Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Spekulanten fallen über Öl her

Die gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten rechtfertigten einen Preisrückgang. Der trat in der Tat ein, allerdings nur als temporäres Ereignis. Zum Handelsschluss standen die Preise durchschnittlich drei Prozent höher als am Vortag. Fundamentale Erklärungen für diese Erscheinung lassen in ihrer Tiefe zu wünschen übrig. Es bleibt nur festzustellen, dass die großen Spekulanten massiv ins Ölgeschäft drängen, und das mit einer streng bullischen Einstellung. Für den Dollar sieht es anders aus. Hier ist die Einstellung der Devisenhändler bärisch. Heute Morgen zieht die US-Währung allerdings gegen den Trend deutlich an.

Die US-Vorräte haben sich in der abgelaufenen Woche gut entwickelt. Insbesondere Benzin legte zu. Dieser Umstand ist ein weiteres Argument gegen den befürchteten Engpass beim Kraftstoff. Der wird für den erheblichen Frühjahrsanstieg der Preise mitverantwortlich gemacht. Nach Lage der Dinge wird dieser Engpass nicht eintreten. Die Bestandszahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lauten wie folgt:

Rohöl: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,9 (DOE) bzw. 2,8 (API) Mio. Barrel. Die Werte sind solide. Sie zeigen, dass das insgesamt gute Vorratsniveau nicht gefährdet ist. Das wird von Börsianern offensichtlich nicht so gesehen. Vergleichsweise unbedeutende Ereignisse werden als Argument für steigende Preise angeführt. Das trifft beispielsweise auf eine Raffineriestörung zu, die täglich 0,05 Barrel fehlen lässt. Innerhalb einer Woche könnte das zu einer Fehlmenge von 0,35 Mio. Barrel führen. Diese Zahl bedroht den positiven Bestand allenfalls marginal. Die Preise bedrohte sie gestern wie eine Kriegserklärung.

Die Importe in die USA sind gegenüber der Vorwoche leicht gesunken. Sie liegen auf Vorjahresniveau. Die Raffinerieverfügbarkeit ist gestiegen. Mit 90 Prozent ist sie weiterhin unakzeptabel niedrig. Dieser Umstand kann als bullisches Argument akzeptiert werden.

Die geopolitische Lage bietet eine Fülle von bullischen Themen. Spektakulär Neues wurde nicht gemeldet. Der Atomstreit mit dem Iran etabliert sich als Dauerbrenner. Eine besorgniserregende Eskalation bleibt derzeit aus. Daher wäre zu erwarten, dass das Thema seine Schärfe für die Preisbildung verliert. Aus Nigeria wird ein Mord an einem Ölmanager gemeldet. Die Nachricht schürt Unsicherheit. Sie ist aber kein Grund, an eine schlagartige Einstellung der Lieferungen zu denken. Der bullische Gehalt für den Gesamtmarkt ist somit ebenfalls begrenzt. Unterstützung für den Preisauftrieb kommt aus Venezuela. Ölminister Ramirez gibt an, dass die OPEC über keinerlei Ersatzkapazitäten verfüge und dass die Verarbeitung an fehlenden Raffinerien leide. Diese allgemeine Feststellung beinhaltet keine Neuigkeit. Sie dient lediglich dazu, die Bullen für weitere Engagements zu gewinnen und die eigenen Interessen an einem hohen Preis zu unterstützen.

Das Fazit des gestrigen Börsentags lautet, die fundamentale Lage ist unsicher aber kurzfristig unkritisch. Das aktuelle Preisniveau sollte diese Lage bereits enthalten. Dass die Entwicklung dennoch durch eine starke Aufwärtskomponente erfasst wird, weist darauf hin, dass spekulative Gelder in großem Stil in den Markt gedrückt werden. Derartige Bewegungen benötigen, um beendet zu werden, eine Überhitzung der Preise. Das würde bedeuten, dass neue Höchstpreise erreicht werden müssten.

Heute Morgen schließt der Gasölpreis dort an, wo er gestern endete. Der Auftrieb ist deutlich spürbar. Er ist noch stärker als beim Rohöl. Die Tonne kostet 644,50 $.

Unsere Heizölpreise schnellen in die Höhe. Die Art des Auftriebs lässt vermuten, dass nicht die erwartete Ruhe auf hohem Niveau eintritt, sondern neue Preisspitzen gesucht werden. Der tendenziell sinkende Dollar hat der Stärke der Ölpreissteigerung wenig entgegenzusetzen. In dieser Lage sollte man sehr schnell kaufen oder sich für längere Zeit zurückhalten und die nächsten Preishöhen aussitzen.

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