Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Russischstunde

Der Abwärtstrend der Ölpreise ist gefährdet. Was die größte Lieferkürzung der Geschichte durch die OPEC nicht schaffte, schafft der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Das Gefühl von Knappheit wird wiederentdeckt. Auswirkungen auf die kurzfristige Mengesituation am Rohölmarkt gibt es nicht. Diese wird immer noch durch den konjunkturell bedingten Nachfragerückgang dominiert. Aber an den Börsen löst sich die reine Ausverkaufsstimmung auf. Bullen spüren Hoffnung. Allen negativen Konjunkturaussichten zum Trotz kommt Kauflaune auf. Parallelen finden sich an den Aktienmärkten. Dem starken Ölpreisanstieg der letzten Tage folgt ein heftiger Dollaraufschwung. Er sei auf frisches Kapital für die Investmentbranche zurückzuführen. Das dürfte es auch sein, das den Ölpreis derzeit aus dem Tal holt.

Das Engagement an der New Yorker Ölbörse deutet bereits seit drei Wochen einen Stimmungswandel an. Der zeigte sich aber lange nicht in den Notierungen. Die Interpretation eines fehlerhaften Signals drängte sich auf. Sollte nun tatsächlich mehr Risikokapital zur Verfügung stehen, bekommt das Signal eine andere Dimension. Es könnte die Realität in der Tat widerspiegeln. Mehr als die fehlende Nachfrage war in den letzten Monaten die massive Kreditklemme ursächlich für den abstürzenden Ölpreis. Weil das Geld für Ölspekulationen fehlte, waren die Kürzungsansagen der OPEC so erfolglos. Hätten sie Geld auf den Markt geworfen, hätten sie ihr Ziel wahrscheinlich bei deutlich geringeren Kürzungen erreicht. Aber das Geld stand nicht zur Verfügung.

Weder die Russen, noch die Saudis noch irgendein anderer Ölproduzent verfügt über die finanziellen Möglichkeiten, den Ölpreis zu drehen. Im Gegenteil, Saudi Arabien droht ein Haushaltsdefizit. Gleiches gilt für den Iran. Das Ausmaß wird mit geschätzten 50 Mrd. US-Dollar noch weit gravierender sein. Und auch Russland befindet sich in einem gewaltigen finanziellen Aderlass. Die vor Kurzem noch 600 Mrd. US-Dollar umfassende Devisenreserve wurde flugs um ein Viertel zur Rubelstützung geschröpft. Die Industrieproduktion des Landes fiel im November um elf Prozent. Die Kassenlage des Staates wird sich von der Saudi Arabiens kaum unterscheiden. In Südamerika steht der Elan zum Geldausgeben zur Disposition. Hugo Chavez wird sein Versprechen, jährlich 30 Mrd. US-Dollar an ihm genehme Regierungen der Region zu verteilen, nicht einhalten können, wenn sich der Ölpreis nicht rasant aufschwingt.

Das Spielgeld zur Spekulation auf Öl, Aktien und Devisen, das eine Preiswende bringen könnte, stammt, welche Ironie der Geschichte, vermutlich vom Klassenfeind. Es dürfte dem amerikanischen Stabilisierungspaket für die Banken entnommen sein. Der Spielgeldzusammenhang ist noch keine gesicherte Erkenntnis. Er ist hypothetisch.

Gesicherte Erkenntnis ist hingegen, dass der Gasstreit mit der Ukraine für Russland einen Glücksfall darstellt. An den Kürzungsaktivitäten der OPEC konnte und wollte sich das Land nicht ernsthaft beteiligen. Diese waren nicht zuletzt sinnlos, weil ihnen die politische Schärfe fehlte. Diese Schärfe hat die Gasfede. Sie kann programmatisch auf ein Sein oder Nichtsein für die Ukraine und auf Folgeschäden für Europa aufgerüstet werden. Aus solchem Stoff werden Ängste gemacht. Das Konstrukt ist die perfekte fundamentale Untermalung für einen spekulativen Auftriebsversuch zur Ölpreisbildung. Ob er angesichts des weiterhin drohenden Konjunkturabsturzes und der damit verbundenen rückläufigen Nachfrage Erfolg haben wird, muss sich zeigen.

Weniger geeignet für einen Ölpreisauftrieb ist der Gaza-Krieg. Da die arabischen Staaten höchste Zurückhaltung in der Forderung nach einer Solidaritätsdemonstration durch einen Ölboykott an den Tag legen, ist aus dem Krieg kein nennenswerter Einfluss auf die Ölpreise abzuleiten. Angesichts der vielfältigen, sich widerstrebenden Interessen in der Region, ist eine solche einmütige Forderung auch nicht zu erwarten.

Nachdem der Ölpreis gestern ein weiteres Hoch markiert hat, kommt er heute Morgen etwas zurück. Die Tonne Gasöl kostet 484 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 47,94 Dollar. Analysten rechnen damit, dass über Wohl oder Wehe der Ölpreisbewegung erst nach Überschreiten der 50 Dollarmarke entschieden wird. Anders sieht es im Devisenhandel aus. Der Dollar setzt seinen Aufstieg fort.

Unsere Heizölpreise wurden vom Weltmarkt deutlich aufgetrieben. Die Tendenz dürfte sich in den nächsten Tagen fortsetzen. Dass sich danach wieder der Konjunkturpessimismus in den Preisen spiegeln wird, ist eine Hoffnung aber keine Gewissheit. Gewissheit ist, dass die Heizölpreise rechnerisch weiterhin über den Weltmarktpreisen liegen. Die lang anhaltende bullische Situation im deutschen Markt ist durch eine außerordentlich hohe Nachfrage verursacht. Diese geht sowohl auf private als auch auf gewerbliche Käufer zurück. Letztere kommen nach langer Abstinenz wieder auf Heizöl als Brennstoff, weil er mittlerweile erheblich günstiger ist als Gas. Gewerbekunden können oft beide Brennstoffe verwenden. Wenn die Gewerblichen in den Heizölmarkt kommen, wird es für alle anderen eng, da die nachgefragten Mengen spürbar ansteigen. Dieser Nachfrageanstieg ist die Basis für den Margen- und Preisanstieg im Binnenmarkt. Im Gegensatz zu privaten Verbrauchern brauchen gewerbliche laufend Heizölnachschub, solange es kalt ist. Damit wird die Möglichkeit für ein Abschmelzen der Margen weiterhin vertagt. Was sich auch immer in der nächsten Zeit preislich herausschälen wird, ändert nichts an dem Rat, zur Vermeidung langfristig davon galoppierender Kosten auf die Senkung des Bedarfs zu setzen. Hilfe dazu bietet unser Logbuch für den Heizölverbrauch .

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