Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Sind wir nicht alle ein wenig Spekulanten?

Gestern handelten die Rohöl-Notierungen an der ICE und NYMEX bis zum späten Nachmittag in enger Spanne. Die Händler warteten auf die Veröffentlichung der DOE Bestandsdaten und die Entscheidung der Fed über die weiteren geldpolitischen Maßnahmen. Angesichts der enttäuschenden Konjunkturdaten hatten viele ein aktiveres Vorgehen der Fed erwartet. Diese gab jedoch lediglich bekannt, dass die „Operation Twist“ weiter bis zum Jahresende verlängert wird (Verkauf der kurzfristigen Anleihen und Reinvestition der frischen Mittel in langfristige Papiere, um die Kreditzinsen für die Wirtschaft niedrig zu halten). Dies setzt die europäischen Politiker unter Druck, möglichst schnell eine Lösung für die hiesige Schuldenkrise zu finden.

Die US-Bestandsdaten zeigen erneut einen Aufbau an. Den sehen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die berichtenden Institutionen, unterschiedlich stark. An den Börsen wird den Werten des staatlichen DOE mehr Gewicht gegeben. Damit ist das Marktsignal klar bärisch. Am Abend wurde es in Zählbares umgesetzt. Die Notierungen brachen um über drei Prozent ein. Im Einzelnen lauten die Bestandsdaten wie folgt:

Rohöl: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,0 (DOE) bzw. 0,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin starke 92 Prozent. Die Binnennachfrage bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hoffnungen, dass die diesjährige Fahrsaison zu einem nennenswerten Anstieg der Benzinnachfrage führt, werden wie bereits im Vorjahr enttäuscht.

Heute Morgen setzen die Öl-Futures die gestrige Abwärtsbewegung fort und erreichen neue Langzeittiefs. Die Tonne Gasöl kostet 848,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 80,38 Dollar und in London zu 92,22 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,86 Eurocent.

Der Rückgang der Heizölpreise freut die Verbraucher. Auch wenn draußen Sommer ist, denken viele schon über den nächsten Winter nach und nutzen die günstige Preislage. Wer in den letzten Wochen schon Heizöl bestellt hat, ist jetzt vielleicht enttäuscht, nicht noch länger gewartet zu haben. Der Heizölpreis setzt seinen Abwärtstrend fort. Wirft man den Blick auf den 12-Monats-Chart, kann man sich getrost über den Wärmevorrat im eigenen Hause freuen. Man hat zum vergleichbar guten Preis gekauft. Die Heizölpreise sind nach dem Kauf nicht mehr änderbar, man kann den Kauf auch nicht rückgängig machen.

Die beliebteste Frage, die von unseren Kunden gestellt wird – soll ich jetzt kaufen oder noch warten? Im Winter stellt sich die Frage nicht – wenn der Heizöltank leer wird, muss man kaufen, egal wie viel es kostet. Deshalb ist vorsorgliche Planung besser. Dabei setzt man den Füllstand des Heizöltanks, die finanziellen Mittel und die eigene Risikoneigung ein. Habe ich gute Vorräte, kann ich auf weiter fallende Preise spekulieren. Wer jedoch die Unsicherheit und die tägliche Beobachtung des Treibens an der Börse nicht mag, nimmt diesen günstigen Kaufmoment an und ordert zumindest eine Teilmenge.

Angesichts der Preistreiberei an der Börse schimpft mancher lautstark über die Spekulanten. Aber – sind wir alle nicht ein wenig Spekulanten? So im Geheimen? Der eine mehr, der andere weniger. Und je stärker der Heizölpreis das eigene Portemonnaie belastet, umso mehr neigen wir zur Spekulation – „vielleicht wird der Preis ja noch mehr fallen“. Gerade jetzt macht es viel Sinn, über die eigene Verbrauchsreduzierung nachzudenken. Wenn mein altes Haus ein neues Dach hat, oder die fast museumsreife Heizung gegen einen soliden Brennwertkessel getauscht wurde, werden die starken Preisschwankungen immer irrelevanter.

Problematisch bei dem Spekulieren ist derzeit nach wie vor die Versorgungslage im Süden Deutschlands. Die Lieferzeiten dort sind drastisch gestiegen. Es gibt einfach nicht genug Nachschub. Das Heizöl muss aus anderen Regionen geholt werden, was wiederum den Preis nach oben treibt. Damit hat sich der regionale Preisunterschied in Deutschland weiter vergrößert - zu sehen in der Heizölpreis-Tabelle.

Unsere Heizölpreise geben nach den gestrigen bärischen Impulsen an der Börse weiter nach. Heute wird der Verbraucher sich über einen stärkeren Rückgang der Preise freuen können. Allerdings nutzt das im südlichen Teil Deutschlands wenig, denn dort gibt es kaum noch Heizöl. In allen anderen Regionen muss jeder selbst überlegen – spekuliere ich weiter oder bestelle ich jetzt. Wer die eigenen Nerven schonen will, füllt seinen Vorrat und kann dann beruhigt den Sommerurlaub antreten. Wer unbedingt das gute Gefühl haben möchte, den möglichst günstigsten Preis bezahlt zu haben, muss die Preise engmaschig beobachten. Eine Garantie gibt es dafür trotzdem nicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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