Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Spekulanten sind diesmal nicht Schuld

Eine Woche lang laufen die Preise nun gegen den mittelfristigen Abwärtstrend. Eine weitere Woche mit gleichen Vorzeichen der Preisentwicklung würde er nicht überleben. Dann würde man den langfristigen Aufwärtstrend als dominant interpretieren. Das führte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Rückkehr der großen Spekulanten in den Markt und zu weiteren Preissteigerungen. Derzeit sind diese Spekulanten draußen. Die Preissteigerungen der letzten Tage gehen nicht auf ihr Konto.

Sie wurden durch eine Gegenreaktion auf die deutlich gefallenden Preise ausgelöst, durch spontane Handlungen auf gefallene US-Rohölbestände unterstützt und durch lautes Denken über eine Reduktion der OPEC-Förderung fortgeführt. Spekulationen über eine schwere Erkrankung des saudischen Königs Fahd fügten weiteres Gift bei. Die negativ aufgenommenen Daten über die US-Rohölvorräte sind möglicherweise nur ein Ausrutscher, der in dieser Woche ausgeglichen wird. Insgesamt sind die Rohölvorräte das Letzte, was wirklich zur Sorge über die Versorgung Anlass gäbe. Um die Versorgung mit Produkten, insbesondere Heizöl und Diesel steht es eher besorgniserregend. Wenn dieser Umstand an den Börsen thematisiert wird, sieht es schlecht für einen Abwärtstrend aus.

Traditionell wird in diesen Wochen aber eher Benzin beobachtet, weil in den USA die sogenannte Fahrsaison beginnt. Zwar sind die großen Spekulanten bezüglich dieses Produkts bullisch eingestellt. Aber die Lagersituation legt diese Haltung nicht nahe. Sie ist besser als in den Vorjahren. Das ist auch der Grund, warum die Hoffnung auf einen Fortgang des mittelfristigen Abwärtstrends noch nicht begraben werden muss. Die Preisbewegung könnte sich noch zum Guten für Verbraucher wenden.

Keinen Einfluss auf die Preisbewegung hat indes der Verzicht, der hierzulande geübt wird. Die Verbrauchsmengen fallen stärker als von der Mineralölindustrie prognostiziert. Heizöl wurde im vergangenen Jahr 14% unter den Planmengen verkauft. Bei Benzin waren es 3%. Lediglich Diesel konnte um 3,5% zulegen. Zu einem Überangebot und fallenden Preisen führte das aber nicht. Deutsche Raffinerien konnten ihre Produkte mit fantastischen Margen im Ausland absetzen. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Allein die USA werden immer mehr Ölprodukte einführen müssen. Der Verbrauch sollte in den kommenden 20 Jahren um annähernd 40% steigen. Die Raffineriekapazitäten werden aber kaum erweitert werden. Man rechnet mit einer Zunahme der Produktimporte um 90%. Die Rohölförderung geht sogar zurück. Damit wächst der Zwang zur politischen Einflussnahme in Ölregionen und die Gefahr für Destabilisierung.

Während diese Umstände für langfristig steigende Ölpreise sprechen, gibt es aber auch Aktivitäten, die dem entgegen stehen. In Asien werden umfangreiche Projekte zur Erhöhung der Raffineriekapazitäten angeschoben. China will einen zusätzlichen Produktausstoß von 1,6 Mio. Barrel pro Tag bis 2008 schaffen. Und auch Indien, das bis vor wenigen Jahren noch umfangreiche Überkapazitäten bei Heizöl und Diesel hatte, die in Folge des Wirtschaftswachstums heute nicht mehr existieren, wird neue Raffinerien bauen. Ob die Projekte am Ende zu einer Stabilisierung der Preise führen, wird stark von den zukünftigen Steigerungsraten der Wirtschaft und von der Effizienz des Energieverbrauchs abhängen. Effizienzsteigerung wird das Thema der kommenden Jahre sein. In diesem Punkt sind deutsche Verbraucher durchaus vorbildlich. Ein großer Teil des rückläufigen Heizölverbrauchs geht auf neue, effiziente Ölheizungen zurück.

Die weitere Preisentwicklung wird sich erst im Laufe der Woche abschätzen lassen. Heute bleiben die Ölbörsen in New York und London geschlossen. So zeigt der Gasölpreis heute Morgen auch kaum Veränderung gegen Freitag Abend. Die Tonne kostet 455$.

Wenig Aussicht für eine gute Ölpreisentwicklung im Inland gibt das Dollar-Euro-Verhältnis. Die Wirtschaftsdaten der USA sind besser als die der Eurozone. Die Ablehnung der EU-Verfassung drückt die Gemeinschaftswährung zusätzlich. Der Dollar wird seinen Aufwärtstrend fortsetzen.

Unsere Heizölpreise werden sich heute kaum bewegen. Der Weltmarkt liefert keine Impulse. Verbraucher können ihre Einstellung für die weitere Entwicklung der Preise zwischen Hoffnung auf Fortgang des mittelfristigen Abwärtstrends und Gefahr der Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend platzieren. Einen deutlichen Preisrückgang wird es allerdings nicht geben. Denn selbst wenn die Preise am Weltmarkt fielen, würde ein stärkerer Dollar einen Teil der Verbilligung kompensieren.

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