Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Spekulanten schauen wieder auf Öl

Die Finanzwelt will höhere Ölpreise sehen. Goldman & Sachs wirbt für entsprechende Investments. Die Preischarts für Rohöl der Sorte Brent, für Gas Oil (Europa) und für Heating Oil (USA) fiebern dem langfristigen Aufwärtstrend entgegen. Lediglich Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) fällt aus dem Rahmen. Sein Auslieferungslager in Cushing Oklahoma ist gut gefüllt. Das wird bis Ende Mai so bleiben. Danach kann das Öl durch eine Pipeline zur Südküste der USA abfließen und von dort in die Welt verschifft werden. Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI wird dann verschwinden. Der Angleichungsprozess wird den WTI-Preis stärker nach oben als den Brent-Preis nach unten ziehen.

Noch wird die neue Spekulationslust auf Öl zurückhaltend ausgelebt. Die Unsicherheit zum Geld- und Finanzsystem lässt Investoren zaudern. Jeder Tag, der ohne apokalyptische Äußerungen über den Fortgang der Finanzwelt vorübergeht, dämpft die Sorgen und fördert die Gier. Die Tatsache, dass der Zusammenbruch des Systems mittlerweile selbst bei einer Pleite Griechenlands nicht mehr befürchtet wird, zeugt vom Aufwind, den die alten Spekulationsgeister spüren. Substanziell hat sich selbstverständlich nichts geändert. Deshalb ist die Zockerei mehr denn je ein Spiel mit dem Feuer auf dem Pulverfass.

Beim Öl wird dieses Spiel durch diverse geopolitische Unruheherde und durch das Wissen um knappe Ressourcen befruchtet. Das Angebot, das derzeit unproblematisch ist, kann jederzeit in Knappheit umschlagen. Der Mangel ist grundsätzlich die wahrscheinlichere Alternative als der Überfluss. Für die globale Versorgung ist selbst ein so bemerkenswerter Umstand wie der Nachfragerückgang in den USA kein Entwarnungssignal mehr.

Die jüngsten Daten aus den US-Tanklagern belegen diesen Rückgang. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) melden unisono gestiegene Produktenvorräte. Die müssen nun über Exporte abgesteuert werden. Die Rohölversorgung beschreiben die berichtenden Institutionen allerdings unterschiedlich. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,1 (DOE) bzw. 0,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist zwar auf 83 Prozent gestiegen. Der Wert ist gleichwohl weiterhin schwach. Die Gesamtbestände sind vier Prozent geringer als vor einem Jahr.

Heute Morgen lässt sich den Ölnotierungen noch nicht entlocken, wo die Preisreise hinführen soll. Es herrscht vornehme Zurückhaltung in einem fiebernden Markt. Anders sieht es beim Dollar aus. Der wird entgegen unserer Erwartungen abgewertet. Die Eurokrise verschwindet ohne ihre Lösung aus den Köpfen der Finanzszene. Die Tonne Gasöl kostet 1.010 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,03 Dollar und in London zu 117,46 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,30 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Dieser Umstand ist weniger dem Finanzzirkus als den Verhältnissen im Binnenmarkt geschuldet. Die kalten Temperaturen im Allgemeinen, das Raffinerieproblem in Bayern im Speziellen und ungewöhnlich viele Leerstände in den Verbrauchertanks treiben die Preise deutlich über die übliche Relation zu den Weltmarktpreisen. Hier ist keine Finanzspekulation im Spiel. Hier regieren Angebot und Nachfrage. Selbst wenn man die gigantisch anmutenden Gewinne von Ölkonzernen zu Gunsten der Verbraucher auflösen würde, hätte das höchstens einen Rückgang von rund fünf Prozent des Heizölpreises zur Folge. Das ist ungefähr die Differenz, die seit dem vergangenen Wochenende aufgelaufen ist. Derzeit ist keine Entlastung für die Heizölpreise in Sicht. Sie werden ihrem Aufwärtstrend folgen. Der bietet immerhin eine typische Spanne für etwas tiefere Preise an. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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