Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Runter weiter runter

Im Westen nichts Neues. Die USA sind Trendsetter der abschmierenden Wirtschaft und der sinkenden Ölpreise. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Auch gestern wurde Öl billiger. Während die Abwärtsdynamik an den Aktienmärkten aktuell wieder zunimmt, geht diese am Ölmarkt aber zurück. Der Abwärtstrend verläuft in ungewöhnlich ruhiger Bahn. Der Rohölpreis nähert sich der 50-Dollar-Marke. Nach einem Verfall von annähernd 66 Prozent sollte man damit rechnen, dass der Abwärtstrend langsam in eine Seitwärtsbewegung übergeht. Diese Richtung hat der Dollar in den letzten Tagen bereits eingeschlagen. Sein übergeordneter Trend ist allerdings noch aufwärts gerichtet. Dass die Dynamik im Währungsmarkt höher ist als im Ölmarkt, ist ein Hinweis auf die schwächere Kopplung zwischen Öl und Dollar und den stärkeren Bezug zwischen Dollar und Aktien.

Ebenfalls nichts Neues brachten die gestern veröffentlichten Daten über die US-Ölvorräte. Zudem ist das Vertrauen in die Zahlen dürftig, weil die beiden berichtenden Organisationen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) stark differierende Zahlen vorlegten. In solchen Fällen werden die DOE-Werte als Referenz angesehen.

Rohöl: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +8,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,6 (DOE) bzw. 8,8 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind so gering wie selten. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt unverändert bei schwachen 85 Prozent. Beide Umstände setzen so gut wie keine bullischen Impulse frei, weil über allem ein Nachfragerückgang steht, über dessen Umfang ausschweifend spekuliert werden kann.

Im langjährigen Vergleich sind die aktuellen Vorräte allemal befriedigend. Lediglich die Heizölvorräte könnten im Falle eines starken Kälteeinbruchs für etwas bullischen Einfluss sorgen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge würde der allerdings nur einen weiteren Abgang der Preise verhindern können. Die Phantasie für eine Trendumkehr kann er kaum liefern.

Während die Industrieländer aktuell als zweifelhafte Gewinner des Preisverfalls dastehen, ist die OPEC auf der Verliererstraße. Daher wartet man gespannt auf ein Gegensteuern des Kartells. Ein brauchbares Konzept, wie ein solches Gegensteuern aussehen soll, haben die Ölminister noch nicht entwickelt. Nahe liegend wäre es, den Ölhahn solange zuzudrehen, bis sich der Preis endlich wieder aufwärts bewegt. Aber die Maßnahme ist zu simpel. Sie könnte als Dolchstoß gegen die rezessive Wirtschaft interpretiert werden und die ultimative Implosion der Preise bewirken. Eigentlich kann die OPEC gar nichts unternehmen. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Ölgemeinschaft ihren Einfluss nur dann geltend machen kann, wenn auf der Nachfrageseite die Vorstellung von Mangel möglich ist. Das ist zur Zeit nicht der Fall.

Dass die Welt nun tendenziell weniger statt mehr Öl braucht, ist nicht nur eine Folge des Wirtschaftseinbruchs. Es ist auch auf die Steigerung von Effizienz und den Einsatz alternativer Energieträger zurückzuführen. Diesen Umstand kann man proaktiv verstehen. Insbesondere die Politik sollte ihn für ein Antikrisenprogramm nutzen, das einen solchen Namen verdient. In den 1930er Jahren unterstütze die US-Regierung die Sektoren, die die Hilfe am dringendsten brauchte, die Haus- und die Landwirtschaft sowie die Kriegsindustrie. Der Ansatz war erfolgreich im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Heute wird die Hilfe am dringendsten bei der energetischen Erneuerung der Gesellschaft und in der Bildung gebraucht. Erstes betrifft abermals die Hauswirtschaft und die Fahrzeugindustrie. Das heißt aber nicht, dass alten Autokonzepten neues Geld hinterher geworfen werden soll. Bevor Geld fließt, das der Steuerzahler beibringt, müssen die neuen Konzepte vorgestellt und für zukunftsfähig befunden werden. Langfristig wäre derart eingesetztes Geld sinnvoll, weil es die Energiepreise niedrig hielte und Produkte verkaufbar machte.

Niedrig ist das Stichwort für die Ölpreise heute Morgen. Sie fallen weiter. Die Tonne Gasöl kostet 537,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 52,50 Dollar.

Unsere Heizölpreise kennen seit gut einer Woche nur eine Richtung. Abwärts. Sie folgen strikt dem Weltmarkttrend und geben zudem einen Teil der rechnerischen Überteuerung des Binnenmarktes ab. Die Heizölpreise sind eindeutig attraktiv. Dennoch raten wir nicht unbedingt zum Kauf. Es gibt weiteres Rückgangspotenzial. Die Lieferzeiten sind in vielen Regionen nach wie vor lang, weil die Auftragslage deutlich über Normal ist. Auch wenn Heizöl derzeit als günstig empfunden wird, sollte man sich des Themas Energiesparen annehmen. Es ist die Grundlage dafür, dass die nächste Preissteigerungswelle in Grenzen gehalten wird. Schauen Sie sich dazu mal unser Logbuch für den Heizölverbrauch an.

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