Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Spekulanten rotieren

Der Auftakt der erwarteten Gegenbewegung zum jüngsten Preisanstieg ist wenig verheißungsvoll. Trotz guter Argumente für den Preisrückgang setzte sich dieser gestern nicht durch. Weder schlechte Konjunkturdaten noch ein Anstieg der US-Ölvorräte vermochten die Preise zu senken. Das Gegenteil trat ein. Sie stiegen. Dafür ist einmal mehr der Finanzmarkt verantwortlich. Dort verabschiedeten sich Spekulanten zeitweise zugunsten von Ölpapieren aus dem Dollar, weil Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, die Niedrigzinspolitik seines Instituts für einige Monate verlängerte. Aus Zinssicht macht diese Politik den Dollar uninteressant. Der Euro ist derzeit keine angesehene Alternative zur US-Währung. Deshalb funktioniert das alte Investmentschema, raus aus dem Dollar, rein ins Öl, so gut. In solchen Momenten wird besonders deutlich, dass Öl nicht als Energieträger, sondern als Währungsersatz und Spekulationsobjekt gehandelt wird. Nachdem der Preis heute Nacht abermals die Marke von 80 Dollar pro Barrel übersprungen hatte, drehte er bei. Nun darf man auf einen zweiten Anlauf der Gegenbewegung hoffen. Der Dollar gibt selbstverständlich alle Ölpreisbewegungen spiegelbildlich wider.

Die Finanzindustrie schafft das Kunststück, aus lausigen Konjunkturaussichten für die USA, aus schwierigen Finanzverhältnissen in Europa, aus einem gemessen an der Nachfrage zu hohen Ölangebot und aus üppigsten US-Vorräten einen relativ hohen Ölpreis zu generieren. Darüber hinaus gibt es selbst von der Charttechnik keine bullischen Impulse. Einzig der Streit um die iranische Atompolitik und die möglichen Konsequenzen für die Ölversorgung können als sachlich begründetes Auftriebsargument dienen.

Die Veröffentlichung der US-Vorratsdaten brachte mehr Widersprüche als Erkenntnisse zu Tage. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten Zahlen, die an Gegensätzlichkeit kaum zu toppen sind. In solchen Situationen werden üblicherweise die Behördendaten des DOE den Daten der Industrie (API) bevorzugt. Das war gestern nicht der Fall. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,5 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,2 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung stieg auf 81 Prozent. Als Ende der Nachfrageschwäche können die Werte trotz ihrer Verbesserung gegenüber der Vorwoche nicht herhalten.

Die wiederkehrende Aussage, dass der Ölpreis gemessen an den realen Marktverhältnissen zu teuer ist, ist in erster Linie als Kritik am Einfluss der Finanzindustrie zu verstehen. Das durch diese Industrie beförderte Verständnis von Leistung und Erfolg und damit von Bewertung ist ein zutiefst kurzfristiges. Langfristige Entwicklungen und von Visionen geprägtes, gestalterisches Handeln kommen in den Bewertungsschemata, die zu Kursen und Preisen führen, so gut wie gar nicht vor. Dort, wo es doch geschieht, folgt es dem Mainstream und verstärkt allenfalls gegenwärtige Effekte. Gegenwärtig und in naher Zukunft müsste der Ölpreis auf Basis der gängigen Wertungen viel billiger sein. Als endlicher und außerordentlich wertvoller Rohstoff macht es andererseits Sinn, Öl in der aktuellen Höhe oder sogar deutlich höher zu bewerten. Wenn eine solche Bewertung die verlässliche Grundlage für den langfristigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft zu weniger Ressourcenverbrauch böte, wäre diese allemal akzeptabel. Als Konsequenz des offensichtlichen Fehlers im System muss die in den letzten Jahrzehnten außerordentlich erfolgreiche Marktwirtschaft in Frage gestellt werden. Es sind erhebliche Zweifel angebracht, dass die langfristig notwendigen Veränderungen auf der Basis liberalistischer Wirtschaftsanschauungen zu erreichen sind.

Heute Morgen zeigt sich die Börse von ihrer typischen, auf Kurzfristigkeit ausgerichteten Seite. Was gestern richtig war, ist heute falsch. Die Preise fallen wieder. Die Tonne Gasöl kostet 628,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 79,57 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,12 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten nach kurzem Rückgang erneut zu. Tendenziell wäre etwas Entspannung fällig. Doch selbst wenn diese vom Weltmarkt ermöglicht wird, steht der Dollar mit einer konträren Kursentwicklung dagegen. Trotz nach wie vor widriger Bedingungen halten wir einstweilen an der Prognose seitwärts laufender Heizölpreise fest. Sie sollten zu Preisnachlässen und damit zu Kaufgelegenheiten führen. Großes darf man von eventuellen Preisrückgängen nicht erwarten. Und die Sicherheit, mit der wir diese Prognose abgeben, ist sehr schwach. Überzeugt sind wir hingegen von folgendem Satz. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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