112,10 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,42 Eurocent.

Unsere Heizölpreise drehten gestern wieder aufwärts. Die Gasölnotierungen legten die Grundlage dazu. Das war ein Tagesereignis. Auf längere Sicht kam und kommt der Aufwärtsdrang vom Euro-Dollar-Verhältnis. Man darf hoffen, dass dieser Drang nicht von den Iran-Sanktionen verstärkt wird. Ausschließen sollte man es auf keinen Fall. Die Chance für sinkende Heizölpreise ist schwach, aber sie ist als Restwert vorhanden. Darauf zu spekulieren, ist mutig bis übermütig. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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