Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Schwarzmaler setzen sich durch

Die Ratio hat gegen die Euphorie der hohen Preise verloren. Ungeachtet einer guten Bevorratungslage geht der Aufwärtstrend weiter. Rohöl erreichte erstmals die Marke von 68$ pro Barrel. Heizöl bleibt international noch unter dem Spitzenwert von Anfang August zurück. Neue Rekordpreise werden nicht ausbleiben. In Deutschland ist Heizöl teuer wie nie. Der Dollar wurde auf Grund unerwartet schlechter US-Konjunkturdaten in den Abwärtstrend gedrückt.

Die Veröffentlichungen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die US-Ölbestände sollen die Preisentwicklung unterstützt haben. Die Vorräte wurde wie folgt beziffert:

Rohöl: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,0 (DOE) bzw. 2,6 (API) Mio. Barrel. Die aktuelle Bevorratung ist besser als in jedem einzelnen der letzten fünf Jahre zum vergleichbaren Zeitpunkt. Die Importe liegen auf dem Niveau des Vorjahres und der Vorwoche. Insofern ist jedweder bullischer Impuls, der von den Bestandsdaten ausgehen sollte, ein Irrtum. Einzig die Verfügbarkeit der US-Raffinerien rechtfertigt den Gedanken an höhere Preise. Sie ist mit 93% niedriger als in der Vorwoche und im Vorjahr. Der schlechte Wert sollte aber in den aktuellen Kursen mehr als eingepreist sein.

Das sahen die Börsianer gestern offenbar nicht so. Sie nutzten die Gelegenheit, um den Preiseskapaden erneut Schub zu geben. Unterstützung bekamen sie von Spekulationen über einen neuen Hurrikan im Golf von Mexiko und von einer Zahl aus China. Im Juli soll 15% mehr Rohöl importiert worden sein als im Vorjahr. Beide Umstände sind eher als weiche Fakten einzuordnen.

Die harten Fakten werden nach wie vor ignoriert. Zu nennen sind hier die außerordentlich gestiegenen Heizöl- und Rohölvorräte in den USA und die mittlerweile auf 2 Mio. Barrel pro Tag angestiegene Reservekapazität der OPEC. Die IEA (Internationale Energie Agentur) ist der Meinung, dass der Markt mit Rohöl überversorgt sei. Die Nachfragesteigerung in 2005 liegt deutlich unter der des Vorjahres. Im Gegensatz zu einer OPEC-Prognose sieht die IEA die Förderung in Nicht-OPEC-Ländern steigen.

Faktisch bleibt nur die Knappheit der Raffineriekapazitäten ein hartes Argument. In Zahlen drückt sich das wie folgt aus. 1980 betrugt das Verhältnis Raffineriekapazität zu Verbrauch 109%. 2000 betrugt das Verhältnis 107%. Aktuell beträgt es 103%. Die Raffinerien müssten im Durchschnitt eine Verfügbarkeit von 97% aufweisen, um dem Verbrauch zu genügen. Das ist eine unrealistisch hohe Anforderung. Da sich das Problem nicht kurzfristig beheben lässt, wird die Hochpreisphase andauern. Wo ein ?vernünftiges? Gleichgewicht zwischen hohem Preis und knappen Produkten liegt, ist vollkommen offen. Das aktuelle Niveau muss bereits als spekulative Übertreibung angesehen werden.

Dass in dieser Situation auch die Rohöle WTI (West Texas Intermediate) und Brent (Nordsee) immer teurer werden, hängt mit ihrer Qualität zusammen. Raffineure suchen leicht zu verarbeitende Sorten. Die genannten Öle sind solche Sorten. OPEC-Öle sind im allgemeinen erheblich schwerer zu raffinieren. Sie kosten 7 bis 8$ weniger als Brent und WTI. Die insgesamt gute Rohölversorgung wird von den weniger üppig verfügbaren hochwertigen Rohölen geschwächt. Stünden mehr Raffinerien für die schweren Öle zur Verfügung, hätte das gesamte Rohölaufkommen mehr Gewicht. Im Nahen Osten baut man nun entsprechende Raffinerien.

Trotz der Einschätzung der spekulativen Übertreibung werden die Preise aus charttechnischer Sicht noch höher steigen. Mit einer Entspannung ist erst zu rechnen, wenn Spekulanten erkennen, dass die Winterversorgung ohne Probleme gewährleistet ist. Dass das so sein wird, ist sehr wahrscheinlich.

Heute Morgen steigt der Gasölpreis erstmals deutlich über die Marke von 600$. Die Tonne kostet 605$.

Unsere Heizölpreise steigen weiter von Rekord zu Rekord. Die Hoffnung auf etwas Entspannung am kurzfristigen Zeithorizont hat sich zerschlagen. Langfristig bleibt der Preisanstieg auf der erwarteten Linie. Trotz der hohen Preise können wir daher nicht vom Kauf abraten. Die Spekulation auf tiefere Preise setzt nach unserer Ansicht voraus, dass der Heizölvorrat bis in den Winter hinein reicht. Der einzige Weg gegen hohe Heizkosten geht derzeit über eine moderne Heizung. Ein Drittel aller Ölheizungen sind zu alt. Sie verbrauchen 30% zuviel Öl.

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