Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Schwarzmaler und Weißmaler

Der Internationale Währungsfond (IWF) sieht die Weltwirtschaft abkühlen und sorgt sich um die Konsequenzen aus dem Atomstreit mit dem Iran. Das Embargo iranischen Öls könne die Ölpreise um 20 bis 30 Prozent in die Höhe treiben. Barack Obama sieht die USA aus der Krise auferstehen. Das Land müsse nicht mehr um seine Energieversorgung fürchten. Die Erschließung neuer Quellen ist freigegeben. Die Wirtschaft sei auf einem guten Kurs. Die Maßnahmen seiner Regierung zeigten Wirkung. Ben Bernanke, Chef der US-Notbank, sieht die Wirtschaft seines Landes langfristig in schwieriger Lage. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit mache ungenügende Fortschritte. Der Wohnungsmarkt sei enttäuschend. Deshalb friert er den Leitzins bis 2014 auf dem gegenwärtigen Niedrigstniveau ein. Europa droht nach Meinung des IWF eine Rezession. Davon bleibe auch Deutschland nicht verschont. Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt im Januar erneut gegen die Erwartungen. Die Auftragsbücher deutscher Unternehmen sind voll. Die Konsumlaune der Verbraucher ist gut. Der tendenziell nachgebende Euro begünstigt die Entwicklung, weil er Exportpreise senkt.

Deutschland muss mehr Geld für die Rettung des Euros liefern. Darin sind sich weite Teile der Weltelite einig. Einig sind sie sich auch in der Ansicht, dass die Schuldenlast der meisten Staaten zu hoch sei. Sie müsse gesenkt werden. Die Staatsverschuldung Deutschlands ist höher als die Spaniens und Ungarns. Sie ist auch höher als es die EU-Verträge erlauben. Die Senkung der Staatsverschuldung lässt sich sozialverträglich nur über Wachstum realisieren. Wachstum erfolgt in der anerkannten Wirtschaftslehre grundsätzlich kreditfinanziert. Dass die Schulden dabei steigen, ist ein natürlicher und unausweichlicher Prozess. Das nicht gelöste Schuldenproblem der EU mindert den Eurowert und hebt den US-Dollar. Die Schuldenrate der EU ist rund 20 Prozent geringer als die der USA und 65 Prozent geringer als die Japans. Der japanische Yen steigt gegenüber beiden Währungen seit Jahren kräftig an. Japan hat weltweit die höchste Staatsverschuldung.

Die Kakophonie und die Widersprüchlichkeit lassen nicht erwarten, dass irgendein Beteiligter planvoll in die Zukunft schaut. Prognosen sind Lotterieveranstaltungen ohne Gewinn. Sie haben im Kontext unserer Ölmarktkommentare immerhin einen gewissen Unterhaltungswert.

Die wöchentlichen Daten über die US-Ölbestände sind keine Prognosen, sondern Vergangenheitsbetrachtungen. Aber selbst die liefern nicht so unerschütterliche Fakten, wie Menschen sich das üblicherweise vorstellen. Die zeitgemäße Wissenschaft lehrt uns, dass es solche Fakten nicht gibt. Geschichte ist keine Aneinanderreihung von durch die Zeit fixierten Wahrheiten, sondern das, was der jeweilige Betrachter erkennt. Das kann sehr unterschiedlich sein. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) erkannten für die vergangene Woche relativ ähnliche Ölbestände. Ihre Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +7,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,7 (DOE) bzw. 4,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 82 Prozent gesunken. Die Gesamtbestände sind fünf Prozent geringer als vor einem Jahr. Die geringe Raffinerieauslastung ist Ausdruck einer geringen Nachfrage.

Heute Morgen machen die Ölpreise das, was sie seit längerer Zeit machen. Sie bewegen sich innerhalb eines Seitwärtstrends. Die Charttechnik gibt ihnen ein wenig Unterstützung. Der erwartete Auftrieb als Folge der Drohungen im Konflikt um die iranische Atomhaltung blieb bisher aus. Daran wird sich in den nächsten Wochen wohl auch nichts ändern. Die Tonne Gasöl kostet 954,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,84 Dollar und in London zu 110,56 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,32 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich nicht mehr. Der Mangel an handfesten fundamentalen Impulsen und die technischen Spielereien an den Finanzmärkten lassen erwarten, dass der Preisrückgang seinem Ende nahe gekommen ist. Bald steht wieder ein Preisanstieg auf dem Programm. Dramatische Wertzuwächse erwarten wir nicht. Voraussetzung für die Erwartung ist das Ausbleiben eines außergewöhnlichen Ereignisses wie beispielsweise eines Waffengangs in der Golfregion. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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