Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Ruhe nach dem Sturm

Nach der Kursparty vom Vortag wurde gestern der Rausch abgearbeitet. Das Handelsinteresse war gut. Die Kursveränderungen blieben aber gering. Benzin erwies sich wieder als preistreibende Kraft im Ölgeschäft. Heizöl wurde erneut teurer. Hier wirkten sich gesunkene Erdgasbestände aus, die noch einmal Leben in den zum Frühjahr uninteressanter werdenden Wärmemarkt brachten. Der Dollar verlangsamte seinen Aufwärtsdrang.

Heizöl ist out, Benzin ist in. Nach dieser Devise verändert sich momentan das Interesse an den Märkten. Das ist eine normale Erscheinung gegen Ende des Winters. In diesem Jahr kommt der Wechsel auf Grund der milden Temperaturen recht früh.

Als ein Grund für die am Vortag rasant gestiegenen Preise wird die lausige Auslastung der US-Raffinerien genannt. Die Zahl ist deshalb so schlecht, weil viele Raffinerien still stehen. Das ist teilweise auf Ausfälle zurückzuführen. Insofern ist die Sorge um eine ausreichende Versorgung, die sich in steigenden Preisen Luft macht, verständlich. Allerdings gibt es nicht nur ungeplante Abschaltungen. Viele Raffinerien werden jetzt auf das Sommergeschäft mit Benzin umgestellt. In diesen Fällen handelt es sich um saisonal bedingte Abschaltungen. Sie sollten keinen Anlass für steigende Preise geben.

Der Blick auf die Charts zu Bevorratungslage in den USA zeigt, dass es derzeit keinen Grund für panikartige Preisentwicklungen gibt. Die Heizölbevorratung liegt deutliche 12% über der des Vorjahres. Wenn es keine exorbitanten Wetterkapriolen gibt, kann Heizöl nicht mehr zum Problem werden.

Die Benzinbevorratung ist in der Tat geringer als vor 12 Monaten. (Das ist unserer Grafik nicht direkt zu entnehmen.) Die Fehlmenge beträgt 2,5%. Da die Raffinerien aber rund einen Monat früher als im Vorjahr mit einer verstärkten Benzinproduktion beginnen werden, sollte auch Benzin problemlos durch den Sommer laufen. Der einzige Punkt, den es lohnt skeptisch zu verfolgen, die das Qualitätsthema. Gelingt es den USA genügend Kapazitäten für die Produktion von schwefelreduziertem Benzin, das von neuen Umweltschutzvorschriften gefordert wird, aufzubauen oder in der Welt zu finden?

Die Rohölbevorratung ist gering. Sie ist aber auf dem gleichen Niveau wie ein Jahr zuvor. Im Jahresverlauf pendelte sie zwischen +7% und ?4%. Das in einer langfristigen Betrachtung niedrige Niveau wird immer wieder für die hohen Ölpreise verantwortlich gemacht. Angesichts strafferer Logistik mit gewollt niedrigeren Lagerbeständen ist das nach unserer Ansicht ein schwaches Argument für hohe Preise. Es ist insbesondere vor dem Hintergrund eines ausreichenden Ölangebots am Weltmarkt unlogisch.

Logik ist in einem börsenbestimmten Umfeld nicht unbedingt der Maßstab, mit dem Preisbildung beurteilt werden kann. Da die fundamentalen Gründe für die hohen Preise am Weltmarkt wenig stichhaltig sind, bleibt seit geraumer Zeit nur, die kauflustigen Fonds als die wahren Verursacher zu benennen. Öl ist derzeit teuer, weil es viele Käufer für die papiernen Zukunftswerte (Futures) auf die Produkte gibt, die meinen, dass es in Zukunft noch teurer sein wird. Entsteht nun eine Blase oder haben diese Käufer Recht mit ihrer Annahme, dass es bald einen Mangel geben muss?

Der Dollar bewegt sich weiter gegen europäische Verbraucher. In Prognosen wird eine mittelfristige Wende hin zu einem steigenden Trend noch nicht favorisiert.

Gasöl folgt heute Morgen dem Preis von gestern. Mit 274,50$ kostet die Tonne schon wieder recht viel.

Unsere Heizölpreise legten gestern noch einmal kräftig zu. Jetzt sollte die heftige Bewegung zur Ruhe kommen. Wir erwarten bis zur nächsten Woche wenig Veränderung. Die Preise sind weniger attraktiv als vor drei Wochen. Im Jahresvergleich sind sie aber immer noch gut. Vor 12 Monaten waren 3000 Liter Heizöl durchschnittlich 29% teurer.

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