Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Sieg für die Bullen

Die US-Bestandsdaten fielen positiv aus. Sie übertrafen die Erwartungen. Die Versorgung kann derzeit sorglos betrachtet werden. Am Schluss des Tages standen die Ölpreise dennoch kräftig im Plus. Fundamentale Gründe hierfür gibt es nicht. Die Preisbildung befindet sich in der Hand von Finanzspekulanten. Einige von ihnen trauen sich trotz großer Unsicherheit, auf steigende Kurse zu setzen, gemäß der Devise, der frühe Vogel fängt den Wurm. Der Dollar verlor nur leicht, obwohl der US-Notenbankchef Bernanke die Möglichkeit einer Rezession in den USA immer näher an eine Gewissheit rückte.

Dass sich die Situationsbeschreibung von Ben Bernanke mit jedem öffentlichen Auftritt verdunkelt, schockt an der Börse niemanden mehr. Er wird wahrscheinlich der letzte sein, der die Rezession feststellt. Mit dieser haben sich Finanzmarktteilnehmer längst abgefunden. Mittlerweile steckt in ihrem Anlageverhalten eine gehörige Portion Trotz. Man unternimmt den Versuch, die Kursentwicklung von der Wirtschaftsentwicklung abzukoppeln. Damit nähern sich die Börsensäle weiter an die Casinos dieser Welt an. Es wird um große Hoffungen gepokert.

Genau das geschah gestern am Ölmarkt. Die Hoffnung lautet Kursgewinn. Diese Hoffnung ist angesichts der Tatsache, dass die Förderung von Öl teuerer wird und die Verfügbarkeit langfristig nicht gesichert ist, durchaus realistisch. Allerdings spielt sich diese fundamental orientierte Anlageanalyse in Zeiträumen von zehn und mehr Jahren ab. So lange wollen die meisten Spekulanten nicht warten, um positive Ergebnisse zu erzielen. Sie wollen den schnellen Gewinn. Um den zu machen, muss man die fundamentale Sicht weitgehend ausblenden. Hierfür werden charttechnische Formationen als Handlungsgrundlage herangezogen. Eine solche ist beispielsweise die Zahl 100. Diese Zahl hat eine göttliche Bedeutung. Da sie gestern nicht nachhaltig unterschritten wurde, gilt sie als Wink des Himmels, dass die Kurse aufwärts wollen. Man muss daran glauben. Dann funktioniert das Geldverdienen eventuell. Da alle Börsenteilnehmer Geld verdienen wollen, stehen die Chancen gar nicht schlecht.

Ignorieren kann man diesen Hokuspokus nicht, da er ein wesentliches Element der Preisbildung ist, zumindest seit diese maßgeblich von der Investmentbranche bestimmt wird. Für den einen oder anderen ist eine Information über die aktuelle Versorgungslage aber doch von größerem Interesse. Diese liegt beispielsweise mit den Zahlen des DOE (Department of Energy) und des API (American Petroleum Institute) über die wöchentliche Veränderung der US-Bestände vor. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +7,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,3 (DOE) bzw. 0,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind wieder gestiegen. Sie liegen aber weiter unter denen des Vorjahres. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt bei schwachen 82 Prozent. Die Raffinerien sind eine ausgewiesene Schwäche der USA.

Im langfristigen Vergleich ist die Bevorratung etwas höher als im Durchschnitt. Interessanterweise haben die USA in diesem Jahr ein größeres Benzindepot angelegt als in den Vorjahren. In einem auf Angebot und Nachfrage basierendem Markt sollte das die typische Neigung zu anziehenden Preise wegen einer als kritisch erwarteten Benzinnachfrage vor der Fahrsaison dämpfen. Hinzu kommt eine rückläufige Benzinnachfrage.

Zurück zum Preisroulett mit Öl. Heute Morgen ist eine schwache Gegenreaktion auf die Kursgewinne von gestern Abend zu beobachten. Tendenziell muss mit anziehenden Preisen gerechnet werden. Die Tonne Gasöl kostet 942,75 $.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Generell neigen wir zur Prognose seitwärts gerichteter Ölpreise. Da sich die Hochpreisspekulanten trotz aller Unsicherheit am Markt wieder durchsetzen, muss in Kürze aber auch die Möglichkeit neuer Preisrekorde ins Auge gefasst werden. Das Engagement fachfremden Geldes im Ölmarkt wird wohl noch sehr lange andauern. Immerhin, auch Spekulanten sind vor kräftigen Fehleinschätzungen nicht gefeit.

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