Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Saudi Arabien will billigeres Öl

Die Preise geben erheblich nach. Nachdem sie fast zwei Wochen lang aufwärts tendierten, wuchs die Befürchtung, dass sie sich dem langfristigen Aufwärtstrend erneut nähern. Mit dem gestrigen Richtungswechsel bleibt die Wahrscheinlichkeit für ein tieferes Preisniveau als in 2006 hoch. Als Auslöser des Preisrückgangs gilt ein Plädoyer des Saudi Arabischen Ölministers Ali al-Naimi für billigeres Öl. Der Dollar näherte sich gestern seinem mittelfristigen Aufwärtstrend an, dieses Mal von oben. Händler warten auf ein Signal für eine Zinssenkung. Das blieb bisher aus.

Der Markt ist gut versorgt. Das Wetter ist winterlich. Es soll den Prognosen zu folge bald wieder wärmer werden. Somit gibt es keinen Grund für Preissteigerungen. Das ist die Logik. An der Börse ist sie nicht viel wert. Die Marktpsychologie schien wider die Logik zu Preissteigerungen willens zu sein. Daher kommt das Statement al-Naimis gerade recht. Es ist nicht neu. Für moderate Ölpreise spricht er sich seit einigen Wochen aus. Nun wurde er aber deutlich. 50 Dollar für das Fass seien fair. Die sollte man langfristig zu halten versuchen. Weiterhin sprach er sich gegen eine Sondersitzung der OPEC und gegen Lieferkürzungen aus. 50 Dollar scheinen in der Tat für Produzenten und für Verbraucher eine wirtschaftlich vertretbare Größe zu sein.

Nicht alle OPEC-Kollegen sind damit einverstanden. Dem Vernehmen nach warten sie darauf, dass die angekündigten Kürzungen ab dem 1. Februar greifen. So kann man denken, wenn man den schnellen Verdienst anstrebt. Al-Naimi muss allein aus Stabilitätsgründen für sein Land ein langfristiges Geschäft betreiben. Er will und muss erhebliche Summen ins Ölgeschäft investieren. Das macht nur Sinn, wenn die Verbraucherseite nicht verschreckt wird. Mit dem euphorischen Trend, weg von Öl, Gas und Kohle, der in Industrieländern Konjunktur hat, kann er nicht planen. Es ist ihm bewusst, dass die Lieferanten nur mit fairen Preisen auf Dauer gut leben können. Preisexzesse wie in 2006 sind kontraproduktiv.

Die aktuelle Versorgungslage ist so gut, dass Zuflüsse in strategische Lager fast unbemerkt vorgenommen werden können. Zwar reagierte die Börse auf die jüngste Ankündigung George Bushs, die US-Reserven zu verdoppeln. Rational war der Preisanstieg aber nicht. Eine Belastung der Versorgungslage findet durch die Maßnahme so gut wie nicht statt. Nun wir aus China bekannt, dass dort ebenfalls erhebliche Reserven aufgebaut werden. Seit dem Spätsommer wird Öl in ein 100 Mio. Barrel Reservoir gepumpt. Wie hoch der Bestand mittlerweile ist, ist unbekannt. Die strategischen Reserven seien aber erheblich geringer als in den alten Industrieländern. Vor einem Jahr sorgte die Ankündigung Chinas, Reserven aufbauen zu wollen, noch für so erheblichen Preisauftrieb, dass man das Vorhaben zurückstellte.

Ein Dauerbrenner, der zuletzt wenig Einfluss auf die Preisbildung hatte, ist der Atomstreit mit dem Iran. In das Thema kommt seit einigen Tagen Bewegung. Eine neue diplomatische Initiative zur Verhütung einer Eskalation deutet sich an. Den Ölmarkt tangiert der Vorgang weiterhin kaum. Dort ist man der Meinung, dass die wirtschaftlichen Zwänge Teherans kein Spiel mit den Ölleitungen erlauben.

Die Nachfrage soll in diesem Jahr steigen. Das Wachstum wird aber weniger stark ausfallen als vor einem Jahr befürchtet. Exemplarisch sind die Zahlen der USA. Sowohl der Primärenergiebedarf als auch der Ölbedarf werden nach aktueller Prognose um 1,1 Prozent zunehmen. Für einen sparsameren Umgang mit Energie ist das zuviel. Schwierigkeiten mit der Belieferung sind aber nicht vorprogrammiert.

Fazit: Der Ölmarkt ist aktuell sehr entspannt. Es gibt keine offenen oder versteckten Preistreiber unter den Handelspartnern. Ungewisse Gefahren wie Wetterkatastrophen und politische Verwerfungen sind latent vorhanden. Die größten Preisänderungen werden derzeit von potenten Spekulanten verursacht.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem gestern erreichten tieferen Niveau. Die Tonne kostet 481 $. Mit weiterem Preisrückgang ist zu rechnen.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der jüngste Preisanstieg eine Gegenreaktion auf den vorausgegangenen Rückgang war. In dem Fall hätte er konsolidierende Wirkung für ein tieferes Preisniveau als im Vorjahr. Weitere gute Kaufbedingungen sollten folgen. Aber auch jetzt sind sie deutlich besser als in 2006.

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