Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Spekulanten skeptisch

Am Freitag fiel der Ölpreis deutlich zurück. Damit stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des kurzfristigen Abwärtstrends. Die langsame Wiederinbetriebnahme der abgeschalteten US-Raffinerie und neue Hurrikanängste halten die Bären allerdings im Zaum. Der angegriffene Abwärtstrend des Dollars wird nach der Wahl in Deutschland zu Grabe getragen. Das Ergebnis verschreckt Anleger. Die US-Währung verteuert sich über Nacht spürbar.

Die Versorgung ist aktuell nicht gefährdet. Sie ist allenfalls regional behindert. Nach den dramatischen Einschätzungen in Folge des Hurrikans Katrina mit satten Preisübertreibungen kommt die Börse auf den Boden der Tatsachen zurück. Große Spekulanten lösen sich von Ihren Longpositionen. Das ist gut für einen Preisrückgang.

In der Grundstimmung des Marktes spiegelt sich allerdings weiterhin der Eindruck von Knappheit. Er kann sich jederzeit Bahn brechen. Um dem entgegen zu wirken, will die OPEC heute einen Beschluss zur Ausstoßerhöhung fassen. Erwartet wird ein nominelles Plus von 0,5 bis 1 Mio. Barrel pro Tag. Mehr als ein freundliches Zeichen kann das nicht sein. Die Wirkung ist wahrscheinlich gering. OPEC-Öl ist unbeliebt, weil es teuer zu raffinieren ist. Es ist schwer und schwefelhaltig. Dieser Nachteil drückt den Preis um 6-7$ pro Barrel gegenüber Texasöl. Das Angebot wird vermutlich in den Lagern liegen bleiben. Immerhin, es zeigt, dass ein Überangebot an Rohöl auf dem Markt ist.

Die OPEC hat annähernd 2 Mio. Barrel pro Tag an Reservekapazität. Allein Saudi Arabien könnte die Förderung um 1,5 Mio. Barrel anheben. Für den Ausbau der Reservekapazitäten, die Anfang des Jahres noch deutlich geringer waren, wird einiges getan. Bereits im letzten Jahr wurde die Zahl der Bohrgeräte um 11% gegenüber dem Vorjahr erhöht.

Preisauftrieb kommt in erster Linie von der Produktenseite auf Grund fehlender Raffineriekapazitäten. Dagegen helfen nur zusätzliche Raffinerien und Sparsamkeit. Wenig hilfreich sind Ideen, Verbrauchern Entlastung durch Steuersenkung zu verschaffen. Das würde langfristig zu noch teurerem Öl führen. Denn die regulierende Wirkung der Marktpreise würde ausgehebelt. Der Anreiz zum Sparen würde untergraben. Teures Öl macht erfinderisch. Mehr als durch jede staatliche Maßnahme wird hierdurch der Ölverbrauch nachhaltig gedrosselt. Investitionen in sparsame Heizungen, die Nutzung regenerativer Unterstützung für Brauchwasser und Raumwärme sowie eine neue Initiative zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs sind wieder populär. In den letzten Tagen zeigte sich, dass die deutsche Autoindustrie den Impuls teuren Sprits dringend benötigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Man hatte sich in den letzten Jahren zu weit von der Entwicklung sparsamer Antriebe entfernt.

Ein noch populistischerer Vorschlag geht in Richtung Sondersteuer für Mineralölkonzerne. Die in der Tat exorbitanten Gewinne dieser Unternehmen sollen danach vom Fiskus abgegriffen und sozialisiert werden. Bei den aktuellen Umsatzrenditen wäre so eine Senkung der Ölpreise von gut 10% möglich. Weil damit aber Kapital für Investitionen in Ölanlagen abgezogen werden würde, wäre eine weitere Teuerung der Ölpreise vorprogrammiert. Spekulanten fühlten sich umgehend eingeladen long zu gehen. Die Teuerung würde nicht bei 10% stehen bleiben. 10% ist hingegen eine normale Schwankungsbreite der Ölpreise im kurzfristigen Zeithorizont. Der Preisrückgang seit Anfang September beträgt bereits mehr.

Der charttechnische Einfluss an der aktuelle Preisentwicklung deutet auf einen weiteren Preisrückgang hin. Heute Morgen wird das allerdings nicht recht deutlich. Der Gasölpreis steigt gegenüber den Freitagsnotierungen. Gasöl wird bei 573$ pro Tonne gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben tendenziell nach. Der deutliche Dollaranstieg verhindert heute Morgen aber einen spürbaren Effekt für Verbraucher. Spekulativ eingestellten Käufern bietet sich wieder einmal die Chance, die Kosten für Wärme zu senken. Wir gewichten die Möglichkeit eines Preisrückgangs momentan leicht höher als die kurzfristige Rückkehr zum Aufwärtstrend. Vorsicht im schnelllebigen Preisbildungsprozess ist wie immer angebracht.

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