Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Saudi Arabien macht Druck

Analysten haben festgestellt, dass die OPEC die Förderung um 1,1 Prozent erhöht hat. Die Maßnahme sei Folge saudischen Drucks innerhalb der OPEC. Saudi Arabien konnte die Mitgliedsstaaten allem Anschein nach überzeugen, dass der aktuelle Ölpreise eine Gefahr für die Weltwirtschaft und damit auch eine Gefahr für die Förderstaaten darstelle. Die Nachricht von der Produktionsanhebung sorgte gestern für sinkende Preise. Der Aufwärtstrend wird bisher aber in keiner Weise gefährdet. Das 100-Dollar-Ziel für das Barrel Rohöl bleibt dem Markt erhalten. Der Dollar zeigt eine leichte Gegenreaktion auf die massiven Verluste der letzten Wochen. Über die zukünftige Entwicklung gibt es nach wie vor zwei Leitmeinungen. Eine sieht den Dollar längerfristig bei 0,50 Eurocent. Begründet wird das mit Rezessionsgefahren für die US-Wirtschaft. Eine andere Meinung sieht das Ende des Dollarrückgangs gekommen, weil die Konjunkturentwicklungen der Eurozone und Japans ihre Zenite überschritten haben.

Möglicherweise konnte Saudi Arabien die OPEC-Mitglieder vom Sinn einer Ausstoßerhöhung mit einem Beispiel aus dem Geschichtsbuch der Ölpreisentwicklung überzeugen. Dieses dürfte die Preisentwicklung der 1980er Jahre und die Folge für die Förderländer zitiert haben. Am Beginn der extrem schlechten Zeit, die die Ölstaaten in den Ruin zu treiben drohte, standen Rekordpreise für Öl. 1980 betrug der inflationsbereinigte Jahresdurchschnittpreis für Texas-Rohöl über 92 Dollar. Dieser Preise stürzte die Weltwirtschaft in eine Krise. Als Folge wurde weniger Öl nachgefragt und der Preis sank um über 75 Prozent. Den Staatshaushalten der Ölländer fehlten die Einnahmen. Die Sorge vor einer Wiederholung der Geschichte führte nun sogar beim iranischen Ölminister Nosari zu einem Meinungswechsel. Er galt bis Ende letzter Woche als einer der härtesten Gegner einer Ausstoßerhöhung.

Der größte Teil der aktuellen Mengenerhöhung stammt aus dem Irak. Das Land steigerte die Produktion um 20 Prozent. Diese Tatsache relativiert die Idee von einer allgemeinen Erhöhungstendenz innerhalb der OPEC. Der Irak läuft trotz der jüngsten Steigerung deutlich hinter seinen Produktionsmöglichkeiten hinterher. Das ist immer noch Folge des Krieges. Das Land hat durch Auflösung der Kriegswirren erhebliches Potenzial für Produktionsaufbau.

Nach der Mehrheitsmeinung der Volkswirte stellt ein Ölpreis von 100 Dollar keine vergleichbar große Gefahr dar wie vor 25 Jahren. Die Industriestaaten sind erheblich weniger abhängig vom Ölpreis als damals. Gleichwohl ist der Preis der größte Anreiz für eine Neuordnung des Energieverbrauchs und der Energieerzeugung. Effizienzsteigerung und regenerative Energiequellen finden politische Unterstützung. Ob die Unterstützung zu Taten führt, muss indes noch bewiesen werden. Skeptiker sehen den hohen Ölpreis als Argument in immer teurere Förderprojekte zu investieren. Man kann diese Skepsis mit dem Hinweis widerlegen, dass die privaten Ölgesellschaften der meisten Industrieländer mittlerweile kaum noch Objekte finden, in die sie investieren können, weil fast alle interessanten Ölfelder im Besitz von Staatsgesellschaften sind. Daher gibt es selbst bei diesen Gesellschaften einen logischen Drang in „grüne“ Projekte. Negative Ausnahme sind die Ölsandvorkommen Kanadas, die großes Geld anziehen, das eine noch größere Umweltzerstörung zur Folge hat.

Trotz der gestiegenen Wahrscheinlichkeit für einen bald spürbaren Erfolg der Bemühungen um Effizienz und regenerative Energiequellen wird der Bedarf an fossilen Energieträgern in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Ursache ist die zu erwartende Wirtschaftsentwicklung in China und Indien. Die Menschen in diesen Ländern sind trotz der bisherigen Erfolge immer noch Kleinstverbraucher. Das wird sich ändern. Die Bevölkerungszahl beider Länder ist mehr als doppelt so groß wie die Bevölkerung Europas einschließlich Russlands, Nordamerikas und Japans zusammen. Daher wird immer mehr Energie gebraucht. Diese muss, da sie knapper wird, langfristig immer teurer werden.

Aktuell herrscht keine Knappheit. Insofern ist der Preis derzeit zu hoch. Ein Rückgang der überzogenen Preise wäre nach wie vor logisch. Heute Morgen folgt der Gasölpreis wie so oft in den letzten Monaten dieser Logik nicht. Die Tonne Gasöl kostet 850,50 $.

Unsere Heizölpreise geben als Folge des leichten Rückgangs am Weltmarkt etwas nach. Es ist höchst zweifelhaft, dass es sich hierbei um den erwarteten Einstieg in den Abstieg der Preise handelt. Der Aufwärtstrend gilt nach wie vor als intakt. Das Kaufinteresse an Heizöl nimmt trotz der hohen Preise notgedrungen zu, weil viele Tanks leer sind. Das ist positiv, weil es die Chance auf einen späteren Preisrückgang erhöht. Würde der Bedarf im großen Stil immer weiter in die Zukunft verschoben werden, stellte das einen Hinderungsgrund für fallende Preise dar, weil der Markt mit dem dann noch vorhandenen Bedarf Preise bilden würde.

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