Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Sorge vor Lieferausfällen

Die Preise laufen steil in die Höhe. Hauptursache für die aktuelle Auftriebsstärke ist die US-Kriegsdrohung an den Iran. Es zeichnen sich Parallelen zur Vorbereitung des Irakkriegs ab. Aber nicht allein der Atomstreit schürt die Sorge vor Lieferausfällen. Es gibt weitere geopolitische Brennpunkte. Der Dollar verliert wegen der Kriegsgefahr an Wert. Außerdem wird wieder einmal das Ende der Zinserhöhungen in den USA befürchtet.

Charttechnisch liegen klare Konstellationen vor. Rohöl und Ölprodukte sind im Aufwärtstrend. Der Dollar ist im Abwärtstrend. Rohöl hat die Marke von 70 $ pro Barrel wieder überschritten. Ungewöhnlich ist, dass der Preis von Nordseeöl Brent nicht mehr hinter dem von Texasöl WTI hinterherläuft. Zeitweise übernimmt Brent die Preisführerschaft. Kontrakte für den aktuellen Liefermonat werden um 71 $ gehandelt. Kontrakte für Lieferungen im nächsten Monat kosten bereits über 72 $. Die Rohölpreise haben die Spitzenwerte des letzten Augusts erreicht. Ölprodukte, die in den letzten Wochen als Triebfeder der Preissteigerung galten, sind noch nicht an diese Preisspitzen herangekommen.

In den Engagements der großen Spekulanten wird die bullische Situation besonders bei Rohöl und Heizöl deutlich. Hier gibt es einen großen Überhang von Krontrakten auf steigende Kurse. Entgegen der oft zitierten Ursache, dass das befürchtete US-Benzinloch die Preise in die Höhe treibe, zeigt sich die Zahl der bullischen Kontrakte auf Benzin eher moderat.

Insgesamt ist die Beschreibung der Versorgungsaussichten widersprüchlich. Offensichtlich hat niemand eine wirklich belastbare Vorstellung über die zu erwartende Entwicklung des Ölmarkts. Einige Experten sehen die Rohölversorgung auf einem guten Weg. Sie erwarten bereits zum Jahresende auskömmliche Reservekapazitäten der OPEC von 3 Mio. Barrel pro Tag. Als Grund für die Preissteigerungen sehen sie den Atomstreit mit dem Iran, die Produktionsausfälle in Nigeria und im Irak, die politischen Streitereien zwischen Venezuela und den USA sowie die Benzinversorgung der USA, die mit einem Mangel an Ersatzstoffen für das verbotene Antiklopfmittel MTBE und mit knappen Raffineriekapazitäten zu kämpfen hat. Letztes gilt darüber hinaus für die ganze Welt.

BP schätzt die Lage anders ein. Rohöl wird über lange Zeit eine Mangelware bleiben. Die Reservekapazität von 3 Mio. Barrel pro Tag hält man frühestens in 2009 für erreichbar. Außerdem fehlt dem Markt das richtige Rohöl. Die neuen Sorten sind zu schwer und zu schwefelhaltig für die bestehenden Raffinerien. Entweder muss der Raffineriepark umgestellt werden oder es müssen andere Ölsorten gefunden werden. Mit Ausnahme der USA sieht man bei BP aber keinen Kapazitätsmangel bei den Raffinerien. Im Gegenteil, man befürchtet sogar bald Überkapazitäten der Verarbeitungsanlagen. Einig ist man sich mit anderen Marktbeobachtern einzig in der preistreibenden Einschätzung der geopolitischen Vorgänge.

Der mögliche Waffengang der USA im Iran lässt eine weitere Reduzierung der Öllieferungen befürchten. Der Irak ist ein Beispiel für negative Auswirkungen von Krieg in einem ölreichen Land. Einen zweiten Fall dieser Größenordnung kann sich die Weltwirtschaft nicht leisten. Ein kriegsähnlicher Zustand herrscht in Nigeria. Dort lähmen Rebellen die Ölförderung erheblich. Mit Liefereinschränkungen drohen der Tschad, ein vergleichsweise unbedeutendes Land der Ölproduktion, und Venezuela, ein Schwergewicht der Förderung.

Begünstigt wird der aktuelle Preisauftrieb von der Angst vor der nächsten Hurrikansaison in den USA. Allein aus diesem Grund besteht wenig Hoffnung, dass die Preise vor dem Ende der Saison deutlich fallen können. Experten der Ölgesellschaften sehen die Preise momentan trotz des negativen Umfelds als zu hoch an. Rohölpreise über 60 $ pro Barrel seien übertrieben und würden im Laufe des Jahres wieder korrigiert. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt allerdings, dass die Experten die tatsächliche Entwicklung unterschätzt hatten.

Entspannung würden die Preise aus einer Beruhigung der geopolitischen Lage beziehen. Die ist momentan aber nicht erkennbar. Entspannend könnte auch die Prognose der IEA (Internationale Energieagentur) wirken, nach der die Nachfragesteigerung sinkt. Sowohl die Reduktion der Steigerung als auch das Rückschlagspotential der Preise ist allerdings marginal.

Heute Morgen steigt der Gasölpreis weiter. Er steht mittlerweile bei 625 $ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise ziehen aufwärts. Sie haben die vergleichsweise günstige Winterbasis verlassen und befinden sich auf dem Weg zu den Spitzenpreisen des letzten Herbstes. In den kommenden fünf Monaten ist die Wahrscheinlichkeit für einen nachhaltigen Preisrückgang gering. Die Wahrscheinlichkeit für eine deutliche Verteuerung ist dagegen hoch. Günstigere Einkaufsmomente können vermutlich nur aus kleinen Tagespreisschwankungen resultieren. Erst ab September halten wir einen nennenswerten Preisrückgang für möglich. Die Frage ist dann allerdings, von welchem Niveau aus dieser stattfindet.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen