Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Russischer Lieferstopp bedeutungslos

Die Börse reagierte gestern sehr nervös auf die Lieferunterbrechung aus Russland. Im Laufe des Handelstags verlor das Thema an Bedeutung, so dass sich am Ende der Abwärtstrend der Preise wieder Bahn brechen konnte. Die Preisspanne für Rohöl betrug beachtliche 2,50 Dollar. Das entspricht 4,5 Prozent. Der Dollar konnte den rasanten Anstieg der Vortage nicht fortsetzten. Er kam leicht zurück.

Seit 14 Tagen befindet sich der Gasölpreis im Abwärtstrend. Gefallen ist der Preis bereits seit Anfang Dezember. Zunächst sah es nach einem sinkenden Wellenteil innerhalb des Seitwärtstrends aus. Doch nachdem die untere Begrenzungslinie durchbrochen war, erwies sich die Bewegung als bedeutungsschwerer. Mit Verzögerung dafür aber um so heftiger folgte der Rohölpreis. Er verlor in den wenigen Januartagen bereits 10 Prozent an Wert. Als ursächlich für den neuen Trend gilt das Wetter. Der nicht stattfindende Winter verhindert den Ölverbrauch im Hausbrand. Die Tanklager der üblicherweise von der kalten Jahreszeit betroffenen Länder sind gut gefüllt. Ware fließt nur ungenügend ab. Zudem ist die Rohölversorgung trotz OPEC-Bemühungen um Lieferreduzierung höher als von der Nachfrageseite benötigt. Insgesamt ergibt sich das Gefühl, reichlich Öl zur Verfügung zu haben. Von Mangel kann aktuell keine Rede sein. Das sind beste Voraussetzungen, um den Risikoaufschlag im Ölpreis vollends zu vernichten, ja ihn eventuell sogar in einen Wohlfühlabschlag zu wandeln. Wie hoch dieser Aufschlag ist, weiß niemand. Als Rohöl um 80 Dollar kostete, waren rund 20 Dollar im Gespräch. Die sind längst abgebaut. Der Abwärtstrend geht dennoch in seine zweite Runde.

Er ist so dominant, dass das russisch-weißrussische Spiel um Macht und Energie als unbedeutend abgetan wird. An der New Yorker Börse, die traditionell eher amerikanische Themen bepreist, wurden auch gestern nur frühlingshafte Wetterbedingungen gehandelt. Das Wetter müsste schon abnorme Kapriolen schlagen, wenn die Versorgungsseite innerhalb der kommenden drei Monate nur den Hauch von Knappheit spüren sollte. Raffinerien können sich bereits jetzt um die Produktion von Benzin kümmern und damit einen soliden Puffer für das Sommerhalbjahr aufbauen.

Dass das russische Thema hierzulande mehr Bedeutung erhält als am Weltmarkt ist naheliegend. Unsere Ölversorgung hängt zu 20 Prozent an der betroffenen Pipeline. Grund zur Panik gibt es aber keineswegs. Deutschland verfügt über einen Ölbestand, der 90 Tage Sicherheit bietet. Dieser kann verwendet werden, um Engpässe auszugleichen. Dass es ernsthaft zu Engpässen kommt, ist unwahrscheinlich, da Russland auf die Öleinnahmen angewiesen ist. Dass uns andererseits die Fragilität des Versorgungssystems vor Augen geführt wird, ist gerade in einem Moment, an dem sich die Börse im Rausch des Überflusses wähnt, hilfreich. Öl- und Gas kommen in hohen Mengen aus politisch vielfältig unsicheren Regionen.

Die Unsicherheit besteht fort. In der wichtigsten Region für die weltweite Energieversorgung, dem Nahen Osten, steigt sie sogar auf Grund fundamentalreligiöser Entwicklungen in den Gesellschaften. Dort kann es jederzeit zu einschneidenden Umbrüchen kommen. Diese werden bei der Preisbildung derzeit komplett ausgeblendet. Wahrgenommen werden andere, für Verbraucher positive Entwicklungen. So laufen z.Z. weltweit etwa 650 Projekte zum Aufbau von Raffineriekapazität. Diese gilt nach wie vor als die knappste aller Ressourcen in der Versorgungskette. Wenn nur die Hälfte der Projekte zum Erfolg gelangt, wovon die renommierte Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie ausgeht, nimmt die Weltraffineriekapazität bis 2015 um annähernd 20 Prozent zu. Das sollte selbst bei hohen Wachstumszahlen eine angemessene Versorgung ermöglichen. Bei schwächerem Wachstum können sogar Überkapazitäten entstehen.

Und noch eine Zahl trägt zur bärischen Stimmung bei. Die Öl- und Gasindustrie investiert dank hoher Einnahmen wieder kräftig in Exploration. Das führte im vergangenen Jahr zu einer Erhöhung der verfügbaren Ölreserven um 2 Prozent. Die Gasreserven wuchsen um 1 Prozent. Die Reichweite der Vorräte erhöht sich bei heutigem Verbrauch auf 50 Jahre für Öl und 60 Jahre für Gas. Die Verfügbarkeit ist höher als vor 30 Jahren. Die Angebotsaussichten sich also gut. Es stellt sich nur sie Frage, welches Klima das Verfeuern der genannten Reserven ertragen soll?

Heute Morgen bleibt die Preisbildung im Zeichen guter Versorgung. Die Tonne Gasöl kostet 488,50 $.

Unsere Heizölpreise zogen gestern etwas an. Die Chancen, dass sie dem Abwärtstrend weiter folgen, stehen aber gut. Wie in den USA sind die Heizöllager auch in Europa prall gefüllt. Die russische Lieferunterbrechung beim Rohöl kann daher gelassen aufgenommen werden. Solange die Temperaturen hoch bleiben, bleiben auch Verkaufs- und Preisdruck hoch. Gute Käuferbedingungen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen