Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Soll man auf sinkende Preise warten?

Es gibt gute Argumente für tiefere Ölpreise. Aber eine Fülle von Störungen verhindert den Preisrückgang. Die Gesamtlage erweist sich erneut bullisch. Abermals wird die 50$-Marke für US-Rohöl ins Visier genommen. Der Dollar zeigte am Freitag Schwäche in seiner überraschenden Stärkephase.

Viele Kenner der Ölszene haben mittlerweile Abstand von alten Preisvorstellungen unterhalb von 30$ pro Barrel genommen. Werte über 40$ kommen allerdings selten in den Prognosen vor. Zahlenangaben schmeicheln mit einer gewissen Verbindlichkeit. Den Emittenten solcher Werte bleibt dennoch mehr Elastizität, als in den Zahlen zu erkennen ist. Denn niemand präzisiert, für welche Rohölsorte die Prognose gemacht wird. Gängig wären drei Hauptwerte, US-Rohöl (WTI), Nordsee-Rohöl (Brent) und der OPEC-Korb, eine Mischung verschiedener Wüstensorten. Die Preise variieren breit. Aktuell kosten WTI 49,11$, Brent 45,73$ und der OPEC-Korb 41,53$ pro Barrel.

Wenn die OPEC, die offiziell immer noch ein Preisband zwischen 22$ und 28$ als Zielwert nennt, die untere Grenze des Bandes auf 28$ oder mehr anheben will, bedeutet das für US-Rohöl eine untere Grenze von mindestens 36$. Selbst diese Zahl erfordert aus heutiger Sicht einen schwer zu begründenden Preisverfall.

Ein Grund für tiefere Preise wäre die Darstellung der aktuellen Versorgungslage in den Vorräten. Die haben sich gut entwickelt. Das letzte Mal war die Gesamtbevorratung vor mehr als zwei Jahren besser als heute. In der weiter zurückliegenden Vergangenheit gab es bisweilen deutlich magerere Bestände. Als weiterer Grund für einen Preisrückgang wurde in den letzten Monaten eine schwindende Nachfrage genannt. Von dieser Idee verabschieden sich einflussreiche Marktteilnehmer nun aber reihenweise. Die Nachfrage wird weiter wachsen.

Die Förderung wächst ebenfalls. Ob dabei die OPEC oder die Nicht-OPEC-Länder das größere Wachstum an den Tag legen, bleibt ein Streit unter den Gelehrten. Langfristig wird die OPEC auf Grund ihrer erheblich größeren Reserven auf alle Fälle Marktanteile hinzugewinnen. Sorge, dass Angebot und Nachfrage sich zu weit voneinander entfernen, braucht man nicht zu haben. Die Förderung wird allerdings immer teurer werden. Die Reserven an leicht erreichbarem Öl gehen zurück.

Für Preisauftrieb wird auch die Raffineriesituation sorgen. Ihre Kapazität ist notorisch schwach. Neubauten in der Golfregion und in Fernost sind zwar begonnen. Die westliche Hemisphäre hält sich aber weiterhin zurück. Hier fließen Investitionen nicht in Neubauten sondern in Entschwefelungsanlagen. Es wird keine Ausweitung der Gesamtkapazität geben sondern lediglich eine Ausweitung der Kapazität für schwefelfreie Ware.

Neben den Einflüssen aus der Ölinfrastruktur wird der Markt durch geopolitische Effekte, durch das Wetter und durch Meinungsmache beeinflusst. Momentan sind alle Aspekte auf ?preistreibend? getrimmt. Geopolitisch sind die terrorgeladene Lage im Irak, die streikgeladene Lage in Nigeria und die kriegerische Haltung der US-Regierung dem Iran gegenüber zu nennen. Der Iran ist derzeit der viergrößte Öllieferant der Welt. Sollte George W. Bush seinen Soldaten einen Marschbefehl dorthin geben, ist mit einer wahren Ölpreisexplosion zu rechnen.

Das Wetter ist inzwischen winterlich. Es treibt angesichts knapper Heizölvorräte den Preis in natürlicher Weise. Neue Forderungen Venezuelas in Richtung OPEC nach Lieferkürzungen bewirken dagegen irritationsbedingte Preissteigrungen. Sie sind in ihrer Wirkung wenig einschätzbar. Sie können dem Markt sowohl einen Lauf geben als auch schnell in Vergessenheit geraten.

Charttechnisch steht der Markt an einem Wendepunkt. Nach wie vor ist das Ausleben einer Handelsspanne von 40$ bis 50$ für US-Rohöl möglich. Die Zeichen für eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends sind allerdings auch herauszulesen. Unsicherheit beflügelt eher die für Verbraucher negative Variante.

Unsicherheit verbreitet übrigens auch unsere Bundesregierung mit ihrer Idee, die Spekulation aus den Ölmärkten nehmen zu wollen. Diese Unsicherheit ficht das internationale Parkett nicht an. Dort wird man nicht einmal Kenntnis vom Vorhaben Berlins nehmen. Aber Verbrauchern wird Glauben gemacht, dass das Wirtschaftministerium Maßnahmen kenne, mit denen es den Markt beeinflussen kann. Diese Maßnahmen sollen in einem Mehr an Informationen bestehen. Informationen über den Ölmarkt sollen Spekulanten daran hindern, ihr Geld dort zu investieren. Wer so etwas sagt, zeigt, wie wenig er den Markt, über den er spricht, kennt. In den USA sind Informationen am besten zugänglich. Dort gibt es eine Flut von Daten, die jeder Marktinteressierte verwenden kann. Dort werden die Preise aber auch am spekulativsten beeinflusst. Die Macht im Ölmarkt haben große Banken und Ölgesellschaften. Wahrscheinlich verfügen diese ?Spekulanten? über noch mehr Information als der bereits gut informierte Kleinspekulant. Verbraucher sollten auf derartige Äußerungen der Bundesregierung, die bestens in die Bildzeitung passen, nichts geben.

Heute Morgen ziehen die Preise weiter an. Gasöl kostet aktuell 408$ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise legen deutlich zu. Sie folgen dem Weltmarkt. Trotz der gestiegenen bullischen Note halten wir an unserer Prognose, dass sich die Heizölpreise im Bundesdurchschnitt innerhalb eines Bandes von 0,40 bis 0,45 EUR pro Liter bei 3000 Liter Liefermenge seitlich bewegen werden fest. Unsicherheit ist natürlich immer im Spiel.

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