Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Small is beautiful

Öl gibt es. Dass es auch einen Bedarf dafür gibt, scheint nicht mehr selbstverständlich zu sein. Diesen Eindruck vermittelt zumindest das Echo auf die jüngsten Nachfrageprognosen, die einen Rückgang zwischen 1,2 und 1,4 Prozent für das laufende Jahr proklamieren. Am Ende wird der Rückgang vermutlich noch stärker ausfallen. Denn die Prognosen sinken seit vielen Monaten stetig. Der Abwärtstrend des Verbrauchs ist intakt. Er drückt auf den Ölpreis, der allerdings nicht mehr zu einem Abwärtstrend zu bewegen ist. Im Mittel über alle Sorten und Produkte tendieren die Preise seitwärts. Seitwärts ist auch beim Dollar angesagt. Das große Geld oder die Leute dahinter sind unsicher, wo sie ihre Liquidität hineinpumpen sollen, Währung, Staat, Unternehmen, Rohstoffe. So wird ein Status Quo erhalten.

Der Ölpreis spiegelt die Realität besser wider als die Worte dahinter. Von einem wegbrechenden Verbrauch zu reden, ist angesichts der Tatsache, dass dieser nach aktueller Schätzung das Niveau von 2006 erreichen wird unangebracht. Selbst wenn der Verbrauch das 2004er Niveau erreicht, das dem aktuellen Preis näher liegt, ist der Terminus „wegbrechen“ nicht passend. Denn auch im Jahr 2004 wurde sehr viel Öl konsumiert, mehr Öl als der Menschheit langfristig zur Verfügung stehen wird. Weil Öl ein endliches Gut ist, ist es gut, dass der Verbrauch sinkt. Daran kann es keinen Zweifel geben. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die damit verknüpft sind, sind nicht gut, denn sie werden vielen Menschen Probleme bereiten. Der so genannte Aufschwung der letzten Jahre kam nicht beim breiten Volk an. Der nun anstehende Abschwung wird hingegen das breite Volk treffen. Dass ein Fehler im System steckt, ist evident aber keine neue Erkenntnis. Da dieser Fehler nun so klar zu Tage tritt, darf man hoffen, dass er endlich Anlass zur Neujustierung der Lebensformen gibt. Wie immer, wenn die Menschheit zum Umdenken gezwungen ist, geschieht das nicht schmerzfrei. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um Wohlstand in einem begrenzten System, in einem Raum, der keine Unendlichkeit kennt. Solange der Wohlstand aus Ressourcen dieses Raums entwickelt wird, kann er nicht unbegrenzt sein.

Das Entsetzen über die Wucht des Verbrauchsrückgangs zeugt vom Festhalten am alten Denken. Es ist das Denken, das die nun anstehenden Probleme verursacht hat. Eigentlich sollte man sich über den Verbrauchsrückgang freuen. Die Trendwende in den Autogeschäften ist zwar nicht unbedingt Ausdruck einer solchen Freude, aber zumindest zeigt sie, wie selbstverständlich der Wechsel der Kundschaft zu kleinen Modellen mittlerweile geworden ist. Da demonstriert das gemeine Volk, das nicht über den Denkapparat verfügt, auf den sich Politik und Wirtschaft stützen können, wie emotionslos und gradlinig man bereit ist, den Zeichen der Zeit zu folgen. Small is beautiful oder die Rückkehr zum menschlichen Maß (Buchtitel aus den 1970er Jahren), heißt die Devise. Und die Führungskräfte, sie stehen als gestrige da, die vom Volk überholt werden.

Aufgemacht zur Rückkehr zum menschlichen Maß hat man sich in den USA. Zumindest liegt dieser Gedanke nahe, wenn man den Aufbau in den Vorratslagern sieht. Seit Monaten fließt mehr Öl hinein als hinaus. Auch die aktuellen Daten vom DOE (Department of Energy) zeigen diesen Trend. Das API (American Petroleum Institute) sieht es anders. Seinen Aussagen wird wenig Beachtung geschenkt. Die Zahlen der beiden Institutionen zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: +4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,0 (DOE) bzw. ein Abbau von 4,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 82 Prozent gesunken. Der Wert ist schwach. Zusammen mit dem Minus in den Benzinlagern sorgt er für Auftrieb bei den Benzinpreisen. Trotz des Drucks, unter dem die Ölpreise insgesamt stehen, bildet sich bei Benzin erneut das alte Muster heraus, nach dem der Kraftstoff zum Frühjahr teurer wird. Aktuell ist das durch eine gewollte Verknappung der Raffineriekapazität hervorgerufen.

Heute Morgen bleiben alle Ölnotierungen nahe den gestern Abend erreichten Werten. Es ist wenig Bewegung im Spiel. Die Tonne Gasöl kostet 415 Dollar. Das Barrel Rohöl der Marke WTI kostet in New York 35,95 Dollar. Das Barrel Brent kostet in London 44,63 Dollar. Der US-Dollar notiert bei 77,83 Eurocent.

Unsere Heizölpreise halten ihren Seitwärtstrend. Gestern sanken sie, heute steigen sie. Das ganze spielt sich bei wenig Veränderung ab. Allem Anschein nach werden sie die alten Tiefpreise vom Dezember, denen sie bereits recht nahe sind, noch einmal erreichen. Insgesamt rechnen wir für die kommenden Monate, eventuell sogar für den Jahresverlauf mit wenig Preisabweichung vom aktuellen Niveau. Die Lieferzeiten sind noch nicht überall auf die früher übliche Dauer zurückgekehrt. Es ist aber absehbar, dass das im März der Fall sein wird. Mehr denn je ist der Verbrauch und seine Reduzierung das bedeutende Thema der Zeit, auch wenn der Ölpreis dies nicht unbedingt nahe legt. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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