Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Schaut auf den Verbrauch

Die USA träumen vom Aufschwung. Eine Reihe nicht ganz schlechter Wirtschaftsdaten hebt die angeschlagene Stimmung. Das ist die Theorie. In der Praxis gab der Dow Jones Aktienindex gestern kräftig nach. Grund: Dem schönen Traum folgte der Albtraum vom Übergreifen der Euro-Krise auf die USA. Er hinterließ Bremsspuren bei den Ölnotierungen. An ihrem Aufwärtstrend ändert das Tagesgeschehen nichts. Insbesondere Rohöl der Sorte WTI (Texas-Öl) zeigt sich robust bullisch. Seine Preisentwicklung ist allerdings ein Sonderfall. Aufgrund geplanter technischer Änderungen wird es in absehbarer Zeit möglich, WTI zu exportieren. Damit erhält diese Rohölsorte Anschluss an das Weltölsystem. Ihr Preis wird mit allen anderen Rohölen mitschwingen. Der ungewöhnliche Preisunterschied zur Sorte Brent wird verschwinden.

Bisher gab es keinen Grund, Rohöl und Ölprodukte aus den USA zu exportieren. Das Land vertilgte alles Öl, dessen es sich bemächtigen konnte. Der Konsum wuchs scheinbar unaufhaltsam. Nennenswerte Dellen in der Nachfragesteigerung gab es lediglich in der schweren Rezession Anfang der 1980er Jahre und 2008. Nun ist allerdings absehbar, dass das Nachfragewachstum zu Ende geht. Das ist sowohl der wirtschaftlichen Entwicklung als auch dem politischen Willen – soweit man in dem Land einen solchen erkennen kann - geschuldet. Weitsichtige Politik macht sich in Anerkennung der begrenzten Ressourcen auf der Erde die Reduzierung der Ölabhängigkeit zur Aufgabe. Dieser Grundsatz gilt für alle wichtigen Volkswirtschaften, sogar für die, die derzeit die höchste Ölnachfragesteigerung an den Tag legen. Beispiele sind China und Indien.

Die USA sind zum Netto-Ölexporteur geworden. Diese Tatsache spiegelt sich seit ungefähr einem Jahr in den Bestandsdaten wider. Sie sinken trotz des rückläufigen Verbrauchstrends. Für die abgelaufene Woche melden DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) abermals Rückgänge. Diese sind in erster Linie den hohen Diesel- und Heizölexporten geschuldet. Rohöl kann im Augenblick noch nicht direkt abfließen. Es muss in Raffinerien verarbeitet und als Endprodukt verschifft werden. Indem die US-Raffinerieauslastung steigt, steigt derzeit auch der Export. In China findet jede Form von Öl einen dankbaren Abnehmer so wie einst in den USA. Der Markt für Ölexporteure ist auf lange Sicht einer der sichersten und lukrativsten. Das zeigte sich nicht zuletzt in der 2008er Krise. Sie riss die Börsennotierungen für Öl zwar kurzzeitig in die Tiefe. Am physischen Marktgeschehen änderte sie indes wenig. Nicht zuletzt deshalb zogen die Preise bald wieder rasant an. Die Zahlen zur wöchentlichen Veränderung in den US-Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,2 (DOE) bzw. 4,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 85 Prozent gestiegen.

Hierzulande ist die Tatsache, dass sich die Landkarte der großen Energie- und Ölverbraucher gravierend verändert hat, noch nicht in das Bewusstsein der Verbraucher vorgedrungen. Mit der Prognose einer konjunkturellen Schwäche ist häufig die Erwartung eines nachgebenden Ölpreises verbunden. Dieser ergibt sich aus sinkender Nachfrage. In den wichtigen Schwellenländern kennt man keinen Nachfragerückgang beim Öl. China und Brasilien steigern ihre Steigerungsraten des Ölverbrauchs immer noch. Ein Ende ist nicht in Sicht. China ist bereits heute der weltgrößte Energieverbraucher. Beim Öl liegt das Land „nur“ auf Platz zwei. Man kann das als Signal der Entspannung interpretieren. Naheliegender ist es, das Nachholpotenzial, das in der Zahl liegt, anzuerkennen. China ist das Land mit der weltweit größten Steigerungsrate für die Nutzung erneuerbarer Energien. Auch diese Notiz kann als Entspannung verstanden werden. Der Energiebedarf des Landes ist allerdings auf lange Sicht so gigantisch, dass er unmöglich ohne die exzessive Nutzung fossiler Energieträger erbracht werden kann. China wächst wie Deutschland in den Jahren des Wirtschaftswunders. Zwischen 1950 und 1980 wurde der Ölkonsum hierzulande um das 34-fache gesteigert. Nimmt man die Jahre, in denen das Land aus dem Nichts auferstand, heraus, bleibt für den Zeitraum von 1960 bis 1980 immer noch eine Verfünffachung. Im Fall Chinas überfordert bereits die Verdopplung des Ölkonsums die Fähigkeit unserer Erde.

Heute Morgen handelt die Ölbörse tendenziell Knappheit. Die Preise steigen. Die Aktienbörse handelt hingegen Konjunkturrisiken. Die Notierungen sinken. Wären die Kurse ausschließlich die Frucht spekulativen Finanzgebarens, würden sie sich im Gleichtakt bewegen. Die Tonne Gasöl kostet 1.017,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,97 Dollar und in London 111,46 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,21 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen unentwegt weiter an. Ihr Aufwärtstrend steht stabil. Er bezieht seine Stärke im Wesentlichen aus der Euroschwäche. Anziehende Ölnotierungen unterstützen ihn. Eine Veränderung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Das, was sich viele Verbraucher wünschen, einen kräftig fallenden Heizölpreis, ist aus heutiger Sicht nur vorstellbar, wenn das Finanzsystem kollabiert. Das kann passieren. Wir bezweifeln allerdings, dass sich das jemand ernsthaft wünscht. Die Folgen werden gravierend negativ sein. Aus unserer Sicht ist es besser, das Heil in der Senkung des eigenen Verbrauchs zu suchen. Dabei kann die hier vorgeschlagene Einsparinvestition nur ein Teil der Lösungsfindung sein. Der andere Teil muss in der Aufwertung der thermischen Haushülle gesucht werden. Einfacher ausgedrückt, die Dämmung ist der Schlüssel zum Erfolg.

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